Wer umweltbewusst ist, achtet auf Recycling. Das Prinzip ist bekannt: Aus benutzten Rohstoffen werden Produkte mit ähnlichem oder gleichem Nutzen hergestellt. Bei uns weniger verbreitet ist das Konzept des Upcyclings, bei dem ansonsten unbrauchbaren Gegenständen und Materialien neues Leben geschenkt wird. Dabei können diese entweder in ähnlicher Form weiter verwendet werden oder als Grundlage für ein ganz anderes Produkt dienen.

Upcycling-Objekte sind meist — anders als recycelte — hochwertiger als die Rohstoffe, aus denen sie entstanden sind. Im offenen Atelier des Kunstmuseums Basel lassen Besucher am Sonntag aus Altem Neues und Einzigartiges entstehen. Gemeinsam mit Modedesigner Rafael Kouto gestalten sie gebrauchte Textilien um und werten sie dadurch auf.

Ausgangspunkt für den Workshop ist die aktuelle Kunstmuseums-Gastausstellung «Leiko-Ikemura». «Ähnlich wie die schweizerisch-japanische Künstlerin lebt Rafael Kouto zwischen zwei Kulturen», sagt Hannah Horst, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung des Kunstmuseums. Der im Tessin aufgewachsene Kouto hat Wurzeln in der Schweiz und in Afrika. Das sieht man seiner Mode auch an. Seine Stücke sind eine hybride Mischung aus schweizerischer und afrikanischer Ästhetik.

Dabei folgt Kouto stets den Prinzipien des in Afrika längst weit verbreiteten Upcyclings. Die Textilsammelstelle Tex Aid macht’s möglich: Dort reicht Kouto jeweils zu Beginn einer neuen Kollektion eine Liste ein, auf der er seine Wunschstücke, -materialien und -farben angibt. Aus der von Tex Aid zusammengestellten Vorauswahl pickt er sich dann die Teile heraus, die er brauchen kann und transformiert sie zu Haute Couture oder kommerziellen Modellen. «In Textilsammelstellen werden die besten Stücke aussortiert und an Secondhand-Shops weitergegeben. Dahinter steckt ein riesiger Wirtschaftszweig», sagt Horst.

Den Kreislauf durchbrechen

Lediglich Zweite-Wahl-Kleidung wird nach Afrika geschickt. «Dort kommen die Sachen in grossen Bündeln an, welche die Leute auf Verdacht kaufen, ohne zu wissen, was drin ist», sagt Horst. Haben sie Glück, sind etwa ein paar alte Nike-Shirts dabei, die sie dann secondhand verkaufen können. Haben sie Pech, sind es nur Bettlaken.

Mit seiner Mode nimmt Kouto die Kleider aus diesem Kreislauf heraus und schenkt ihnen ein neues Leben. So will er ein Zeichen gegen den gegenwärtigen Konsum- und Produktionswahn setzen. Rafael Kouto arbeitet aber nicht nur mit alten Kleidungsstücken, sondern verwendet für seine Kollektionen auch unkonventionellere Materialien aus dem Haushaltsmüll — Plastik, zum Beispiel. Der Titel seiner aktuellen Kollektion: «All the nothing that will remain» («All das Nichts, das bleiben wird»).

Wer zum Workshop kommt, bringt alte Kleidungsstücke mit, die zu eng oder zu weit geworden sind oder deren Schnitt man immer schon ändern wollte. Nach einem Beratungsgespräch mit Kouto passen die Teilnehmer die mitgebrachten Stücke an und werten sie auf. Und kreieren Neues aus dem ewigen Haufen Nichts, den niemand braucht.

   

Offenes Atelier «Upcycling» Sonntag 10 Uhr, Kunstmuseum Basel; mehr Infos unter www.kunstmuseumbasel.ch