Tierliebhaber

Ein Herzens-Trog für wilde Katzen: Dieser Basler will den Büsis helfen

Jeden Abend bringt Sascha von Sawilski hungernden Katzen Futter – das stösst auf Widerstand. (Symbolbild)

Jeden Abend bringt Sascha von Sawilski hungernden Katzen Futter – das stösst auf Widerstand. (Symbolbild)

Basler Behörden verbieten Sascha von Sawilskis Futterstation für wilde Katzen. Eine Hintertür lassen sie ihm aber offen.

Sascha von Sawilski sieht auf den ersten Blick nicht aus, als müsse man ihn mit Samthandschuhen anfassen. Grosse Tätowierungen prangen auf seinen Armen. Doch es sind keine martialischen Sprüche, keine Schlachtszenen und keine gefährlichen Wildtiere, die er sich eintätowiert hat. Es sind: Büsis.

Der Basler IV-Rentner ist ein Katzenfreund. Und ist gleichwohl bei Tierliebhabern umstritten – aber dazu später mehr. Im St.-Johann-Quartier gleich bei der Landesgrenze beim Schlachthof hat von Sawilski eine Futterstation aufgebaut für Büsis, die sonst nichts zu Essen bekommen. «Ich gebe ihnen Wasser und etwas zu Fressen», sagt er. Zirka vier Katzen täten sich hier gütlich; eine sei verletzt und habe ernsthafte Probleme, wenn sie sich die Nahrung selbst beschaffen müsse, sagt von Sawilski. Seit einem Jahr begibt er sich jeden Abend zur blauen Futterstation, einer Konstruktion aus aufeinandergestapelten Tischchen mit Plexiglasscheiben. Er könne die Tiere nicht einfach im Stich lassen, sagt er.

Sascha von Sawilski bringt hungrigen Katzen Futter.

Sascha von Sawilski bringt hungrigen Katzen Futter.

Kanton fürchtet Infektionskrankheiten

Seit einem Jahr hilft von Sawilski streunenden Katzen. Doch das Tiefbauamt hat ihm jetzt beschieden, die Futterstation abzubauen, wie «Telebasel» berichtete. Es würden Ratten, Krähen und Mäuse angelockt, so einer der Gründe. Verwilderte Hauskatzen hätten zudem oft Infektionskrankheiten. «Das Futterangebot, das Herr von Sawilski und in der Folge wohl weitere Personen im öffentlichen Raum ausgebracht hatten, war zudem deutlich zu gross», sagt Daniel Hofer, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD). «Es lockte zahlreiche weitere Tiere und Tierarten an», sagt er. Das BVD hat dem Katzenliebhaber allerdings ein Hintertürchen offengelassen.

Dank eines Nutzungsgesuchs wird er seine Futterstation weiter betreiben können. Nun werden sich die Fachstellen wie etwa das Veterinäramt mit dem Projekt von Sawilskis beschäftigen. «Aufgrund der Stellungnahmen werden wir über das Gesuch entscheiden», sagt Hofer.

Veterinäramt: Fütterungen «grundsätzlich» möglich

Unabhängig davon, ob das Gesuch letztlich bewilligt wird: Das gut gemeinte Projekt von Sawilskis ruft selbst in Tierschutzkreisen Skeptiker auf den Plan. In der Schweiz leben Schätzungen zufolge rund 100'000 bis 300'000 streunende Katzen. Sie finden oft nicht genügend zu Essen, entsprechend sind die Tierheime überfüllt. Katzenfütterungen verschärfen dieses Problem, da sich die Tiere vermehren.

«Eine öffentliche Tierfütterung ist nicht zielführend», sagt auch Kathrin Meier vom Tierschutz beider Basel. «Man lockt mit solchen Futterstellen auch Katzen an, die ein Zuhause und genug zum Fressen hätten.» Sie hält mehr von einer Kastrationspflicht für Katzen, die frei herumlaufen – wie es sie etwa in Österreich und mehreren deutschen Städten gibt. Bereits heute gäbe es in Basel Kastrationsaktionen. Wochen, in denen streunende Katzen eingefangen und kastriert werden. Eine «Kastrationspflicht» sei wünschenswert, sagt Meier – wenngleich «schwer realisierbar».

Die Katzen werden gechippt

Etwas leichter würde es die Chip-Pflicht haben, welche etwa vom Schweizer Tierschutz unterstützt wird. Ein Teilerfolg wurde diesbezüglich bereits gefeiert. Die zuständige Nationalratskommission hat sich dafür ausgesprochen, dass alle Büsis registriert werden müssen. Damit kann man auch streunende Kater leichter ausmachen und kastrieren.

Von der politischen Diskussion nicht betroffen sein wird die Futterstation am Bachgraben. Das Veterinäramt stellt sich auf den Standpunkt, dass die «kontrollierte Fütterung von verwilderten Hauskatzen grundsätzlich möglich» sei. Nur dann allerdings, wenn die Tiere täglich zur gleichen Zeit für 20 bis 30 Minuten gefüttert und beim Fressen beobachtet werden, wie es auf Anfrage sagt. Damit liessen sich auch kranke, verletzte oder unkastrierte Tiere erkennen.
Von Sawilskis scheint bereit, diese Auflagen zu Erfüllen. Er will schliesslich nicht dabei zusehen, wie in Basel Büsis verhungern müssen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1