Basel
Ein Google-Screenshot für 10'000 Franken – Dürr zahlte es aus eigenem Sack

Die Bildersuche für Regierungsrat Baschi Dürr ist zu Ende: Hannah Weinberger gestaltet das Büro des Regierungsrats mit einem Screenshot der Google-Startseite. Das Bild kostete 10'000 Franken – Dürr bezahlte es selbst.

Tumasch Clalüna
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Die 25-jährige Hannah Weinberger ist eine Künstlerin, die hauptsächlich an der Schnittstelle von Raum und Klang arbeitet. Obwohl sie erst gerade ihr Studium an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen hat, konnte sie ihre Arbeiten bereits in der Kunsthalle Basel, dem Swiss Institute New York oder aktuell im Fri-Art in Fribourg präsentieren. Mit einem Screenshot der Google-Startseite hat sie nun den Wettbewerb um die Büro-Kunst für den Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr gewonnen.

«Google» (2008 bis 2010/2013) ist ein frühes Werk der 25-jährigen Basler Künstlerin Hannah Weinberger. Sie hat es für den Wettbewerb des Justiz- und Sicherheitsdepartements (JSD) redimensioniert. Ende Mai 2013 hat das JSD für das Büro von Sicherheitsdirektor Baschi Dürr einen öffentlichen Kunstwettbewerb zum Thema «Sicherheit - zwischen Gemeinschaft, Gesellschaft und Staat» ausgeschrieben. Es gingen rund 30 Wettbewerbseingaben ein. Weinbergers Arbeit bündelt mit reduzierten Mitteln die Frage von totaler Freiheit und fragiler Sicherheit auf der Schnittstelle von Gemeinschaft und Gesellschaft. Dürr bezahlt für das Werk 10'000 Franken aus der eigenen Tasche.

Frau Weinberger, warum haben Sie am Wettbewerb teilgenommen?

Hannah Weinberger: Ich habe die Ausschreibung gesehen und wusste sofort, welches Werk zu diesem Wettbewerbs-Thema am besten passen könnte.

Sicherheit – zwischen Gemeinschaft, Gesellschaft und Staat. Der Hauptfokus unserer Zeit und der Welt, in der wir leben.

Ich habe die Arbeit schon einmal in Kleinformat gemacht, und dachte: Das ist jetzt der perfekte Ort dafür. In einem anderen Kontext würde ich sie wahrscheinlich nicht so zeigen wollen, sie hätte je nach dem eine andere Bedeutung und würde ein anderes Licht auf mich als Autorin werfen.

Aber als quasi Auftragsarbeit geht es in Ordnung.

Genau. Ich habe bislang noch nie ein Kunstwerk verkauft, sondern habe jede Arbeit jeweils ortsspezifisch entwickelt.

Geht es Ihnen dabei um die Selbstdefinition als Künstlerin?

Unter anderem ja. Ich stehe natürlich auch hinter der Entscheidung, bei so einem Wettbewerb mitzumachen und so eine Arbeit zu kreieren.

Haben Sie keine Probleme mit Staatskunst?

Doch. Jedoch handelt es sich zumindest bei der Referenz dieses Werkes ganz und gar nicht um Staatskunst. Ich finde aber, es handelt sich um Staatskunst, wenn Künstler zu 100 Prozent von und in Kulturförderung leben und sich das Karussell der Geförderten und der Jurymitglieder im Kreis dreht. Und vor allem dann, wenn die Kunst sich nur in diesem Kontext wieder spiegelt.

Wer hat denn in diesem Fall entschieden?

Der Regierungsrat, der Polizeikommandant, der Feuerwehrkommandant und eine Kuratorin sowie Kunsthistorikerin des Kunstmuseums. Das ist etwas völlig anderes, als wenn man einem Fachgremium gegenübersitzt. Es war auch viel weniger Geld im Spiel, als beispielsweise bei üblicher Kunst an Bau-Projekten, deren Budget direkt an die Gesamtkosten gekoppelt ist.

Und wie war das so?

Es war spannend. Unter anderem eine nette Konversation darüber, was es heisst, ein Google-Bild im Büro hängen zu haben.

Und was heisst es?

Ich weiss nicht, was es heisst. Aber ich rechne es Baschi Dürr hoch an, dass er diese Arbeit für sein Büro gewählt hat. Es ist sicher nicht etwas, mit dem man sich so einfach schmücken würde.

Versteht Dürr es selbstironisch?

Spätestens, wenn seine Kollegen ins Büro kommen und fragen: «Ist das Werbung für Google oder ist das Kunst?», hat es eine andere Wirkung als eine rein dekorative. Vielleicht verschwindet das Bild aber auch im Hintergrund, da unsereins sich an diese Oberfläche gewöhnt hat. Und ich finde es eigentlich auch schön.

Gab es denn keine Einwände?

Die einzige Frage war, ob es nicht auf einem anderen Medium besser wäre. Ich habe gesagt, er könne es rahmen, wenn er wolle.

Gibt es eigentlich kein Problem mit dem Copyright?

Nein, es ist Kunst.