Die Guillotine hat er schon. Paul Mumbach (64), Maire des 2300 Einwohner-Ortes Dannemarie, 45 Kilometer westlich von Basel, hat sich das Mordwerkzeug der Französischen Revolution nachbauen lassen. Töten will er niemand, aber der Föderalist ist zutiefst überzeugt, dass es einen grundlegenden Umbruch in Frankreich braucht. Er sieht die Guillotine als ein Symbol dafür.

«So geht es nicht weiter. Wir fahren das Land an die Wand. Die Republik muss dringend reformiert werden», ist Mumbach überzeugt. Dazu gehört für ihn zum Beispiel, den Senat, die zweite französische Kammer, abzuschaffen. Sein Versuch, sich für die «Maires en colères», die wütenden Bürgermeister, als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen, ist allerdings gescheitert. Es gelang ihm nicht, die für die Kandidatur notwendigen 500 Stimmen von Funktionsträgern zusammenzubekommen.

Eine neue Strategie

Jetzt hat er eine andere Strategie: «Ich versuche, die wichtigen Kandidaten zu überzeugen, die Notwendigkeit eines stärker föderalistischen Systems in ihr Programm aufzunehmen.» Vorbild ist für ihn die Schweiz: «Das ist eine richtige Demokratie und auch wirtschaftlich läuft es gut.»

Im Mittelpunkt seiner Kritik steht der französische Zentralismus. Den müsse man zerstören. «Den Parteien geht es doch nur um die Macht.» Auch könne nicht sein, dass ein Gesetz unter unterschiedlichen Bedingungen überall vollkommen gleich angewandt wird. «Nur für den Bau eines neuen Schulhofs schickt der Präfekt mir volle drei Seiten Vorschriften.»

Der Maire ist überzeugt, dass man die Einwohner für das, was geschieht, interessieren muss. «Sie müssen Verantwortung übernehmen und das funktioniert nur wirklich in der Kommune und nur durch Nähe.» Wenn die Maires nach der Gebietsreform, bei der das Elsass in der riesigen neuen Struktur Grosser Osten aufgegangen ist, für eine Sitzung bis nach Metz oder Nancy fahren müssten, würden sie das eben nicht mehr machen.

Mumbach steht der regionalistischen Partei «Unser Land» nah, die sich bei den Regionalwahlen 2015 zur drittwichtigsten politischen Kraft des Elsass entwickelt hat. Mitglied ist er nicht. An seinem Veston trägt er dafür einen Pin mit der französischen Trikolore und dem Weiss-Rot des Elsass. Neben einer Europafahne steht in seinem Büro die weiss-rote elsässische Fahne. Elsässisch versteht er, aber spricht es nicht. Sein Vater stammt aus Mulhouse, die Mutter aus Belfort.

Kritik an Macron

Von seinen Wurzeln her ist Mumbach Zentrist und war Ende der Sechzigerjahre Anhänger der bürgerlichen UDF von Valérie Giscard d'Estaing. Der Mitte-Kandidat Emmanuel Macron überzeugt ihn nicht. Vergeblich hat er versucht, seine Steuererklärung anzufechten. «Erst gibt er ein Vermögen von 3,5 Millionen Euro an, um sich im Folgejahr auf sein Ministergehalt von 150 000 Euro zu beschränken.» Eine Antwort, wo das Geld geblieben sei, erhielt er nicht. Sowieso würde es mit Macron so weiter gehen wie bisher, daran hat der Maire keine Zweifel.

Neben seinem politischen Mandat engagiert er sich bei der Freiwilligenarbeit. Schon 1983 gründete er eine Organisation, in der 25 000 Vereine Mitglieder sind. «Ich sagen meinen Kollegen, wenn sie sparen wollen: Jeder Euro, die ein Verein als Subvention erhält, bringt drei Euro. Durch jeden Euro, den man einsparen will, verliert man drei.»

Ausserdem setzt er sich für die Telemedizin ein, die Diagnosen auf Distanz ermöglicht. «In den nächsten fünf Jahren werden im Südelsass ein Drittel der Hausärzte pensioniert.»

2009 ging eine Nachricht aus Dannemarie durch die halbe Welt: Eine Touristin hat das «Hôtel de Ville», die Bezeichung für Mairie, für ein Hotel gehalten und war dort über Nacht eingeschlossen worden. Mumbach hat reagiert: Heute steht über dem Gebäude auch «town hall».