«Wenn Sie sich operieren lassen, lassen Sie jemanden den Eingriff machen, der Ahnung hat, oder?», fragt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel-Stadt – und verdeutlicht so, was auch bei der Behandlung von Bäumen gelten sollte: Experten sind die bessere Wahl.

Für die Gärtner ist die momentane Jahreszeit speziell. Die normalen Arbeiten sind fast unmöglich – bis auf eine: das Schneiden von Bäumen. «Um Baumschnitte vorzunehmen, gibt es die betriebswirtschaftlich gesehen ideale Zeit – und den physiologisch gesehen idealen Zeitpunkt.» Während letzterer im Sommer ist, ist betriebswirtschaftlich gesehen jetzt Saison, denn «viel anderes als Bäume schneiden ist ja nicht möglich», sagt Trueb. Deshalb wird das Gros der Bäume in Basel in der jetzigen laublosen Zeit geschnitten und nicht in der physiologisch besseren Zeit. «In der Vegetationszeit haben die Gärtner so viel zu tun, dass für das Stutzen der Bäume kaum Zeit übrig bleibt.»

Doch die Baumschnitt-Saison macht auch immer deutlich, dass Baumschnitt nicht gleich Baumschnitt ist. «Es gibt immer wieder sehr hässliche Bilder, die von nicht fachgemässer Baumpflege zeugen», erklärt Trueb. In diesem Fall spreche man von Baumverstümmelung. «Es kann so viel falsch gemacht werden, wenn man einen Baum schneidet», sagt Thomas Schulte, Präsident des Gärtnermeisterverbands beider Basel.

Oft sei es Unwissen privater Personen, die zur Baumverstümmelung führe. «Sie bezahlen lieber den etwas billigeren Gärtner oder gar den nicht explizit zur Baumpflege ausgebildeten Bauern, als ausgebildete Experten beizuziehen», sagt Schulte. Während Baumverstümmelungen im Kanton Basel-Stadt auch aufgrund des Baumschutzgesetzes rar geworden sind, gibt es im Landkanton noch immer sehr viele Fälle von arger Verstümmelung, sagt Trueb. Dass viele Bäume in Baselland im privaten Besitz sind, macht die Aufgabe auch nicht einfacher. Schulte: «Auf diese nicht öffentlichen Gewächse haben wir keinen Einfluss.»

Vorsicht vor Energie-Sackgassen

Die Baumpflege ist erst vor ungefähr 25 Jahren intensiv untersucht worden und daher ein noch eher junges Gebiet. So wurden früher viele Problembäume produziert, weil sie immer wieder zu radikal getrimmt wurden, erklärt Trueb. Denn ist ein Baum erst einmal verstümmelt, gibt es für ihn keine Rettung mehr. «Die Bäume werden an den abgeschnittenen Stellen von Pilzen befallen, dies wiederum führt zu Fäule.»

Die Fäule im Inneren des Baums lässt seine Statik auseinanderbrechen, was wiederum dazu führt, dass der Baum bricht und dadurch stirbt. «Das alles kann nach nur einem falschen Schnitt passieren», warnt Trueb.

Deshalb appellieren die beiden Experten daran, besser darauf zu achten, dass die Bäume fachgerecht geschnitten werden. «Fachlich gute Schnitte sind erstens daran zu erkennen, dass die Querschnitte der abgeschnittenen Äste nicht grösser sind als der Querschnitt eines Armes» so Trueb. Zweitens sei es wichtig, dass die Schnittstellen nicht alleine gelassen werden, sondern überall eine Fortsetzung haben. «Damit wird gewährleistet, dass die Energie, die aus der Wurzel auch nach einem Schnitt ungehindert und im gleichen Masse produziert wird, nicht an einer Sackgasse stecken bleibt, sondern weitergeleitet wird», führt Trueb aus. Als drittes sei ein grosser Anteil an Feinästen wichtig.

«Am schönsten ist jedoch ohnehin ein Baum, der nicht geschnitten werden muss», sagt Schulte. Ist ein Schnitt unumgänglich, solle man jedoch daran denken, dass die Baumkrone das Erscheinungsbild eines Baumes präge. Sie ist das Gleiche wie die Frisur beim Menschen, bei der Wert auf gutes Aussehen gelegt wird. «Und wieso sollte ein Baum das nicht dürfen?», fragt Schulte.