Mühelos und unaufhaltbar, mit hellbraunem Dreck und Kies verschmiert, frisst sich der Tunnelbohrer durch die letzten Zentimeter der neuen Kanalisation beim Kunstmuseum. Dann, mit lautem Getöse, ist der Durchstich des Tunnels - gut 13 Meter unter der Erde - geschafft. Eine dickflüssige Masse aus Sand und Steinen quillt aus dem Loch. Der Vorgang nennt sich Microtunneling. Wie es der englische Name sagt, eignet sich diese Methode um kleine Tunnels zu graben. Im Falle des Kunstmuseums misst der Kanalisationstunnel im Durchmesser 1,3 Meter.

Die Bohrung begann vor rund dreieinhalb Wochen. Das Spezielle daran: Die neue Kanalisation musste auf engstem Raum erstellt werden. Strassenverkehr, Tramverkehr und vor allem di e Sicherheit im Kunstmuseum erschwerten die Rahmenbedingungen zusätzlich. 700 000 Franken kostete alleine die Tunnelbohrung.

Aufgrund der engen Platzverhältnis nicht nur über sondern auch unter der Erdoberfläche mussten die Berechnungen der Ingenieure auf zwei Zentimeter genau stimmen. Während der Bohrung konnten die neuen Kanalisationsleitungen bereits verlegt werden. Dies, indem die Rohre jeweils von hinten eingelegt wurden und der Bohrkopf hydraulisch weiter nach vorne geschoben wurde; elektronisch gesteuert von einem Kontrollraum aus.

Problemloser Durchbruch

«Mit dem Neubau der Kanalisation arbeiteten wir am Rande der technischen Machbarkeit», erklärt Ralph Kutsche, der projektleitende Ingenieur. Vor allem der grosse Bogen, den die Kanalisation von der Dufourstrasse her Richtung Wettsteinbrücke machen muss, bereitete den Ingenieuren Sorge. Darum war die Freude gestern bei den anwesenden Arbeiter, Tiefbauleiter und Ingenieure umso grösser, als der Durchbruch problemlos gelang.

Ein glückliches Gesicht machte auch Stefan Charles, Kaufmännischer Direktor des Kunstmuseums. «Der Tiefbau war für uns die heikelste Phase. Mit diesem Durchstich ist nun das Schlimmste vorbei.» «Schlimm» sei der Tiefbau für das Kunstmuseum gewesen, weil Emissionen, Lärm und Erschütterungen den Museumsbetrieb tangiert hätten. Etwa als die Eisenpfähle eingeschlagen wurden, hätte man im Kunstmuseum Bewegungsmelder eingeschaltet, um die Kunstwerke zu schützen. Die Verantwortlichen waren während diesen Phasen im ständigen Kontakt.

Wären die Erschütterungen zu stark gewesen, hätte das Kunstmuseum den Bauvorgang sofort lahmlegen können. «Zum Glück kam es nie dazu. Alles ist gut vonstattengegangen», atmete Charles auf.

Zeitlicher Mehraufwand

Trotz der grossen Baustelle: Einen Besucherrückgang musste das Kunstmuseum deswegen nicht verzeichnen. Im Gegenteil: mit der Picasso-Ausstellung verbuchte das Kunstmuseum einen weiteren Erfolg. Die Besucher wurden während den lauten Bauphasen auf die Umstände hingewiesen.

Mehr Umstände haben die verschiedenen Abteilungen des Kunstmuseums. «Bei uns sind praktisch alle Abteilungen in die Bau-Planung involviert. Das bedeutet ein grosser zeitlicher Mehraufwand», sagt Charles. Vom Restaurator, der sich überlegen muss, wie er die Kunstwerke um die Baustelle herum ins Museum bringt, bis zum Kurator - alle müssen mithelfen und mitdenken.

Obwohl der zeitliche Aufwand gross sei, würden sich alle «auf ein grossartiges Museum» freuen, sagte Charles. 2016 soll die Eröffnung stattfinden. Bis es aber soweit ist, braucht es noch einiges an handwerklicher Arbeit. Nachdem nun der Kanalisationstunnel von der Dufourstrasse 122 Meter Richtung Wettsteinbrücke gebohrt wurde, muss dieser nun mit der bestehenden Kanalisation unter den Tramschienen verbunden werden.

In gut zwei Monaten wird der Tiefbau abgeschlossen sein. Bereits am 16. August sollen die Grundsteine für den Neubau des Kunstmuseums gelegt werden.