Basel-Stadt
Ein Drittel der Montage-Elektriker fiel durch die Abschlussprüfungen

32 Prozent der Basler Absolventen der Lehrabschlussprüfung zum Montage-Elektriker fielen im letzten Jahr durch. Im schweizweiten Vergleich ist das noch keine «Topleistung», aber ein sehr hoher Schnitt. Wo liegt das Problem?

Franziska Zambach und Christine Fürst
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Ein Elektriker an der Arbeit (Archiv)

Ein Elektriker an der Arbeit (Archiv)

Keystone

Seit Ende April laufen die Lehrabschlussprüfungen (LAP) im Kanton Basel-Stadt. Auch die Elektro-Installateure EFZ und Montage-Elektriker EFZ werden zu den Prüfungen aufgerufen. Nur: In den zwei vergangenen Jahren sind jeweils ein Drittel der angehenden Montage-Elektriker durch die LAP gefallen. Wie genau ist das zu deuten?

«Man muss vorsichtig sein bei diesen Zahlen», sagt Roger Graf, Geschäftsführer des Verbands Basler Elektro-Installationsfirmen. Die Abschlussnote bestehe aus drei verschiedenen Prüfungen, die alle bestanden werden müssen. Dort sieht Graf das grosse Problem. Wer das schulische Niveau nicht erreiche, könne noch so begabt im Praktischen sein - es reiche dann einfach nicht für einen erfolgreichen Abschluss.

Schulisches Niveau muss stimmen

Die Lernenden scheitern oft am schriftlichen Teil, meint Graf. Dort stehe das Mathematische im Mittelpunkt. «Die Elektrotechnik ist in beiden Berufen Elektroinstallateur und Elektro-Monteur elementar», betont er. Die Arbeit mit Strom setze Wissen voraus, weil sie auch mit Risiko behaftet sei und exakt gearbeitet werden müsse. «Es ist eine grosse Verantwortung, die die Lernenden übernehmen.» Nur mit genügend schulischem Hintergrund sei dies zu bewerkstelligen.

Berufsunterscheidung

Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie definiert die beiden Berufe wie folgt: Die Bezeichnung Elektroinstallateur (EFZ) gibt es seit der neuen Bildungsverordnung, er löst damit den Elektro-Monteur ab. Er erstellt elektrische Installationen und nimmt Anlagen in Betrieb. Er instruiert Kunden über die funktionelle Handhabung und den energieeffizienten
Einsatz von Energieverbrauchern und Anlagen der Gebäudesystemtechnik. Und er unterhält die elektrischen Systeme und behebt Störungen. Im Gegensatz dazu befasst sich der Montage-Elektriker (EFZ) hauptsächlich mit Montage- und Installationsarbeiten an elektrischen Anlagen. Er legt im Rohbau die Leitungsrohre ein, setzt Unterputzkasten für die Montage der Apparate und montiert Kabeltrassee. Er zieht Kabel und Drähte ein und schliesst die Apparate und Geräte an. (cfü)

Zwischen den beiden Lehrgängen müsse man jedoch differenzieren, sagt auch Grafs Kollege, Thomas Keller, Präsident des Verbands Aargauischer Elektro-Installationsfirmen (VAEI). Die Lehre zum Montage-Elektriker dauert drei Jahre, diejenige zum Elektro-Installateur ein Jahr länger.

Die Ausbildung zum Montage-Elektriker sei sicher einfacher als diejenige zum Elektro-Installateur, bestätigt Keller. Aber auch bei der dreijährigen Ausbildung sei ein gewisses Niveau gefordert. Das grösste Problem sieht Keller darin, dass viele Lehrlinge zwar die vierjährige Lehre beginnen, dieser aber nicht standhalten und in die dreijährige Lehre wechseln. «Sie werden dann zurückgestuft und haben dann eine Art Blockade. In dieser Situation haben die Auszubildenden oft mit Motivationsproblemen zu kämpfen», sagt er.

Montage-Elektriker ist noch jung

Die Lehre zum Montage-Elektriker gibt es erst seit rund zehn Jahren. «Man hätte vielleicht die Umsetzung besser anpassen müssen, denn heute geht der Beruf ein wenig unter, hat zum Teil gar ein schlechtes Image», moniert Keller. Und auch Graf klagt: «Der Beruf wird leider immer noch unter seinem Wert verkauft. Er ist anspruchsvoll. Das darf man nicht unterschätzen.»

Doch auch das Niveau der Prüfungen scheine gestiegen zu sein, meint Keller. Er führt dies auf die neue Bildungsverordnung zurück. Diese trat 2007 in Kraft, 2010 wurden erstmals unter der neuen Verordnung Prüfungen geschrieben. Just zu dem Zeitpunkt, wo die Durchfallquote im Kanton Basel-Stadt rapide gestiegen ist.

Durchfallquote bei den LAP


2011

Elektro-Installateur 21.7 Prozent Zehn von 46 haben nicht bestanden.
Elektro-Monteur 32 Prozent Acht von 25 haben nicht bestanden.

2010

Elektro-Installateur  26.9 Prozent
 14 von 52 haben nicht bestanden.
Elektro-Monteur  32 Prozent
 Acht von 25 haben nicht bestanden.

2009

Elektro-Installateur  18 Prozent
 Neun von 49 haben nicht bestanden.
Elektro-Monteur  32 Prozent
 Acht von 25 haben nicht bestanden.

Das Niveau sei im theoretischen Teil der Prüfungen angehoben worden, bestätigt Graf. «Dies geschah nicht unbedingt zur Freude der Basis.» Die Erfahrung zeige jedoch, dass die praktische Arbeit erfolgreicher ausfalle, als der theoretische Teil der Prüfung.

Basel schneidet schlecht ab

Der Vergleich zwischen Kanton Basel Stadt und Kanton Aargau ist ernüchternd für die Basler. Die Durchfallquote der Aargauer lag im vergangenen Jahr bei rund 25 Prozent. Im Kanton Solothurn ist die Situation 2011 noch besser: Von 20 Absolventen bekamen nur zwei ihr Berufsdiplom nicht.

Eine Durchfallquote im Kanton Baselland existiert nicht wirklich, da keiner der Baselbieter Auszubildenden in den letzten zwei Jahren durch die Prüfung rasselte. Von den drei Prüflingen 2010 und von den elf im vergangenen Jahr haben alle bestanden.

Schweizweiter Durchschnitt bei 80 Prozent

Die Erfolgsquote beider Berufe liege im schweizerischen Mittel bei rund 80 Prozent, dies sagt Jürg Felix, Projektleiter Berufsbildung des Verbands Schweizer Elektro-Installationsfirmen. Er sieht grosse, regionale Unterschiede. So hätten ländliche Gebiete wie beispielsweise der Kanton Uri oft bessere Erfolgsquoten als städtische Gebiete.