Diesen Film hätte er auch gern produziert, sagte er einmal. Kein Wunder, «Casablanca» hat drei Oscars gewonnen. Aber keiner davon steht bei Arthur Cohn in Basel. Genug Platz hätte der Produzent ja in seinem Penthouse, wie er seine Dachwohnung unweit des noblen Gellert-Quartiers nennt, und die anderen sechs Oscars hätten endlich ein Gspänli aus einer anderen Zeit. Schliesslich war Cohn ein Teenager und noch lange nicht im Filmbusiness tätig, als «Casablanca» 1942 gedreht wurde.

Seither flossen viele Millionen Liter Wasser den Rhein hinter und auch Tränen wurden mehr als genug vergossen. Einige entwichen sensiblen Zuschauern beim Schauen von Cohns Filmen, manche vor Freude darüber, dass ein Basler in der Welt derart erfolgreich sein kann, ohne je vor der Kamera Tennis gespielt zu haben.

Was aber nicht heissen muss, dass der ehemalige Sportreporter Cohn dem Sport heute abgeneigt ist. Im Gegenteil. Sport und Film lassen sich bei ihm sehr gut verbinden, wie er immer wieder beweist.

Der Sport bleibt eine Leidenschaft

Wenn er früher zur Eröffnung des Open-Air-Kinos auf den Münsterplatz lud, waren nebst Stars aus dem Showbusiness stets auch Grössen aus der Welt des Sports zugegen. Franz «Der Kaiser» Beckenbauer war ein gern gesehener Gast, lange, bevor er wegen der WM-Affäre in Ungnade fiel. Selbstverständlich liess sich auch Roger «The King» Federer nicht zwei Mal bitten, damals, als 18 Grand-Slam-Titel noch ein ferner Traum waren und Kurt Felix ebenfalls noch unter den Gästen weilte. Und auch wenn Tina Turner, Thomas Gottschalk und ein Bundesrat nicht gerade zusammen mit der Sportelite bei Cohn weilen, mag es dieser sportlich. Er träume davon, den FCB im Champions-League-Final zu sehen, sagte er einmal.

Aber, mögen Sie sich fragen, worum geht es eigentlich?

Der Mann, über den hier geschrieben wird, hat etwas zu feiern. Immer – und heute besonders. Da er es aber ausdrücklich nicht mag, wenn sein Geburtstag medial aufgegriffen wird, sehen wir über das Datum hinweg und widmen uns weiterhin allgemein dem Leben jenes Mannes, der Basel in die Welt trägt und umgekehrt.

Winner: West Side Story und Cohn

Wenn Arthur Cohn nicht gerade einen FCB-Schal um den Hals hat, trägt er praktisch immer eine gelbe Krawatte. Einen triftigen Grund für das Gelb gibt es keinen, es sei mit der Zeit halt Tradition geworden und diese führe er gern weiter, sagte er einmal. Goldgelb trifft es besser als nur gelb und ist passender. Goldgelb symbolisiert die Ewigkeit, ein Begriff, der im Zusammenhang mit Cohns Schaffen genannt werden darf, ohne übertrieben übers Ziel hinauszuschiessen. Oder finden Sie, es sei keine Ewigkeit her, dass «West Side Story» mit Oscars eingedeckt wurde? Erinnern Sie sich überhaupt daran?

Cohn war an diesem Klassiker von 1961 nicht beteiligt, doch betrat er, als es Oscars für Robert Wise regnete, dieselbe Bühne wie der «West Side Story»-Regisseur. Damals tat Cohn zum allerersten Mal, was Wise an jenem Abend routiniert tat: Er nahm das goldgelbe Männlein für eine besondere Leistung entgegen. In Cohns Fall hiess diese «Nur Himmel und Dreck» und war ein Dokumentarfilm über eine Expedition nach Neuguinea. Es ist bis heute Cohns günstigster Film und sein erfolgreichster in den USA. Diese Kombination zeige, dass man an das glauben muss, was man tut, sagte Cohn einmal. Und dass man nicht auf andere Leute hören sollte.

