Dass im Kanton Baselland unbegleitete Flüchtlingskinder und -jugendliche nicht in altersgerechten Institutionen, sondern in gewöhnlichen Asylheimen der Gemeinden untergebracht werden, hat heftige Kritik und Empörung ausgelöst. Damit würden die Kinderrechtskonvention der UNO sowie die Bundesverfassung verletzt, hiess es.

«Die jungen Menschen haben auf ihrer Flucht zu viel durchgemacht, als dass wir sie in einem Asylheim unter erwachsenen Männern und ohne spezielle Betreuung unterbringen könnten», kommentierte die Therwiler Gemeinderätin Ursula Jäggi im August, als die bz über die Missstände berichtete.

Zuletzt wurden junge Asylsuchende vereinzelt in Jugendheimen wie dem Erlenhof in Reinach untergebracht. Doch auch das ist nicht optimal. Im Nachbarkanton Basel-Stadt gibt es für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) eine spezielle Wohngruppe.

Ab 1. Februar 2016 offen

Doch nun handelt auch der Kanton Baselland: Auf den 1. Februar 2016 soll ein Heim für 25 UMA eröffnet werden. Der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi bestätigt entsprechende Recherchen der bz. Ein Standort für das Heim scheint ebenfalls bereits gefunden: Es handelt sich um das Areal der Wielandschule am Stollenrain in Arlesheim. Die zum Verbund der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen (GSR) gehörende Wielandschule hat per Ende des vergangenen Schuljahrs in Arlesheim ihren Betrieb eingestellt. Noch sei nichts definitiv, stellt Rossi klar. Man sei in den Verhandlungen aber sehr weit. Und: Eine Alternative zum Standort Arlesheim ist derzeit nicht greifbar. Bereits in den nächsten Wochen soll der Baselbieter Regierung ein definitiver Lösungsvorschlag zur Genehmigung unterbreitet werden.

«Ich bin froh zu hören, dass sich etwas tut. Es ist dringend nötig, dass die UMA ordentlich betreut werden», sagt Barbara Jansen von Amnesty International Liestal und Umgebung. Erfreut zeigt sich auch der Allschwiler SP-Landrat Andreas Bammatter. Mit einem dringlichen Vorstoss hat er im Kantonsparlament eine angemessene Unterstützung und Betreuung für die UMA gefordert. Es sei nichts als verantwortungsvoll, diese Menschen vertieft zu begleiten und zu fördern. Wenn junge Flüchtlinge gut integriert und davor bewahrt werden, in die Kleinkriminalität abzurutschen, so profitiere davon die gesamte Gesellschaft, gibt Bammatter zu bedenken.

Keine Dauereinrichtung

Das kantonale Heim für die UMA soll rasch einen Notstand beheben, aber nicht zur Dauereinrichtung werden. Die Wielandschule in Arlesheim könnte maximal zwei Jahre genutzt werden. Mehr als eine Übergangslösung soll das Heim aus Sicht des Kantons auch gar nicht sein, denn: Es gebe keine gesetzliche Grundlage für kantonseigene Strukturen in diesem Bereich; der Lead liege bei den Gemeinden und den Kindesschutzbehörden (Kesb). «Wenn der Kanton nun einspringt, dann aus der Einsicht heraus, dass die Not gross ist und diese jungen, vulnerablen Menschen unsere Hilfe benötigen», erklärt Rolf Rossi. Das Provisorium soll dem Kanton Zeit verschaffen, um gemeinsam mit den Gemeinden langfristige Lösungen zu erarbeiten.

12-Jährige alleine auf der Flucht

Der Leidensdruck hat nämlich, seit die bz im August erstmals über die ungenügende Betreuung der UMA berichtete, nochmals zugenommen: War damals von 50 UMA im Baselbiet die Rede, ist diese Zahl in der Zwischenzeit auf 90 geklettert. 2013 waren im Baselbiet 14 Asylgesuche von UMA gemeldet. Rolf Rossi betont, dass das Durchschnittsalter der ankommenden UMA sinke. Zwar stellten die 16- und 17-Jährigen noch immer die Hauptgruppe dar, doch gebe es mittlerweile auch 12-Jährige, die alleine in die Schweiz einreisten – dies nach abenteuerlicher, teilweise lebensgefährlicher Flucht.