Die Begeisterung der jungen Frauen ist ansteckend. Sie sind auf der Baustelle der Wohnbaugenossenschaft Nordwest am Schorenweg 33 zusammengekommen. Schräg gegenüber der neuen Wohnhochhäuser werden hier schon sehr bald 94 vornehmlich bereits vermietete Genossenschaftswohnungen bezugsbereit sein. Mit ihnen soll in der Überbauung am 1. April ein neues Café seine Türen öffnen – mitsamt eines Mehrzweckraums für den Verein Quartierraum Schoren.

Aber was heisst schon «ein neues Café»? Es wird das erste – und sieht man vom kleinen Gastro-Kiosk Zytigs-Stübli ab – das einzige sein in einem Quartier, das rasant wächst. Neue Wohnbauten haben im Schorenquartier in wenigen Jahren Platz für 800 neue Quartierbewohner geschaffen.

«So sehr ich mein Wohnquartier schätze und liebe, so sehr vermisste ich ein Café, das als Treffpunkt dienen kann», sagt Deborah Lüthy. Die kaufmännische Angestellte und Mutter erzählt, wie ihr und anderen Müttern bislang nicht anderes übrig blieb, als auf dem Spielplatz selber Essen und Trinken aufzutischen. «Mein Engagement für ein Quartier-Café ist also eine Herzensangelegenheit – nicht nur für uns Initiantinnen, sondern für ganz viele Menschen im Quartier.»

«Wir sind ein tolles Team»

Zusammen mit Deborah Lüthy bilden die Geschwister Meral Uluçam-Kunduru und Mercan Kunduru sowie Melany Paolo, Rahel Maurer und Hatice Gambon das Gründungsteam des Cafés. Sie haben als «Kaffeetanten», wie sie sich mit einem Augenzwinkern selber bezeichnen, ihrem Projekt den Namen «Café Tante» verliehen. «Wir sind ein tolles Team mit einem überaus freundschaftlichen Zusammenhalt, der sehr motivierend wirkt», sagt Paolo.

Die gelernte Textillaborantin arbeitet seit vielen Jahren in der Gastronomie, hat also Ahnung vom Geschäft, das sie mit aufzuziehen hilft. Sie ist nicht die einzige mit entsprechenden Erfahrungen. «Ich habe seit meiner Schulzeit stets nebenbei im Service gearbeitet», sagt Meral Uluçam-Kunduru, die kürzlich ihr Studium in Germanistik und Philosophie abgeschlossen hat. Einen entsprechenden Rucksack bringt auch ihre Schwester Mercan Kunduru ein, die neben ihrem Teilzeitjob als Hauskeeping-Manager beim Gastwohnungsvermittler Basel Lodging im Restaurant Kornhaus arbeitet.

Bis jetzt haben die sechs Freundinnen, die zwischen 33 und 39 Jahre alt sind, viel ehrenamtliches Engagement in ihr Projekt gesteckt. Hinter den Kulissen ist es bereits weit fortgeschritten. Mit Unterstützung des Stadtteilsekretariats Kleinbasel hat der Verein Quartierraum Schoren, der das Café an das Team untervermietet, im Erdgeschoss der Wohnüberbauung Schoren ideale Räumlichkeiten gefunden. Ideal deshalb, weil das Café an einen grossen Vorplatz grenzt, der explizit als Begegnungszone für das Quartier definiert ist. «Hier wird das Dorf Schoren endlich seinen Dorfplatz erhalten», sagt Lüthy. Einen Teil dieses Platzes wird das Café in den warmen Jahreszeiten als Aussenfläche nutzen.

Eröffnung bereits am 1. April

Doch nun sind die Grenzen des ehrenamtlichen Engagements erreicht. Weil jetzt auch das Café-Mobiliar angeschafft werden muss, hat das Café-Team auf 100-days.net eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Noch bis Ende Februar hat die Bevölkerung im Quartier und darüber hinaus Gelegenheit, einen Beitrag an die anvisierten 20'000 Franken zu leisten. Der aktuelle Vergabestand liegt bei knapp 7500 Franken.

Die Macherinnen, die das Café als Genossenschaft auch operativ führen werden, sind der festen Überzeugung, dass ihr Projekt einen «unverzichtbaren Mehrwert» für das Quartier bieten wird. Als Treffpunkt mit einem «wunderbaren Kaffee», Wein und Prosecco, Kleinigkeiten zum Essen und «guten Backwaren für diejenigen, sich nicht mit dem Brot aus der Migros- und der Coop-Filiale im Quartier zufriedengeben möchten», wie Meral Uluçam-Kunduru sagt. Neben den normalen Öffnungszeiten von Montag bis Freitag, 8.30 bis 18.30 Uhr, sind jeweils einmal im Monat ein Brunch und ein Kulturabend geplant.

Langsam biegt das Gründungsteam auf die Zielgerade ein. Noch präsentieren sich die Räume im Rohbau, mit rohen Backsteinwänden und Kabelkanälen, die von der Decke herunterhängen. Aber bereits am 1. April wollen die Frauen ihr Café eröffnen. Noch weniger Zeit gibt sich der Verein Quartierraum Schoren, der den angeschlossenen Veranstaltungsraum bereits im März übernehmen möchte.