Dass mit Novartis und dem Unispital «etwas im Busch» ist, war bereits vergangene Woche klar, erst recht, als am Donnerstag die Einladung zu einer Medienorientierung erfolgte. Dass es die Augenheilkunde betrifft, überraschte hingegen.

Denn das Augenspital war in der jüngeren Vergangenheit nicht gerade das Thema, wenn es um Ausbau ging. Im Gegenteil: Die Gesundheitsdirektoren der beiden Basel hätten sogar eine Schliessung ins Auge gefasst, hiess es gerüchteweise. Auch im Novartis-Konzern ist die Augenheilkunde («Alcon») derzeit ein Sorgenkind: Zumindest das Linsengeschäft und die chirurgische Abteilung sollen in irgendeiner Form abgestossen werden. «Wir waren zu lange zu wenig innovativ», sagt ein Novartis-Sprecher.

Wer sind die wissenschaftlichen Garanten für das neue Basler Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology (IOB)? Es sind dies Hendrik Scholl, Chefarzt des Augenspitals, und Botond Roska, Neurobiologe und Ophthalmologe am Friedrich Miescher Institut. Scholl, der Kliniker, und Roska, der Grundlagenforscher, verstehen sich bestens und sind seit Scholls Tätigkeit in Basel in engem Austausch. Ihr Rezept: Die Grundlagenforschung muss näher zur Praxis. Und umgekehrt. «Wir müssen das Potenzial viel besser ausschöpfen», sage Roska am Freitag. Und Novartis-Präsident Jörg Reinhardt befand: «Wir wissen noch viel zu wenig über die grundlegenden Zusammenhänge.» Das Auge ist nicht nur Optik, es ist auch ein Computer.

Der Deutsche Hendrik Scholl (48) studierte in Tübingen, arbeitete dort am Augenspital, im Moorfields Hospital in London und am Unispital Bonn. Im Wilmer Eye Institute an der John Hopkins University Medical School leitete er die Retina-Spezialklinik und hat dort eine ausserordentliche Professur. 2016 liest er in Basel und steht dem Ophthalmologie-Departement und dem Augenspital vor. Er wohnt mit Frau und zwei Kindern in der Region Basel.

Der 1969 in Ungarn geborene Botond Roska studierte an der Semmelwies Uni in Budapest und in Berkeley in Kalifornien, wo er sich auf Neurobiologie spezialisierte. Seine Studien setzte er in Harvard in Genetik fort. 2005 kam er an das Friedrich Miescher Institut, wo er eine interdisziplinäre Forschergruppe in den Gebieten Neurowissenschaften, Genetik, Physiologie und «das Sehen» leitet.

Gemäss Schilderungen eines Bekannten ist Roska ein sehr origineller Denker, der sich im Institut nebst seiner Fachkompetenz offenbar auch mit seinem skurrilen, philosophischen Humor einen Namen machte. In seiner Zeit in Ungarn hat er auch Mathematik und Cello studiert, heisst es in einer Medienmitteilung vom Freitag. Er freut sich noch immer am Cellospiel und schreibt mathematische Beweise. Wie Scholl lebt er mit Frau und drei Kindern in der Region.

Umfragen haben ergeben, dass bezüglich Krankheiten die Angst vor Blindheit unmittelbar nach der Angst vor Krebs kommt. Die Stargadt-Krankheit ist beispielsweise die häufigste vererbte Makula-Degeneration. Sie bricht in der Kindheit aus und führt, bisher unheilbar, zu Sehverlust. Der «Grüne Star» umfasst eine Gruppe Erkrankungen, die den Sehnerv schädigen. Er betrifft zwei Prozent aller über Vierzigjährigen.

Erbliche Netzhautkrankheiten («Retinitis Pigmentosa») betreffen 1 von 3000 bis 5000 Menschen. Man hat heute 45 Gene identifiziert, die Ursache für die Krankheit sein könnten. Es wird ein Schwerpunktgebiet des IOB. Ziel: Wiederherstellung der Sehfähigkeit Erblindeter.