Festtage für Alte Musik

Ein Festival, das auf die Stadt Basel zugeschnitten ist

Im Blauen Haus: «Der musikalische Garten» mit (v.l.) German Echeverri Chamorro, Daniela Niedhammer, Annekatrin Beller und Karoline Echeverri Klemm . Susanna . Drescher

Im Blauen Haus: «Der musikalische Garten» mit (v.l.) German Echeverri Chamorro, Daniela Niedhammer, Annekatrin Beller und Karoline Echeverri Klemm . Susanna . Drescher

Die Festtage für Alte Musik Basel haben ein eigenes Profil, das auf Basels Musikleben und seiner Musikgeschichte gründet. Die dritte Ausgabe widmet sich wieder einer Übergangszeit – der vom Barock zur Klassik.

Festivals gibt es überall, viele sind austauschbar, leben von den durch die Welt tourenden Stars und Orchestern. Nicht so die Festtage für Alte Musik Basel: Sie haben ein eigenes Profil, das auf Basels Musikleben und seiner Musikgeschichte gründet. Peter Reidemeister, der künstlerische Leiter der vom «Verein zur Förderung von Basler Absolventen auf dem Gebiet der Alten Musik» getragenen Festtage und frühere Leiter der Schola Cantorum Basiliensis, sowie Geschäftsführer Renato Pessi sind die Köpfe dieses einzigartig in der Musiklandschaft stehenden Festivals.

Peter Reidemeister Künstlerischer Leiter der Festtage für Alte Musik Basel

Die dritte Ausgabe der Festtage für Alte Musik Basel findet vom 21. bis 29. August statt und ist dem Übergang vom Barock zur Klassik gewidmet. Die 16 Konzerte an verschiedenen Orten bringen Musik von Johann Sebastian Bach und Friedrich Händel bis Joseph Haydn und Wolfgang Amadé Mozart, eine neapolitanische Oper, ein Melodrama von Georg Benda, eine Messe von Johann Adolf Hasse, Vorträge und Stadtführungen.www.festtage-basel.ch

Peter Reidemeister, Künstlerischer Leiter der Festtage für Alte Musik Basel

Die am 21. August startende dritte Ausgabe widmet sich dem Übergang vom Barock zur Klassik, der Zeit zwischen 1740 und 1780. Auch die dritten Festtage – wie schon die zwei Ausgaben zuvor – bauen auf die Schola Cantorum Basiliensis mit ihrem immensen Wissen und der langjährigen erfolgreichen Praxis der Alten Musik. Zudem legen sie den Fokus auf das Musikleben in der Stadt Basel in jener Zeit.

Musiksammler Lucas Sarasin

Im Zentrum stehen zwei grosse Musiksammler und Musikbegeisterte: Lucas Sarasin und Jeremias Wildt. Lucas Sarasin, der Seidenfabrikant, der sich in den 1760er Jahren das Blaue Haus am Rheinsprung bauen liess, war Musikliebhaber, er spielte Geige und Kontrabass. Sarasin lud begnadete Amateure und Profimusiker in den Musiksaal mit Orgel im Blauen Haus.

Aus der Sammlung, die heute in der Basler Universitätsbibliothek ihr Zuhause hat, spielt das Quartett «Der musikalische Garten» (mit German Echeverri Chamorro und Karoline Echeverri Klemm, Violinen; Annekatrin Beller, Violoncello; und Daniela Niedhammer, Cembalo und Fortepiano) Kompositionen von Johann Christian Bach bis Johann und Carl Stamitz. Die Stücke gelten als «Wegbereiter der Klassik». Auf die Festtage hin bringt der «Verein zur Förderung von Basler Absolventen auf dem Gebiet der Alten Musik» gemeinsam mit Radio SRF 2 Kultur eine CD mit Musik aus der Sammlung Sarasin heraus.

Lucas Sarasin war als Musiker auch Mitglied des Basler Collegium Musicum, dieser Vereinigung von musizierenden Basler Bürgern. Für das Collegium fertigte der Basler Instrumentenbauer Jeremias Schlegel unter anderem eine Traversflöte an, die im hiesigen Museum zu bewundern ist. Der heutige Basler Flötenbauer Giovanni Tardino hat speziell für das Festival eine Replik des Originals der Schlegel-Traversflöte angefertigt. Flötist Karel Valter wird ihren warmen, schönen Klang in einem Konzert dem Publikum vorführen.

Blaues Haus

Das von Lucas Sarasin in den 1760er-Jahren erbaute Blaue Haus in Basel war auch ein Haus der Musik. (Foto: Kenneth Nars)

Musiksammler Jeremias Wildt

Auch Jeremias Wildt, ebenfalls Seidenfabrikant und Erbauer der Barockvilla am Petersplatz, des Wildt’schen Hauses (1762–64), war ein Musikbegeisterter. In seiner Sammlung sind Komponisten wie Giuseppe Tardini, Gaspar Fritz, Luigi Boccherini, Joseph Haydn vertreten, um nur einige wenige zu nennen. Wildt ist ein Konzert an den Festtagen im Wildt’schen Haus gewidmet – mit dem «Ensemble l’Ornamento» mit den Schwestern Juliane (Blockflöte) und Katharina Heutjer (Violine), mit Jonathan Pešek (Cello) und Sebastian Wienand (Cembalo). 

