Medienkunst
Ein Kunst-Ort – einzigartig für die Schweiz

Morgen werden das neue Haus für elektronische Künste und das «Atelier Mondial» feierlich eröffnet. Das neue Haus bietet dem HeK den idealen Raum für sein Konzept der Interdisziplinarität.

Christian Fluri
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Der grosse gedeckte Vorplatz zum Haus für Elektronische Künste gleicht einer Bühne – wird im Sommer aber auch zur Café-Terrasse.

Der grosse gedeckte Vorplatz zum Haus für Elektronische Künste gleicht einer Bühne – wird im Sommer aber auch zur Café-Terrasse.

Roland Schmid

Einladend ist der grosse Vorplatz, der einer Bühne gleicht. Auf dem Dach thronen die riesigen weissen Pilze von Monica Studer und Christoph van den Berg. Einladend ebenso das Café mit Stehtischen und Sitzgruppen. Das Haus für elektronische Künste (HeK) hat sein Domizil am Freilager-Platz 10 auf dem Dreispitz bezogen und öffnet morgen mit einem Fest und der Vernissage zur Ausstellung des japanischen Stars der digitalen Künste und elektronischen Musik, Ryoji Ikeda, seine Tore.

Das neue Heim ist der perfekte Mix zwischen Ausstellungsraum und modernem Museum. Das vom Architekturbüro Rüdishüli Ibach umgebaute alte Lagerhaus fügt sich perfekt in den neuen Kunst-Campus mit den Bauten und Umbauten der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK). Bis in die Innenarchitektur der Cafés verschmelzen Erinnerungsstücke des ehemaligen Lagerhauses mit der neuen Architektur. Alte Transportkisten sind zu Garderobenkasten umgebaut worden. Die Tische sind in rohem Holz gehalten. Für die Innenarchitektur ist das Büro Lupo.Zuccharello verantwortlich. Sabine Himmelsbach, die Direktorin des HeK, freut sich, dass sie mit Innenarchitekten und Möbeldesignern aus der näheren Umgebung arbeiten kann.

Ein Treffpunkt auf dem Campus

Das Café soll zu einem Treffpunkt werden. Kunstinteressierte, Passanten, Studentinnen und Studenten der benachbarten HGK sollen sich hier begegnen und ins Gespräch kommen. So auch der Wunsch von Himmelsbach. Das Café hat täglich geöffnet – auch am Montag und Dienstag, wenn das HeK selbst geschlossen ist.

Im Konzertraum im Keller verbinden sich ebenfalls modernste elektroakustische Einrichtungen mit verbliebenen Spuren der alten Lagerhalle – wie die im Boden eingebrannten Ölflecken.

Im Erdgeschoss dehnen sich hinter dem Café die gleichzeitig ausladenden wie einladenden Ausstellungsräumlichkeiten aus. Gleich neben dem Café sind die Büroräume. Daneben ist der Raum für die Workshops, für die Vermittlungsarbeit, die weit über die Ausstellungsbegleitung hinausgehen wird. Wenn keine Ausstellungen sind, werden hier zum Beispiel Roboter gebastelt, oder anderweitig spielerisch über elektronische und digitale Künste, über ihre Inhalte und Formen, informiert. In der Mitte des Parterres befindet sich das Herz des neuen HeK, der Serverraum, wo alle Informationen zusammenkommen und wieder hinausgehen.

Kunst, Forschung, Vermittlung

Das neue Gebäude bietet dem HeK den idealen Raum für sein Konzept der Interdisziplinarität: Bildende und performative Kunst sowie Musik kommen zusammen – in ihren digitalen und elektronischen Formaten. Hier werden sich Kunst, Forschung, Sammlungstätigkeit und Vermittlungsarbeit gegenseitig befruchten. Die Vision von Himmelsbach, ein nationales Kompetenzzentrum für Medienkunst zu entwickeln, wird Realität. Kompetenzzentrum heisst für sie, eine digitale Kunst zu präsentieren und zu diskutieren, die unsere heutigen Realitäten der virtuellen Welten und weltweiter Datenvernetzung künstlerisch hinterfragt. Diese Realitäten verändern uns selbst.

Das neue HeK hat die Öffnungszeiten erweitert und verlangt nun Eintritt, der mit neun beziehungsweise sechs Franken bewusst tief gehalten ist. Am Eröffnungswochenende aber ist Open House.

Die internationalen Ateliers

Im oberen Stockwerk sind die internationalen Austauschateliers untergebracht, die neu «Atelier Mondial» heissen. Grund dafür seien strukturelle und örtliche Veränderungen, erklärt die Projektleiterin Alexandra Stäheli.

Die alten Ateliers im St. Alban-Tal und anderswo sind aufgehoben. Das Haus auf dem Freilager-Platz bietet sieben Wohnateliers mit Arbeits- und Schlafraum, mit Dusche und kleiner Küche. Fünf sind 85 und zwei 45 Quadratmeter gross. Sie sind um den Ausstellungsraum «Salon Mondial» und um die grosse «Cuisine Mondiale» angeordnet. Der «Salon Mondial» ist auch als Experimentierfeld für die Künstlerinnen und Künstler gedacht. Die Küche soll als Ort der Begegnung dienen – zum Beispiel mit Basler Künstlerinnen und Künstlern, die ihre festen Ateliers im Nebengebäude haben.

Zu den beiden Basel und Südbaden ist als dritter Partner der Trägerschaft das Elsass dazugekommen. Zudem sind sie nicht allein bildenden Künstler vorbehalten, sondern für alle visuellen und digitalen Künste, für Tanz und Literatur geöffnet worden. All dies komme einem Neuanfang gleich, der sich im neuen Namen «Atelier Mondial» manifestieren soll. Die Ateliers der sie derzeit bewohnenden internationalen Künstler Paul Capon, Babette Kleijn und Dan Popa können am Eröffnungswochenende besichtigt werden. Zudem ist im «Salon Mondial» die Eröffnungsausstellung «Das verbrannte Gesetz» der Basler Kunstschaffenden und Filmautorin Ayten Mutlu Saray eingerichtet. Die idealen Räumlichkeiten werden bereits allseits künstlerisch bespielt.