Grosszügiges Erbe

Ein kleines Juwel wird wieder glänzen

Die Terrassen des Gartens am Rheinsprung liegen seit Jahren brach. Die Mauern sind vermoost und die Bäume machen einen traurigen Eindruck. Das wird sich bald ändern. Martin Töngi

Die Terrassen des Gartens am Rheinsprung liegen seit Jahren brach. Die Mauern sind vermoost und die Bäume machen einen traurigen Eindruck. Das wird sich bald ändern. Martin Töngi

Der Garten der Alten Universität wird für drei Millionen Franken saniert und öffentlich zugänglich gemacht. Ende 2016 soll die Grünanalage am linken Steilufer des Rheins der Bevölkerung übergeben werden.

Er ist ein Schmuckstück. Und viele haben ihn vergessen. Der Garten der Alten Universität am Rheinsprung gleicht heute einem Urwald: Heiles Durchkommen klappt nur mit guter Wanderausrüstung. Jetzt aber soll der ehemalige Botanische Garten, der als einer der ältesten Europas gilt, entwildert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Stadt Basel ist nämlich Alleinerbin des Nachlasses von Karl Schlecht, der ihr sein ganzes Vermögen von drei Millionen Franken für ein «grünes Basel» hinterlassen hat. Das Geld soll für «Pflanzen, zusätzliche Bäume und Sträucher, Anlagen neuer Grünflächen, Begrünung von Mauern und Fassaden» eingesetzt werden, schreibt der ehemalige Gärtnereibetreiber in seinem Testament. Die damalige Lebenspartnerin von Schlecht hat jetzt entschieden, das Geld in den Garten am Rheinsprung zu investieren.

Das Grundstück ist auf fünf Terrassen angelegt, deren Gestaltung während der vergangenen Jahrhunderte immer wieder anders daherkam. Ende des 16. Jahrhunderts wurde wissenschaftliche Forschung der Institute für Botanik und Anatomie betrieben. Hundert Jahre später wurde er zum Lustgarten der Familie Sarasin, wiederum hundert Jahre später zu einem landschaftlichen Garten und ab 1901 funktionierte ihn das Zoologische Institut der Universität Basel um (Entwicklung siehe Box rechts).

Archäologen suchen den Boden ab

Die Mauern sind vermoost, Äste und Gebälk liegen herum, Efeu hängt wild die Fassaden herunter, faule Früchte sind verteilt auf dem Boden. Um den Garten zu entwildern, hat die Stadtgärtnerei einem Gartendenkmalpfleger einen Auftrag erteilt, der ein Vorprojekt entwickelte. Der historische Wert des Gartens musste in einem ersten Schritt erörtert werden. Ernüchterndes Resultat: «Es ist nicht mehr viel an historischer Substanz da», sagt Susanne Winkler, Landschaftsarchitektin und Projektleiterin. Um sicherzugehen, haben Archäologen – ausgerüstet mit einem Gerät, das den Boden durchstrahlen kann – das Grundstück abgesucht. Aber einzig das Mauerwerk und die Fassaden aus dem 15. Jahrhundert könne man als historischen Wert ausmachen.

Und die heisst es nun, zu erhalten. Vorteil ist, dass man in der Neugestaltung des Botanischen Gartens offen ist, sagt Winkler. «Wir setzen Themen, nach denen wir die Flächen anlegen wollen.» Konkret: Die oberen zwei Terrassen sollen die Zeit des Barocks Mitte des 17. Jahrhunderts widerspiegeln. Mit Brunnen, Heckenelementen und passender Bepflanzung. Schattengewächse wie Farne sind geplant, befindet sich der Garten doch am Schattenhang der Stadt. Bemerkenswert ist, dass auf einer der Terrassen wohl der älteste Kornelkirschbaum von ganz Basel steht.

Zudem stellt sich Winkler vor, dass auf den unteren Flächen der Boden mit Natursteinbelag angelegt wird. «Auf den Kiesflächen sollen sich die Leute bequem aufhalten und hinsetzen können.» Damit dies möglich ist, müssen zuerst die noch aufgebauten Volieren entfernt werden, in denen früher Vögel zur Forschung gehalten und sonstige Untersuchungen durchgeführt wurden.

Was ebenfalls noch geklärt werden muss, sind die Fragen zur Sicherheit. Die Treppen sind eng und nicht mehr in gutem Zustand, und entlang den Terrassen fehlen Geländer. Hinzu kommt die Frage, von wo aus die Sanierungsarbeiten ausgeführt werden, so Winkler: mit einem Kran vom Rheinsprung her oder eher vom Schiff aus.

Öffnung auf Ende 2016

Der nächste Schritt zur Sanierung ist also, das Projekt an Fachplaner auszuschreiben, die das Vorprojekt ausarbeiten. Dann muss dieses genehmigt werden. Die Stadtgärtnerei beabsichtigt, nach neunmonatiger Planungsphase Ende 2015 mit den Bauarbeiten zu beginnen. Da keine Altlasten vorhanden sind und somit keine Reinigungsarbeit geleistet werden muss, soll die Grünanlage am linken Steilufer des Rheins Ende 2016 der Bevölkerung übergeben werden, führt Susanne Winkler aus.

Im Hinterkopf trägt sie ihr i-Tüpfelchen mit sich herum. Das da wäre: Vielleicht klappt es eines Tages, einen Pavillon in den Park zu bauen. Denn auf der ganzen Länge des Hangs auf Grossbasler Seite tauchen diese immer wieder auf.

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