Basel-Stadt

«Ein eigentliches Powerplay» – Roche will den Salvisberg-­Bau weg haben

Heimatschutz-Obmann Christof Wamister vor dem Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg.

Heimatschutz-Obmann Christof Wamister vor dem Bau 27 von Otto Rudolf Salvisberg.

Der Basler Heimatschutz kritisiert die Neubaupläne für das Südareal des Pharmakonzerns Roche scharf.

In den Vorstellungen von Roche darüber, wie das Areal zwischen Grenzacherstrasse und Rhein künftig aussehen wird, spielen sie längst keine Rolle mehr: der Laborbau 27 von Otto Rudolf Salvisberg sowie das Hochhaus Bau 52 von Roland Rohn. Vergangene Woche präsentierte der Pharmariese seine überarbeiteten Pläne für das sogenannte Südareal. Statt den erwähnten Bauten aus dem vergangenen Jahrhundert soll dereinst ein rundes Empfangsgebäude inmitten eines neuen Parks sowie ein drittes Hochhaus von rund 220 Metern Höhe zu stehen kommen. Auch die «weisse Fabrik» entlang des Rheins soll abgerissen werden.

«Schlüsselwerk des Neuen Bauens in Europa»

Noch läuft allerdings ein Verfahren zur Unterschutzstellung der historischen Roche-Bauten. Vom federführenden Bau- und Verkehrsdepartement ist lediglich zu erfahren, dass man sich hierzu «in Verhandlungen mit Roche» befinde, man aufgrund des laufenden Verfahrens sich nicht äussern wolle.

Wer sich dezidiert zum Thema äussern kann, sind der Basler Heimatschutz und dessen Obmann Christof Wamister. Gegenüber dieser Zeitung betont er nochmals, wie wichtig aus bauhistorischer Perspektive sowohl der Laborbau von Salvisberg wie auch das Hochhaus von Rohn seien. Der Laborbau 27 ist in den Augen des Salvisberg-­Kenners und Professors Bernd Nicolai aus Bern «der meistpublizierte Industriebau der frühen Moderne in der Schweiz und eines der Schlüsselwerke des Neuen Bauens in Europa». Insbesondere der Skelettbau mit den berühmten Pilzstützen habe damals, so Wamister, in Fachkreisen für grosses Aufsehen gesorgt und das Gebäude sei später von Roland Rohn, dem zweiten Roche-Hausarchitekten nach Salvisberg, «in kongenialer Weise erweitert worden». Die Roche wiederum sieht das diametral anders: Der Salvisberg-­Bau sei längst nicht mehr im Originalzustand und deshalb aus denkmalschützerischer Sicht ­alles andere als erhaltenswert.

«Der sogenannte ursprüngliche Zustand ist aber nicht der Gradmesser bei der Bemessung eines Denkmalwerts», kontert Wamister. Es sei vielmehr «das Ganze, das mit seiner architektonischen Qualität und baugeschichtlichen Bedeutung als kulturelle Leistung zu bewerten ist». Auch der Bau 52, das bis vor einigen Jahren dominierende Gebäude von Roche, findet beim Konzern keine Gnade mehr: zu unpraktisch in der Raumaufteilung, allzu grosse Erschliessungsflächen, energetisch kaum auf den heutigen Stand zu bringen. Für den Basler Heimatschutz ist das zwischen 1957 und 1960 entstandene Bauwerk allerdings auch von grosser Bedeutung. Wamister schliesst sich in seinem Urteil dem Architekturhistoriker ­Bernhard Furrer an: «Es ist ein hervorragendes Zeugnis des wirtschaftlichen Aufschwungs in den 1960er-Jahren. Dank seiner eleganten Präsenz vermag es sich vor dem neuen Hochhaus von Herzog & de Meuron, mühelos zu behaupten.»

Für Christof Wamister spricht noch etwas anderes gegen den Abriss von zahlreichen Bauten auf dem Areal: ­Roche-Vizepräsident André Hoffmann habe in einem Interview kürzlich gesagt, dass Nachhaltigkeit wichtiger sei als die Rendite. «Daher wäre es umso wichtiger, wenn die Planer mehr Konversionsprojekte in die Überlegungen einbeziehen würden», sagt Wamister. «In Zeiten des Klimawandels sollte das auch für eine multinationale ­Firma absolut Pflicht sein.»

Auch Bau 21 soll nicht unter Schutz gestellt werden

Grundsätzlich stört sich der Basler Heimatschutz, ein privater Verein, am Gebaren des Konzerns und seiner aktuellen Hausarchitekten: «Wir haben den Eindruck, dass Roche und Herzog & de Meuron eine sehr harte Linie fahren, ein eigentliches Powerplay.» Selbst beim Direktionsgebäude Bau 21 von Salvisberg, dessen Erhalt für ­Roche bisher unbestritten ist, verweigere der Konzern laut ­seinen Informationen eine Unterschutzstellung, «weil man sich für einen Umbau und die weitere Zukunft nicht binden will».

Bis jetzt hatten sich laut Christof Wamister Regierung und Parlament gegenüber der Firma «sehr konziliant» verhalten, auch sein Verein hat sich mit rechtlichen Mitteln zurückgehalten. Aber mit dem Unterschutzstellungsverfahren, das vor einigen Monaten vom Denkmalrat beantragt worden war, sei nun erstmals ein ernsthaftes Hindernis aufgetaucht. Wie sich der Heimatschutz im Fall eines aus seiner Sicht negativen Entscheids der Basler Regierung verhalten würde, sei noch nicht klar. Weitere rechtliche Schritte behalte man sich aber zumindest vor.

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Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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