Am gestrigen Sonntag thematisierte das Basler Theaterfestival sperrige Möbel und ihre ungewohnten Bewegungen – und auch das Wetter war etwas weniger sperrig als die Tage zuvor. Zahlreiche Kinder bastelten am dreibeinigen Festivalstuhl, tollten über die Wiese und bettelten ihre Eltern – eine urplötzlich und stark erscheinende Herbstsonne sei Dank – um eine leckere Schoggi-Glace an. In dieser entspannten Atmosphäre machten sich nicht nur Kiguchi Noriyuki und seine Truppe bereit, sondern auch die Compagnie Willi Dorner konnte ihre Outdoor-Performance «above under inbetween» endlich regenfrei unter freiem Himmel abhalten, nachdem sie am Samstagnachmittag aufgrund der schlechten Witterung hatte abgesagt werden müssen.

Bewegliches Wohnzimmer

Nun klappte es also, und rund 200 Personen, darunter auch zahlreiche Kinder, die immer ganz hautnah und zuvorderst dabei sein wollten, beobachteten, wie Möbel aufgestellt wurden, sich Menschen auf sie legten, sich ihnen anschmiegten, ihre Formen annahmen, Stühle und Tische mit Bewegungen ergänzten, sich mit ihnen fallen liessen oder selbst in ihren Haltungen die Funktion eines Stuhles oder eines Sofas übernahmen. Das erinnerte nicht nur an die frühen Performance-Klassiker von Bruce Nauman, das erinnerte auch an die sehr dichten und poetischen Situationen in den Aufführungen von Sasha Waltz und Zimmermann & de Perrot.

Also Bewegungstheater vom Feinsten auf der Kasernenwiese und gleich daran anschliessend der zweite Durchgang der Objekt-Performance des Japaners Kiguchi Noriyuki und seiner Gruppe Akumanoshirushi. Eine Inszenierung, an der auch Kinder aktiv mitmachen durften, was sie denn auch äusserst engagiert taten. Der Architekt Noriyuki, der zum Broterwerb auf Baustellen arbeitet, präsentierte dem Basler Publikum, wie einfach und ohne jahrelange Diskussionen sich Kasernenwände durchstossen lassen, um von der grünen Wiese an den blauen Fluss zu gelangen.

In den vergangenen Tagen wurden zahlreiche Getränkeharasse einer bekannten Sektmarke mit Kabelbindern zu einem komplexen Objekt zusammengefügt, das an das Modell einer chemischen Verbindung erinnerte. Anschliessend wurde dieser ungelenke Kisten-Wurm mit Umzugs-Wolldecken eingepackt, die durch Schnüre festgezurrt wurden. Ein Husarenstück, das ohne die engagierte Unterstützung der Studenten des Instituts Innenarchitektur und Szenografie der FHNW kaum möglich gewesen wäre.

Tanz durchs Nadelöhr

Zusammen mit dem Publikum wurde das sperrige Objekt in einer Zen-Zeremonie durch den Kopfbau der Kaserne, durch Gänge und Zimmer gelotst, um gleich oberhalb der Buvette herauszukommen. Ein komplexes Unterfangen, das bestimmt nur durch die Inspirationen des
«I Ging», des Buchs der Wandlungen, erfolgreich möglich war. Gleichzeitig war es ein Musterbeispiel, wie sehr es Kunst und Kultur immer wieder spielerisch gelingt, Ideen umzusetzen, die in der Politik allzu oft als Utopien in irgendwelchen verwaisten Schubladen eingemottet und katalogisiert auf eine glorreiche Zukunft warten.