Wer weiss, was andere Leute jemandem wie Arthur Cohn raten, was sie von ihm verlangen, an ihm kritisieren. Vielleicht hat ihm schon mehr als eine Promidame gesagt, er solle die ständige Küsserei lassen. Die in der Schweiz üblichen drei Küsschen zur Begrüssung seien schon zu viel und deren zehn unerträglich. Vielleicht wehrte sich mal ein Radiojournalist, wenn Cohn ihm wortwörtlich vorsagte, wie er das Interview einzuleiten habe: «Wir sprechen nun mit dem xx-fachen xx-Gewinner und xx-fachen Gewinner des xx-Preises, der xx-mal für xx geehrt wurde.» Und bestimmt gab es schon ein Hollywoodstar, der fand: «Hey, Arthur, zieh doch zu uns rüber und verlass dieses Nest in der Schweiz, wie hiess es noch gleich?» Vielleicht waren es sogar sehr berühmte Freunde wie Steven Spielberg oder Goldie Hawn, Cohn kennt sie alle. Aber trotzdem: Er ist Basel stets treu geblieben.

Hollywood war schneller als Basel

Dies nicht zuletzt wegen der positiven Erinnerungen an die Kindheit hier. Und weil er sich nur in Basel richtig zu Hause fühle. Jener Stadt, die erst im Jahre 1996 auf die Idee kam, Cohn zum «Ehrespalebärglemer» zu küren und seinen Namen am entsprechenden Altstadt-Berglein neben die Namen anderer Würdeträger und selten -innen in den Boden zu ritzen. Dumm nur, dass «Arthur Cohn» zu jenem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren anderswo in einen Boden gestanzt war – und zwar in Form eines Sterns auf dem «Hollywood Walk of Fame». Dort dachte man zwei Jahre nach seinem zweitletzten Oscar aus dem Jahr 1990, es wäre mal an der Zeit für die Ehre. In Basel gab man 1992 dem Kolumnisten Minu den Vorrang.

So sind sie eben, die Basler, immer schön zurückhaltend und ja nicht zeigen, was man hat. Man hat es ja seit Generationen, prahlen ziemt sich da nicht, warum auch? Man hatte ja nie nichts, es ist normal, viel zu haben und kein Grund zur besonderen Freude. Und prahlen tut nur, wer vom Erfolg überrascht wird. Etwa so, wie vor einer Woche Roger Federer, der aber auch nicht prahlt, obwohl er streng genommen gar kein echter Basler ist.

Für Manor und Uni trägt er Fliege

Zehn Jahre nach dem «Ehrespalebärglemer» kam auch die Uni Basel auf den Geschmack und verlieh Cohn 2006 den Ehrendoktor. Zu diesem Anlass tauschte Cohn seine Krawatte gegen eine schwarze Fliege ein.

Eine solche trägt er übrigens auch auf dem Flyer der Manor für die Vorpremiere seines neuen Films «The Etruscan Smile». Manor verlost 300 Tickets für das Ereignis, das am 9. Februar im Musical Theater stattfindet und zu dem nicht nur Manor-Kunden erscheinen werden. Angekündigt ist etwa der norwegische Superstar Liv Ullmann. Die Schauspielerin wird Cohn an diesem Abend ehren.

Egal, wie gut der Film bei Publikum und Kritikern ankommt: Für den Oscar Ende Februar ist es zu spät, da nur Filme aus dem Vorjahr ausgezeichnet werden. Doch vor dem Oscar ist nach dem Oscar. So verhält es sich bekanntlich auch mit Geburtstagen, von denen Cohn noch zahlreiche feiern möchte. Er könne sich vorstellen, unbegrenzt alt zu werden, sofern er bei seinen geistigen Kräften bleiben könnte, sagte er einmal. Und wenn man ihn hört und ihn erlebt, passt die Farbe Goldgelb und deren ewige Bedeutung tatsächlich.