Es war im Jahr 1997, als die Regierung von Grossrat Hanspeter Kehl (SP) einen parlamentarischen Vorstoss entgegennahm: Im Gedenken an die abgewiesenen Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg sollte die Regierung in Zusammenarbeit mit dem Kunstkredit ein Mahnmal schaffen. Sie beauftragte im Jahr 2000 die Kunstkreditkommission, «die Rahmenbedingungen für die Durchführung eines Wettbewerbs für die Schaffung eines Mahnmals zu prüfen.»

Fünfzehn Jahre sind seither ins Land gegangen und nichts geschah, was Grossrätin Christine Wirz-von Planta (LDP) stutzig machte. Sie fragte 2011 nach. Die Regierung antwortete, dass sich die Kunstkreditkommission mit der Sache befasst und vorgeschlagen habe, erst einmal eine Diskussion über Flüchtlinge sowie Sinn und Zweck eines Mahnmals zu lancieren. Eine entsprechende Arbeitsgruppe sollte sich des Themas annehmen. Sie wurde aber nie zusammengestellt, wie die Regierung zugab.

Diskussion wieder aufnehmen

Nach diesem offensichtlichen Leerlauf will man die Mahnmal-Diskussion jetzt wieder aufnehmen. In einem ersten Schritt sollte das Präsidialdepartement eine Gruppe von externen Expertinnen und Experten zusammenstellen, erklärte die Regierung vor anderthalb Jahren.

Auf Anfrage des «Sonntags» sagt der zuständige Kulturchef Philippe Bischof, dass bislang mehrere Gespräche individuell und in Gruppen, zum Beispiel an einem runden Tisch, geführt wurden. «Die Idee eines Wettbewerbs zur Errichtung eines Mahnmals wurde schon vor einiger Zeit verworfen zugunsten einer breiter geführten Diskussion und gezielter Forschungstätigkeit – angebunden an die Universität Basel», erklärt Bischof. Seiner Ansicht nach sind die Basler Museen gemäss dem Museumgesetz frei in ihrer inhaltlichen Ausrichtung und Planung. Bislang ist aber keines zum Thema Flüchtlinge tätig geworden.

Die Idee eines Schweizer Flüchtlingsmuseums oder zumindest eine Fokussierung auf modular aufgebaute einzelne Teile dieses Themas liegt auf dem Tisch. Eine Arbeitsgruppe «Erinnerung», die es seit einigen Jahren am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte und Neuere Allgemeine Geschichte der Universität Basel gibt, hat sie entwickelt. 2002 führte die Gruppe im Basler Vorstadttheater eine Veranstaltung zu Personen und Orten der Erinnerung in Basel während der Zeit des Nationalsozialismus durch. Darauf gaben Professor Heiko Haumann, Privatdozent Erik Petry sowie Julia Richers von der Universität Basel das Buch «Orte der Erinnerung, Menschen und Schauplätze in der Grenzregion Basel 1933 bis 1945» (Christoph-Merian-Verlag) heraus.

Museum oder Ausstellung

Ausgehend von diesen Erfahrungen möchte die Gruppe «eine Form der Erinnerung etablieren», sagt Petry. Sei dies in Form eines Museums oder als modular aufgebaute Ausstellung, die zum Beispiel an ein Museum angebunden werden könnte. Die Arbeitsgruppe gehe zwar vom Zweiten Weltkrieg aus, fasse das Konzept aber weiter als eine reine Konzentration auf jüdische Flüchtlinge, sagt Petry. «Ein konkreter Ort steht derzeit nicht zur Diskussion», betont Petry. Es gebe zwar Kontakte, die jedoch weit entfernt seien von einem Gespräch über eine wie auch immer geartete Realisierung.

In Zürich gab es in den letzten Jahren die Idee zur Errichtung eines «Migrationsmuseums Schweiz», für das ein Projekt von einem Verein entwickelt worden war. «Das Ganze ist gestorben», sagt der Historiker Thomas Buomberger.

In einem ehemaligen Bahnwärterhäuschen in Riehen hat Unternehmensberater Johannes Czwalina «eine jüdische Gedenkstätte» eingerichtet. Dort sollen abgefangene Flüchtlinge im Zweiten Weltkrieg bis zur Ausschaffung festgehalten worden sein. In den anderthalb Jahren seit Eröffnung hätten bereits zehntausend Interessierte die Stätte besucht, sagt Czwalina. Sie wird jedoch von der Arbeitsgruppe der Universität als unwissenschaftlich abgelehnt.

Orte der Erinnerung können besucht werden

Das Hin und Her punkto einer Erinnerungsstätte für Flüchtlinge muss man nicht hinnehmen. Wer jener Zeit gedenken will, hat die Möglichkeit, entsprechende «Orte der Erinnerung», wie sie im gleichnamigen Buch geschildert sind, in Basel zu besuchen.

Der Badische Bahnhof ist ein solches Beispiel. Er hiess ab 1935 «Deutscher Reichsbahnhof Basel» und war seit 1933 mit der Hakenkreuzfahne geschmückt. Er war eine nationalsozialistische Insel inmitten der Rheinstadt. Trotz grosser Proteste linker Kreise wurde die Nazifahne erst 1940 entfernt. Im Bahnhof wurden Flüchtlinge zurückgewiesen, einigen gelang die Flucht.

Ein anderer Ort ist das Gebäude des heutigen Vorstadttheaters an der St.-Alban-Vorstadt 12, wo sich ab 1941 das «Deutsche Heim», das Zentrum der nationalsozialistischen Auslandorganisationen, befand. Unter einem Bild Adolf Hitlers wurde im «Braunen Haus» (Volksmund) etwa der Muttertag gefeiert.

Ein andere Geschichte hat das 1903 erbaute «Schloss» an der Peter-Merian-Strasse 21. Dort residierte seit 1928, also auch in den Kriegsjahren, die IG Chemie. Sie ist eine Gründung der deutschen IG Farben, des damals weltgrössten Chemiekonzerns, für den Zwangsarbeiter kriegswichtige Produkte herstellten. Die Niederlassung diente damals zur Tarnung deutscher Wirtschaftsinteressen. Heute residiert an dieser Adresse eine grosse Vermögensverwaltungsfirma.