Basel
Ein fremdes Wildtier im Stadtdschungel

Letzte Woche wurde im St. Johann ein Waschbär tot aufgefunden. Die Verbreitung von Waschbären in Basel könnte schwerwiegende Konsequenzen haben.

Ayse Turcan
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Ein Waschbär wurde in Basel aufgefunden. (Themenbild)

Ein Waschbär wurde in Basel aufgefunden. (Themenbild)

Bruno Kissling

In der vergangenen Woche wurde im Basler St. Johann-Quartier ein Waschbär tot aufgefunden. Wie das Regionaljournal von Radio SRF berichtete, entdeckten Anwohner am Donnerstagmorgen den leblosen Körper eines Waschbären auf dem Trottoir. Das etwa 30 Zentimeter lange Tier hatte Blut um die Schnauze, die Todesursache war noch unklar. Der Kadaver wurde dem Veterinäramt übergeben, das in der Zwischenzeit die Todesursache geklärt hat: Der Waschbär war überfahren worden, teilte das Amt der bz am Freitag mit.

Als Neozoon darf der Waschbär gejagt werden

Es ist nicht das erste Mal, dass Waschbären in der Region gesichtet werden. 2012 tappte ein Exemplar in eine Fotofalle in Liesberg (die bz berichtete). Schon bei jener Sichtung im Laufental waren Wildhüter besorgt und fürchteten eine Ausbreitung der Tierart. In den letzten Jahren gab es immer wieder vereinzelte Meldungen über die Sichtung des Wildtiers in der Stadt. Insgesamt blieb es in der Region aber bis jetzt eher ruhig um das putzige Pelztier. Ähnlich gestaltet sich das Bild für die Schweiz: Laut Jagdstatistik des Bundes wurden 2018 nur fünf Waschbären erledgt. Als Neozoon, also eine hier nicht ursprünglich heimische Tierart, darf der Waschbär ohne Restriktionen gejagt werden.

Laut Dirk Hamburger, Bio-Sicherheitsinspektor beim Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, gibt es bis jetzt erst vereinzelte Exemplare der Säugetierart in Basel. Laut dem Bio-Sicherheitsinspektor könne davon ausgegangen werden, dass die in der Region vorkommenden Waschbären von Deutschland her einwandern. Dort hat sich der Kleinbär bereits äusserst unbeliebt gemacht. Die Tiere sorgen in betroffenen Wohngebieten für Chaos – kein Müllsack ist vor den Allesfressern sicher. Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 100'000 Waschbären geschossen.

Eine Gefahr für einheimische Wildtiere

Hamburger erklärt, weshalb eine Ansiedlung des Waschbären in der Stadt nicht unbedingt ein Anlass zur Freude ist: «Würde sich der Waschbär hier ausbreiten, könnte er einheimische Tiere verdrängen. Nicht nur andere Raubtiere, denen er das Futter streitig macht, auch seltene Vogelarten könnten in Bedrängnis geraten.»

Punkto Krankheitsübertragung muss man den Waschbären laut Dirk Hamburger nicht mehr fürchten als andere Tiere. Personen, die in der Region Waschbären entdecken, können dies dem kantonalen Laboratorium melden. Hamburger gibt aber zu bedenken, dass bei der Beobachtung Vorsicht geboten ist: «Der Waschbär ist ein Wildtier. Das sollte man respektieren und das Tier nicht in die Enge treiben».