«Herzlichen Dank» steht in grossen Buchstaben an der sonst grauen Wand des Beton-Turms, der zur Basler St. Jakobshalle gehört. An der Wand zieren grosse Namen wie Björn Borg, Ivan Lendl oder Yannick Noah den Turm. Alle sind sie verewigt, die Sieger der Swiss Indoors bis hin zu Novak Djokovic, Vorjahres-Sieger Juan Martín del Porto oder Roger Federer. Doch für einmal geht es am heutigen Montag-Nachmittag nicht um Roger Federer, sondern um den anderen Roger. Jenen, dessen Vornamen man französisch ausspricht: Roger Brennwald.

Seit nunmehr 40 Jahren führt der Turnierdirektor der Swiss Indoors den grössten Sportanlass der Schweiz in der Basler St. Jakobshalle durch. Um sich bei Brennwald zu bedanken, ist nicht nur der Turm für zehn Tage in ein neues Kleid gepackt worden. Nein, es gab heute auch eine Überraschungs-Pressekonferenz. In einem Film wurden die grössten Momente des Herrn Brennwald festgehalten, kombiniert mit Grussbotschaften von Basler Persönlichkeiten wie dem Vorsteher des Erziehungsdepartements Christoph Eymann, Tourismusdirektor Daniel Egloff, Standortmarketing-Leiterin Sabine Horvath oder von Thomas Kastl, dem Geschäftsführer der St. Jakobshalle.

Brennwald wie Boris Becker

«Ich habe mich sehr gefreut über jede einzelne Anerkennung. Es ist eindrücklich, wie viele Persönlichkeiten aus der Region mir gratulieren wollten», sagte der sichtlich gerührte Brennwald. Für ihn, der aus der Region stammt, seien solche Botschaften auch eine Bestätigung für seine Arbeit, und für jene der rund 600 Leute, die sein Team bilden.

Der verkleidete Turm ist ein Symbol des Danks und der Anerkennung. Erst heute Morgen wurde ihm das neue Kleid verpasst, damit Brennwald nicht zu früh Wind von der für ihn geplanten Aktion bekommt. Nichtsdestotrotz hat er «seinen» Turm bereits auf dem Weg vom Aeschenplatz zum Joggeli entdeckt: «Wissen Sie, als ich es gesehen habe, bin ich mir vorgekommen wie Boris Becker einst zu seinen grössten Zeiten», so Brennwald. Er habe den deutschen Tennis-Star einmal gefragt, wie er damit zurecht komme, dass sein Höhenflug überall zelebriert werde, er an jedem Kiosk seinen Namen lese. «Boris sagte dann, er realisiere das gar nicht. Er habe immer das Gefühl, dieser Boris Becker sei eine andere Person, nicht er selber.» Und genau so sei es Brennwald beim Anblick des Turms gegangen.

Eine Uhr für den ersten Sieger

Für alle anderen Anwesenden ist jedoch klar, dass es keine andere Person, sondern nur Roger Brennwald war, dem sie diesen Grossanlass zu verdanken haben. Angefangen hat alles 1970 in einer Traglufthalle und mit einer Armbanduhr als Preis für den Turniersieger. Brennwald war, wie er selber sagt, ein nicht so talentierter Tennis-Spieler. Dafür verwirklichte er sich den Traum eines eigenen grossen Turniers. Die Idee dafür kam dem jungen Brennwald im Militär. Als ihn sein etwas Tennis-begabterer Zimmerkollege in seinem Unterfangen bekräftigte, war für Brennwald klar, dass er diese Pionier-Leistung vollbringen musste.

Nach einem Anfang im kleineren Rahmen gewann das Turnier mit dem Umzug in die Joggelihalle im Jahr 1975 und der Verpflichtung von Björn Borg 1977 zunehmend an Popularität und Strahlkraft. Seit diesem Zeitpunkt konnte Brennwald immer wieder die grössten Spieler der Welt ans Rheinknie locken. Einzig John Newcombe fehlt in einer ansonsten kompletten Liste von Weltnummer-Einsen, die allesamt den Weg an das drittgrösste Hallenturnier der Welt fanden. «Wir sind in Basel gut aufgestellt», sagte Brennwald. Jahr für Jahr entscheiden sich schliesslich auch die grossen Spieler lieber für sein Turnier als für das zeitgleich in Valencia stattfindende.

Nach dem offiziellen Teil wurden die Gäste der zu Ehren Brennwald stattfindenden Pressekonferenz nach draussen gebeten, um auf ihn anzustossen. Wenige Stunden vor dem, was Brennwald selber als «Hammer-Abend, eventuell das Highlight der Geschichte der Swiss Indoors» bezeichnet: einem Super Monday mit Rafael Nadal und Paul Anka. Neben dem sportlichen Leckerbissen mit «einem der grössten Tennisspieler der Geschichte» hat sich Brennwald mit der Verpflichtung von Paul Anka einen eigenen Traum verwirklicht: «Er ist mein Jugendidol, und jedes Lied ist ein Lieblingslied.» Nicht nur Brennwald geriet ob des heutigen Eröffnungstages ins Schwärmen. Da bleibt nur noch etwas zu sagen: herzlichen Dank, Roger Brennwald.