Alex' Plan kann sich sehen lassen. Joy, sein Irish Setter, soll beim Aufstieg zur Ruine Homburg und zum Wisenbergturm die Arbeit verrichten - beim Abstieg hinunter übernimmt Alex dann die Führungsrolle.

Joys Aufgabe gestaltet sich nicht ganz einfach, zumal er mit Alex einen 107-Kilo-Brocken am Hals hat. Bei den 457 Metern Aufstieg habe der Hund «leider mehr Kalorien verbraucht als ich selber», scherzt Alex, als er als einer der Letzten auf Ruine Homburg erscheint.

Die ehrgeizigen Sportwanderer haben ihn bereits um eine gute Viertelstunde distanziert – seis drum, wer sich entscheidet, Alex' Tempo zu laufen, hat dafür mehr Zeit zum Plaudern und die Aussicht zu geniessen. Die ebenfalls eher gemütlichen Wandertypen wie Marc Scherrer sehen im Wandern alles andere als einen sportlichen Wettkampf.

Scherrer, Präsident der CVP Laufental, geht selber «nur selten wandern», wie er kurz vor dem Wisenbergturm keucht - und wenn, dann darf der Spass nicht auf der Strecke bleiben.

«Ich hab nichts gegen Pausen und gelegentlich mal ein Bierchen», gesteht er. Dass er als regelmässiges Schlusslicht der gestrigen Etappe mit konditionellen Problemen zu kämpfen habe, bestreitet er dagegen vehement.

Ständerat im Mittelfeld

Der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak und die EVP-Landrätin Elisabeth Augstburger sind auf der knapp dreistündigen Etappe meist im Mittelfeld anzutreffen. Sich sportlich zu messen, läge auch ihnen fern.

Doch scheinen die Beine die beiden geübten Wanderer einfach schneller zu tragen als den Wandermuffel Scherrer. Janiak hat sich von der Knöchelverstauchung seiner letzten Engadin-Wanderung gerade erholt, Augstburger sieht das bz-Leserwandern als gute Vorbereitung für ihren kommenden Wanderausflug zu den Churfirsten.

Doch bleibt den beiden im sicheren Mittelfeld natürlich die Puste, sich über bedeutend Wichtigeres als Wandergewohnheiten zu unterhalten.

Ringen um Worte

Fusionsbefürworter Janiak wird von drei Schwarzbuben über ein mögliches Zusammengehen von Basel-Stadt und Baselland ausgefragt, und Augstburger scheint um die richtigen Worte zu ringen, als sie von Ratskollegin Susanne Strub (SVP) auf dem Wisenberg mit einem grosszügigen, von der Bürgergemeinde Häfelfingen gesponserten Apéro empfangen wird.

«Wahnsinn, super, toll», frohlockt sie in ihrer unnachahmlichen Art.

Doch lange kann sie sich auf dem höchsten Punkt der gestrigen Wanderung nicht freuen, denn unter den rund 65 Wanderern gibt es auch so einige Ehrgeizlinge.

Und der 78-jährigen Badener Ueli ist nicht ins Baselbiet gereist, um die schöne Aussicht zu geniessen («da geh ich lieber auf den Titlis») oder sich mit prominenten Politikern auszutauschen («wer ist schon wieder dabei?»), sondern um sich fit zu halten. Nach einer halben Stunde Mittagspause, das war so versprochen, sollte es also unbedingt wieder weitergehen.

Für Schlussläufer Alex ist das viel zu früh, muss er sich doch für den Abstieg nach Wisen stärken. Denn hier, so hat er versprochen, soll er voranschreiten – während Joy sich auf den 300 Höhenmetern hinunter nach Wisen in seinem Windschatten ausruhen darf.