SBB
Ein Busunternehmen aus Deutschland bereitet den SBB Sorgen

Zürich retour für zwölf Franken – das ist der Tarif bei «Mein Fernbus». Seit gestern fährt das deutsche Busunternehmen vier Mal pro Tag von Lörrach nach Zürich. Das bereitet den SBB Sorgen, denn mit den Bus-Preisen können sie nicht mithalten.

Moritz Kaufmann
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Giftgrün und günstig: Das sind die Merkmale der Firma «Mein Fernbus»

Giftgrün und günstig: Das sind die Merkmale der Firma «Mein Fernbus»

Seit gestern fährt das deutsche Busunternehmen «Mein Fernbus» vier Mal pro Tag von Lörrach nach Zürich. Der Bus kommt von Frankfurt, Lörrach ist der letzte Halt vor der Endstation Zürich. Billette kann man nur über das Internet kaufen – sie kosten ab 6 Franken pro Stück. Das Preissystem funktioniert wie bei Billig-Airlines: Wer früh bucht, zahlt wenig, wer kurzfristig bucht, dafür mehr. Kommt man von Basel, muss man fairerweise noch das Billett nach Lörrach dazurechnen. Dieses kostet Fr. 4.20. Insgesamt kommt man also ab sofort mit dem öffentlichen Verkehr von Basel nach Zürich und zurück ab Fr. 20.40.

Mit diesem Tiefstpreis wird «Mein Fernbus» eine ernstzunehmende Konkurrenz für die SBB. Bei ihnen kostet die Strecke von Basel nach Zürich ohne Vergünstigungen oder Halbtax 31 Franken einfach beziehungsweise 62 Franken retour.

SBB nehmen Konkurrenz ernst

Das Unternehmen «Mein Fernbus» hat Mitte September bereits für Aufmerksamkeit gesorgt, als es die Strecke Zürich–München eingeführt hat, ebenfalls zu einem für Schweizer Verhältnisse sehr tiefen Preis. Das Unternehmen wurde 2011 gegründet. «Wir können billiger sein als der Zug, weil ein Bus auch günstiger zu betreiben ist als ein Zug», sagt Unternehmenssprecher Gregor Hintz.

Städte und Preise

Ab Lörrach kann man Destinationen in ganz Deutschland erreichen. Zum Beispiel:

- Freiburg ab 6 Franken

- Europapark Rust ab 10 Franken

- Köln (einmal umsteigen in Freiburg) ab 28 Franken

- Berlin (einmal umsteigen in Freiburg) ab 40 Franken.

Das Markendach des Unternehmens hat den Sitz in Berlin, wo rund 30 Leute angestellt sind. Die Busse werden von Busunternehmen betrieben, mit denen man «partnerschaftlich zusammenarbeitet», wie Hintz betont. «Mein Fernbus» wurde von einem ehemaligen Fahrplanplaner des Transportriesen «Deutsche Bahn» gegründet. Hintz: «Wir haben eine relativ simple Struktur mit einer günstigen Infrastruktur ohne unnötig hohe Kosten, die mitunter in grösseren Verkehrskonzernen anfallen.»

Bei den SBB nimmt man «Mein Fernbus» ernst. Das bestätigt Mediensprecherin Lea Meyer. Basel–Zürich sei eine der wichtigsten Verbindungen im SBB-Streckennetz. Allerdings: «Wir müssen erst auswerten, was die neue Konkurrenz für uns bedeutet. Wir haben noch keine Zahlen.» Meyer verweist auf die Vorteile des Zugs: er sei schneller, ökologischer und staufrei. Beim Billettpreis können die SBB aber nicht mithalten. «Die SBB können keine Schleuderpreise anbieten. Wir brauchen rentable Preise, um das Gesamtsystem Bahn betreiben zu können», sagt Meyer.

Schon bald ab Basel?

Noch haben die SBB den Vorteil, dass die Billigbusse nur ab Lörrach fahren. Das dürfte höchstens für Kleinbasler und Riehener wirklich attraktiv sein. Doch: «Dass wir bald auch in Basel halten, ist sehr gut möglich. Es ist eine grosse Stadt und sie liegt auf dem Weg», sagt «Mein Fernbus»-Sprecher Hintz.

Hinzu kommt: Zürich ist nur eine von vielen Destinationen, die man von Lörrach aus erreichen kann. «Mein Fernbus» fährt zahlreiche Städte in Deutschland an und möchte nächstes Jahr noch ausbauen. «2013 wird auf dem Fernbusmarkt viel passieren», sagt Hintz. Damit dürfte das vorpreschende Jungunternehmen sowohl für Fernzüge, als auch zu einem bestimmten Grad für den Billigflieger Easyjet – der vom Euroairport aus viele Flughäfen in Deutschland anfliegt – eine Konkurrenz werden.