Im Blauen Haus: «Der musikalische Garten» mit (v.l.) German Echeverri Chamorro, Daniela Niedhammer, Annekatrin Beller und Karoline Echeverri Klemm . Susanna . Drescher

Im Blauen Haus: «Der musikalische Garten» mit (v.l.) German Echeverri Chamorro, Daniela Niedhammer, Annekatrin Beller und Karoline Echeverri Klemm . Susanna . Drescher

Im Blauen Haus: «Der musikalische Garten» mit (v.l.) mGerman Echeverri Chamorro, Daniela Niedhammer, Annekatrin Beller und Karoline Echeverri Klemm. (Foto: Susanna Drescher)

Einen weiteren regionalen Schwerpunkt bilden die Basler Orgeln der in Strassburg ansässigen Familie Silbermann mit Vater Andreas und Sohn Johannes Andreas. «Die prachtvollste Orgel steht natürlich im Arlesheimer Dom, aber der ist zur Zeit wegen Renovationsarbeiten geschlossen», bedauert Reidemeister. Hingegen kann das Publikum die Schönheiten der Silbermann-Orgel der Predigerkirche geniessen, präsentiert vom dortigen Organisten Johann-Andreas Bötticher, Professor an der Schola Cantorum Basiliensis.

Eine musikalisch reiche Zeit

Dass die Festtage ihren Fokus auf Basel und das Basler Musikleben legen, hat der Programmation von Beginn an Leitplanken vorgegeben. Das war wichtig, denn der Übergang vom Barock zur Klassik ist – wie jede Übergangszeit – künstlerisch äusserst fruchtbar und reich. Es war die Zeit der Geburt des Streichquartetts wie des klassischen Orchesters, des Aufkommens des galanten Stils und der «Empfindsamkeit», die Zeit der musikalischen Erneuerer. Dazu gehören, neben vielen anderen, die Bach-Söhne, die «Mannheimer» mit Johann Stamitz und anderen sowie Joseph Haydn als einer der grossen künstlerischen Revolutionäre.

Auch das ist Konzept der Festtage – dass sich jedes Programm Zeiten der grossen Veränderungen widmet. Thema des ersten vor vier Jahren war der Übergang vom Spätmittelalter zur Renaissance, vor zwei Jahren war es der Übergang von der Renaissance zum Barock und nun derjenige zur Klassik.

Stars und junge Interpreten

Ebenso Konzept ist die Begegnung von Meistern und Stars der historisch informierten Aufführungspraxis mit exzellenten jungen Interpreten, die an der Schola Cantorum Basiliensis ausgebildet wurden.

Für das Eröffnungskonzert am 21. August in der Martinskirche und die Messe von Johann Adolf Hasse, am 23. August im Münster wurde das renommierte Ensemble «Café Zimmermann» gewonnen: Eröffnungskonzert wie Messe aber verlangen nach einer grösseren Besetzung. Ein aus Schola-Absolventen für die Festtage gebildetes «Ensemble Ripieni Festivi» und – nur für die Messe – ein «Ensemble Cantori Festivi» ergänzen «Café Zimmermann».

Cembalist Andreas Staier, auch er war Dozent an der Schola, kommt mit dem Freiburger Barockorchester. Daniela Dolci und ihr Basler Ensemble «Musica Fiorita» bringen die neapolitanische Opera buffa «L’Impresario in angustie» als Wiederentdeckung zur Aufführung (siehe bz vom 22. Juli). Eine neue Gattung damals war das Melodrama (rezitierter Text zu Musik). Davon gibt es als ein Beispiel: «Ariadne auf Naxos» von Georg Benda – mit dem Ensemble «Der musikalische Garten», dem Violinisten Gottfried von der Goltz (Konzertmeister des Freiburger Barockorchesters) sowie Franziska Ernst als Ariadne und Meinhardt Möbius als Teseus. Solche Projekte werden extra für die Festtage realisiert und bedürfen einer eingehenden, längeren gemeinsamen Probezeit. Dafür kommen auch die Stars gerne schon früh nach Basel.

Renommierte Streichquartette lassen das Publikum die Geburt der Kammermusikgattung miterleben. Und das Schlusskonzert mit Joseph Haydns Oratorium «Die Schöpfung» dirigiert ein Star der Alten Musik und ein in Basel alter Bekannter: René Jacobs – auch er war Dozent an der Schola Cantorum Basiliensis. Der Belgier bringt das «Collegium vocale Gent» und «Baroque Orchestra B’Rock Gent» mit nach Basel.

Viele hervorragende junge Ensembles bereichern die Festtage mit Mittags- und Feierabendkonzerten. Einige Konzerte sind ohne festen Eintritt, nur eine Kollekte wird eingesammelt. So besteht der Sponsor des Schlusskonzerts auf dem Gratiseintritt: Musikbegeisterte sollen unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten in den Genuss grosser Musik kommen. Selbst hier – wie in allen Belangen – sind die Festtage für Alte Musik Basel nicht austauschbar mit anderen Festivals.

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