Vorfasnacht

Ein herrliches Charivari 2020: Eine Nummer jagt die andere – und Nicole Bernegger ist jetzt Frau Fasnacht

Das Charivari macht seiner Herkunft alle Ehre. Mit neuem Regisseur und musikalischer Brillanz zeigt das Nummernspiel, was Vorfasnacht auf einer grossen Bühne kann.

Das Charivari ist dieses Jahr eine gewaltige Nummernshow. Jede einzelne Szene bietet beste Unterhaltung. Die Rahmenstiggli werden vom teilweise neuen Ensemble und vom ganz neuen Regisseur Lucien Stöcklin auf einfache aber überzeugende Art in Szene gesetzt. In «Blätzli gsuecht» versucht eine Fernsehmoderatorin (Tatjana Pietropaolo) Hunde zu vermitteln. Die tragen Namen von realen Politikerinnen und Politikern und verfügen über ähnliche Eigenschaften. So sind Joël und Sebastian (Thüring und Frehner) nur im Doppelpack abzugeben, weil sie miteinander, aber auch ohne einander nicht können.

Weiter glänzt das Charivari auch mit Vorfasnachtsprominenz. Ein junges Mädchen träumt davon, Trommelinstruktor zu werden, wie der Vater (Tim Koechlin) und der Grossvater (Peter Richner). Die beiden erklären ihr, wie das Basler Trommeln historisch entstanden ist. So soll eine erste Spur in einer Baselbieter Kalksteinhöhle gefunden worden sein. Das Witzige sind die je zwei Trommler, die die verschiedenen Einflüsse musikalisch übersetzen, inklusive «Cliquendialäggt».

Was ist denn das für eine Fasnachtssprache?

Eines der besten Rahmestiggli ist aber jenes über die «Fasnachtssprooch»: Eine deutsche Uniprofessorin erklärt die häufigsten Aussprüche vor, an und nach der Fasnacht. So ist «und?» einer der beliebtesten Ausdrücke und universell einsetzbar. Vor der Fasnacht wird damit das zu erwartende Wetter angesprochen, an der Fasnacht soll das bisher Erlebte erzählt werden wie auch am Bummel. «Mer nämme denn mol ain» werde immer gesagt - auch wenn klar sei, dass man sich an den drei Tagen im «Gwüehl» nicht mehr sehen werde. Interessant ist für die Professorin, dass man sich bereits am Morgestraich um 5 Uhr «e scheene Räschte» wünscht. Enden würde jedes Gespräch mit «zämme!».

Vor der Pause heizen die Räpplispalter noch so richtig ein. Die Bieranjas hingegen kann man fast nicht mehr als Gugge bezeichnen. Sie spielen «Let Me Entertain You» von Robbie Williams und unterhalten das Publikum so, dass niemand mehr im Saal ruhig sitzen bleiben kann.

Und die gewaltigen Klänge der musikalischen Produktion

«Die näggscht Stuefe» erklimmt dann die Basler Trommelakademie. So wie sie «ruessen» und den Wirbel zelebrieren, fragt man sich, wie viele Stufen es nach oben überhaupt noch gibt? Es spielen ja auch aktuelle Trommelkönige mit. Für die klassischen Fasnachtsklänge sind die VKB sowie die beiden Pfeifergruppen Schäärede und Spitzbuebe zuständig, die unterhaltsame und saubere Vorträge abliefern.

Bei den Schnitzelbängg sinnieren D Gwäägi in ihrem Langvers darüber, wer sonst noch den HD Läppli spielen könnte: Von Schauspielern über Magistraten kommen sie schlussendlich auf eine Politikerin. D Brunzguttere kennt bereits die Abschiedsrede von Hans-Peter Wessels.

Zweimal tritt das Charivari-Männlein auf und beklagt sich jedes Mal bitterlich. Als erstes über die Männer und ihre Vorherrschaft. Klar, denn es wird von einer Frau gespielt (Olivia Zimmerli). So werde auch das Charivari von alten Männern dominiert. Doch in einem Punkt freut er, bzw. sie sich: An den «drey scheenschte Dääg» übernehme schliesslich Frau Fasnacht! Als zweites ereifert sich das Männchen, dass es nur den Pausenclown spielen darf, wenn das Ensemble die Kostüme wechselt.

Hier geht ihr Auftritt in die Aufstellung zur sensationellen Schlussnummer über. Das Ensemble singt eine Baseldeutsche Adaption von Queens Bohemian Rhapsody. In der Mitte einegewaltige Frau Fasnacht, die in der Person von Sängerin Nicole Bernegger ihre grosse Präsenz ausstrahlt – visuell, klanglich, charaktgervoll. Eine weibliche Freddie Mercury, die dem Charivari einen markanten Schlusspunkt setzt.

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