Bisher liegt die Schweiz europaweit im Hintertreffen: Hiesige Zirkustalente, die sich zu Profiartisten ausbilden lassen wollen, müssen dafür ins Ausland ausweichen. Wer eine Karriere als Zirkusartist anstrebt, zieht nach Kanada, Frankreich oder Holland, wo entsprechende Ausbildungsangebote vorhanden sind.

Das soll sich nun ändern: Wie «Young Stage»-Chefin Nadja Hauser gegenüber der bz bestätigt, plant ihr Team die Gründung einer nationalen Zirkusschule mit Sitz in Basel. «Wir sind seit rund eineinhalb Jahren an der Entwicklung eines Zirkuscenters, welches in den nächsten Jahren in der Region Basel entstehen soll.»

Ein Treffpunkt für die Profiszene

Nebst seiner Funktion als professionelle Ausbildungsstätte soll das Center zu einem Hotspot der Schweizer und der internationalen Zirkusszene werden. «Das Center soll gezielt junge Artistik-Talente fördern und den Weg zu einer Profilaufbahn ebnen. Einerseits sollen Jugendliche und junge Erwachsene intensiv trainieren können und gefördert werden. Andererseits soll das Center auch ein Circus-Hub in der Schweiz werden, wo sich die nationale und internationale Profiszene trifft und sich austauschen und trainieren kann.»

Als kulturelles Angebot passe ein Zirkuscenter ideal nach Basel. Ziel der Organisatoren ist es deswegen, den Zirkus stärker in der Basler Kulturszene zu verankern. «Das Center soll ein kultureller Ort in Basel werden, der vielseitig bespielt werden kann», erklärt Hauser.

CMS fördert Machbarkeitsstudie

Mit seinem Vorhaben steht das «Young Stage»-Team nicht alleine da. Unterstützt wird der Verein von der Sulger Stiftung und der Christoph Merian Stiftung (CMS). Letztere hat bereits im Dezember 2017 einen Förderbeitrag von 50'000 Franken an eine Machbarkeitsstudie gesprochen, wie CMS-Sprecherin Elisabeth Pestalozzi bestätigt.

Generell erhält der Zirkus in der Förderungspolitik der CMS einen neuen Stellenwert: «Der zeitgenössische Zirkus vereint verschiedene Sparten und bietet ein interdisziplinäres Programm, das alle Sinne der Menschen anspricht», so Pestalozzi. «Zudem beleben die meisten Initiativen den öffentlichen Raum und begeistern niederschwellig Gross und Klein mit ihren Darbietungen.» Dies sei im Sinne der CMS und der Förderpraxis, welche die kulturelle Vielfalt fördern will. «Tatsächlich spricht die CMS heute für professionelle Zirkusprojekte mehr Beiträge als noch vor vier Jahren.»

Wann das Center eröffnet und wo sein genauer Standort liegen wird, ist laut Nadja Hauser zurzeit noch unklar. «Wir befinden uns momentan erst in der Konzeptarbeit.» Würden sich genügend Investoren finden, strebe sie eine Eröffnung in den kommenden zwei bis drei Jahren an. Dann allerdings erst mit einem Angebot zur Talentförderung als Übergang zur Profiausbildung.

Viele Schweizer Nachwuchsartisten würden sich gegen den Schritt in die Profikarriere entscheiden, weil sie dafür die Schweiz verlassen müssten. «Damit geht ein grosses Potenzial verloren.» Bis zur Einführung der professionellen Berufsausbildung werde es aber wohl noch mindestens zehn Jahre dauern, so Hauser.