Erdbebenfolgen
Ein Erdbeben in Basel hinterliesse ruinierte Hauseigentümer und Konkurse

Ohne obligatorische Versicherung könnten Hypotheken nicht mehr zurückgezahlt werden und Banken würden in Schwierigkeiten geraten.

Peter Schenk
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So wie auf dem Bild in Mexico, könnten auch die Basler Strassen nach einem Erdbeben aussehen. Das wäre jedoch nicht das einzige Übel, das drohen würde. (Symbolbild)

So wie auf dem Bild in Mexico, könnten auch die Basler Strassen nach einem Erdbeben aussehen. Das wäre jedoch nicht das einzige Übel, das drohen würde. (Symbolbild)

Keystone

Die Schäden wären immens. Wenn sich das grosse Erdbeben, das Basel 1356 so gut wie zerstört hat, wiederholt, käme es je nach Quelle zu Schäden von bis zu 120 Milliarden Franken, vielen Toten, unzähligen Verletzten und Obdachlosen. Ob die Erde schon in wenigen Jahren bebt oder erst später. bleibt offen. Dass es dazu kommt, ist sicher.

Für viele Hauseigentümer würde das Beben den Ruin bedeuten. Bei der Basler Gebäudeversicherung sind Erdbebenschäden ausgeschlossen und insgesamt sind in Basel lediglich fünf bis zehn Prozent der Immobilienbesitzer gegen Erdbebenschäden versichert.

«Im Fall eines grossen Schadensereignisses wären viele Eigenheimbesitzer nicht in der Lage, die finanziellen Folgen zu tragen», schreibt die Swiss Re in ihrem Beitrag «Erdbebenversicherung für Hypothekargeber in der Schweiz». Die Eigentümer wären also nicht mehr in der Lage, ihre Hypotheken zurückzuzahlen.

Die Naturkatastrophe würde zu einer Kettenreaktion führen – mit Folgen auch für die Banken, die aufgrund der zahlungsunfähigen Kreditnehmer mit einer Verschlechterung ihres Portefeuilles rechnen müssen. Es wäre weniger Geld für den Wiederaufbau da, viele Hauseigentümer müssten sich verschulden, generell leide der Konsum, was wiederum zwei bis drei Jahre lang nach der Katastrophe zu Insolvenzen von kleinen Unternehmen führen würde, führt die Swiss Re weiter aus.

Armut im Alter gehört dazu

Noch gar nicht die Rede ist hier von den Immobilieneigentümern, die ihre Häuser als Geldanlage für ihre Pension gekauft haben und auf einmal im Alter ohne Einnahmen da stehen. Der Hauseigentümerverband (HEV) Basel-Stadt schreibt Anfang Mai, dass der volkswirtschaftliche Schaden eines Erdbebens in der wirtschaftsstarken Region Basel zu Ausfällen in der ganzen Schweiz führen würde. «So würden verschiedene Bezügerkantone von einem Ausfall des Kantons Basel-Stadt beim Nationalen Finanzausgleich in arge Bedrängnis geraten.»

Der HEV plädiert deshalb wie der Kanton Basel-Stadt für die Einführung einer obligatorischen Erdbebenversicherung in der Schweiz. Dafür setzen sich auch Versicherungen und Politiker wie die Basler Ständerätin Anita Fetz (SP) und die Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) ein. Eine Standesinitiative des Kantons Basel-Stadt wurde allerdings Ende letzten Jahres vom Nationalrat abgelehnt.

Die Mehrheit argumentierte, dass der Bund nicht zuständig für die Einführung eines Obligatoriums sei und Versicherungen schon heute eine Deckung von Erdbebenschäden an Gebäuden anbieten würden. Allerdings wäre eine nationale Versicherung erheblich günstiger und die übrige Schweiz würde sich mit Basel und seinem erhöhten Erdbebenrisiko solidarisch zeigen.

Besser als die basel-städtischen Hausbesitzer hat es ein Teil der Baselbieter. Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) bietet seit Oktober 2014 allen, die bei ihr eine Hypothek aufgenommen haben, automatisch und gratis eine Erdbebenversicherung an. Sie ist auf die erwarteten Schäden eines Bebens wie das von 1356 ausgerichtet.

Die Bank hilft sich damit auch selbst, indem sie ihr Risiko absichert. Der Marktanteil im Hypothekargeschäft beträgt laut Medienstelle im Kanton 40 Prozent. Neben der kostenlosen Variante gibt es eine mit reduziertem Selbstbehalt, für die der Kunde durchschnittlich 80 bis
100 Franken im Jahr bezahlt.

Bei der Basler Kantonalbank (BKB) sei die Erdbebenversicherung laut Medienstelle «immer wieder Thema.» Über ihren Anteil am Hypothekargeschäft gibt die Bank keine Auskunft.
Laut HEV Basel-Stadt soll die obligatorische Erdbebenversicherung nun über ein Konkordat, eine Zusammenarbeit der Kantone, realisiert werden.

Die Konferenz der Kantonsregierungen habe der Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr die Aufgabe erteilt, bis zur Plenarversammlung am 19. Mai eine Entscheidungsgrundlage dafür vorzubereiten. Der Weg zum Obligatorium scheint lang: Es braucht dafür eine Ergänzung der Bundesverfassung und die Mehrheit der Kantone.

Billiger erbebenertüchtigt

Bis dann bleibt die private Lösung: Wer sich als Stockwerkeigentümer gegen Erdbeben versichern will, kann dies beispielsweise bei der Baloise nur, wenn das ganze Haus mitmacht. Ob das Haus Erdbeben ertüchtigt ist, spielt bei der Prämie keine Rolle. Helvetia bietet guten Kunden mit Stockwerkeigentum eine Lösung an. Erdbebenertüchtigung wird bei der Prämie berücksichtigt.