Wenn an einer Medienorientierung in Basel alles im Fluss ist, dann präsentiert in der Regel Tino Krattiger das Programm seiner Floss-Konzerte. Nicht so an diesem Frühlingstag: Auch die Basel Sinfonietta nimmt das Sujet in Anspruch. Sie stellt ihre nächste Saison unter das Thema «Fluss». An sechs Abo-Konzerten werden Werke mit Titeln wie «Mothership» oder «Circulating Ocean» aufgeführt. Und im Juni 2018 wird sogar das Basler Hafenareal vom Orchester beschallt.

Im Fluss seien auch die Klänge selber, etwa wenn Jonathan Harveys Werk «Speakings» aufgeführt wird. «Dann wird Musik in Sprache verwandelt, werden Töne zu Silben», sagt Chefdirigent Baldur Brönnimann und verweist auf die «metaphorischen Hintergründe« des Jahresthemas.

Ein bisschen bemüht? Vielleicht. Ein anderes Motto jedenfalls scheint treffender angesichts all der aktuellen Tätigkeiten und Projekte der Sinfonietta: «Netzwerk».

Zahlreiche Kooperationen

Das selbstverwaltete Orchester streckt seine Fühler in der neuen Saison in alle Richtungen aus. Es kooperiert mit Festivals wie Culturescapes, ZeitRäume oder Off Beat. Es begleitet am 1. Internationalen Filmfestival in Freiburg im Breisgau vier Filmprojektionen, von Bruce Lee bis James Bond. Und es liefert den Sound zur Dreigroschenoper am Theater Basel. Doch damit nicht genug. Die Sinfonietta erweitert ihr Netzwerk auch im technologischen Sinn, mit einem Accelerando im Online-Bereich. So rüstet man sich crossmedial für die Zukunft: Als erstes Schweizer Orchester habe man einen eigenen Videokanal eingerichtet, sagt Geschäftsführer Felix Heri.

Sinfonietta.tv ist bereits online, als eigenständige Webseite. Auf dieser Plattform will man Interviews und Porträts der Musikerinnen und Musiker präsentieren und damit dem Orchester ein Gesicht geben. Mit Konzertausschnitten und Probe-Samples möchte die Sinfonietta ein neues Publikum erreichen. «Der TV-Kanal soll unsere bisherigen Social-Media-Aktivitäten auf Youtube oder Facebook ergänzen», sagt Felix Heri. Er präsentiert mit dem jungen Mitarbeiter Raffaele Perniola einen «Anchorman», der für den Content verantwortlich zeichnen wird. Zudem will die Orchesterleitung auch mit dem Basler Videokünstler Gregor Brändli punktuell kooperieren.

Neue Zielgruppen im Visier

Da stellt sich die Frage: Ist das Marketingbudget explodiert? «Nein», winkt Felix Heri ab, «wir sparen bei den Print-Publikationen und hoffen, so neue Zielgruppen zu erreichen.»
Das ist auch nötig, denn in den letzten Jahren brachen der Sinfonietta Abos weg, «was nicht gut für die Moral war», wie Heri sagt.

Die Talsohle habe man hinter sich, ist zu erfahren. Seit der aktuellen Saison zeigen die Abozahlen wieder nach oben. Womöglich Folge eines Generationenwechsels, der intern begonnen hat. Das selbstverwaltete Orchester hat erstmals einen Chefdirigenten verpflichtet: Baldur Brönnimann will die Qualität steigern und das Potenzial der Sinfonietta besser ausschöpfen. Einige ältere Musiker stiegen aus, die neue Struktur war nicht mehr ihr Ding.

Die Verjüngung des Ensembles überträgt sich, so die Hoffnung, auch auf das Publikum. Denn die Sinfonietta muss sich auch für die Zukunft rüsten, weil sie bereits heute stärker dem Wettbewerb ausgesetzt ist: Durch das von Basel neu eingeführte Fördermodell kann sich kein Ensemble – abgesehen vom Sinfonieorchester Basel – sicher sein, Subventionen zu erhalten. Die Sinfonietta muss sich wie das Kammerorchester oder das Barockorchester La Cetra also ständig behaupten.

Das verstärkte Networking ist auch vor diesem Hintergrund zu betrachten: Indem die Sinfonietta ihre Kooperation mit der Musikakademie verstärkt, indem sie Studierenden Praktikumsplätze anbietet und Nachwuchsdirigenten die Möglichkeit gibt, Orchestererfahrung zu sammeln, möchte sie sich unverzichtbar machen.

Das Programm: www.baselsinfonietta.ch