Architektur

Ein Leuchtturm auf Wanderschaft: Deutschland realisiert, was Basel nicht wollte

Der Leuchtturm von Gardani Himmelsbach mit markanter Linsenwölbung. ZVG

Der Leuchtturm von Gardani Himmelsbach mit markanter Linsenwölbung. ZVG

Die Pro Leuchtturm AG ist Konkurs. Die «Königin von Basel» soll dennoch gebaut werden – nun in Weil am Rhein.

Louis Conzett ist empört. Seit zehn Jahren weibelt er für sein Projekt eines Leuchtturms im Basler Rheinhafen. Ein Wahrzeichen der Stadt sollte es werden, die «Königin von Basel», wie er das Hochhaus nennt. Die Silhouette zeigt die Form einer Linse, wie sie bei Scheinwerfern der grossen Leuchttürme eingesetzt wird. Sollte das Bauwerk anfänglich fünfzig Meter hoch werden, wuchs es in den Plänen auf über 130 Meter. Conzett ist damit dem Himmel, der Realisierung jedoch nicht wesentlich näher gekommen.

Conzett ist empört, weil sein Traum in seiner Wahrnehmung von allen Seiten torpediert wird. Nun vom Basler Zivilgericht und der Gerichtspräsidentin Fabia Beurret. Diese hat am 19. Mai Conzetts Firma, die Pro Leuchtturm AG, in Konkurs gesetzt. Dabei sollte das Gericht doch die Verlängerung der Nachlassstundung bewilligen, ärgert sich Conzett. Der Sachwalter Simon A. Ganther sagt, mit den grösseren Gläubigern sei eine Einigung erzielt worden. Er versteht die Konkurseröffnung so wenig wie Conzett, der eine schriftliche Urteilseröffnung verlangt hat und Beschwerde einlegen will.

Der erste Gerichtsschreiber Markus Grolimund kann wiederum die Aufregung von Conzett nicht nachvollziehen. Er entnimmt den Gerichtsakten, der Sachwalter habe in seinem Bericht aufgezeigt, dass die Nachlassstundung eben nicht erfolgreich verlaufe. Das Gericht habe deshalb folgerichtig die Firma in Konkurs gesetzt.

2018 sollte der Turm stehen

Für Conzett reiht sich das Urteil in seine Kette von Geschichten ein, wie ihm die Basler Autoritäten seit Jahren Prügel zwischen die Beine werfen. Kein Ort, den er evaluierte, war ihnen genehm. Schon gar nicht das Dreiländereck, dem bevorzugten Standort, für den der Basler Architekt Eduard Lüdi bereits 1990 das Leuchtturmprojekt «Trident» entworfen hatte.

Vor drei Jahren ging Conzett in die PR-Offensive. Er mietete die MS Christoph Merian für eine Medienkonferenz, an der er versprach, bis 2018 sei der Turm gebaut. 110 Millionen Franken soll nun kosten, was im ersten Entwurf noch elf Millionen teuer war. Der Investor, ein unbekannter Schweizer Privatmann, stehe bereit. Statt am Dreiländereck sollte der Turm nun beim Basler Bootshafen, direkt im Wasser errichtet werden. Malerisch zeichnete sich die kleine Brücke ab, auf der das leuchtende Gebäude mit Hotel, zwei Restaurants, Büro- und Atelierflächen erreicht werden könnte. Aus den versprochenen Monaten, die es nun noch bis zur Baueingabe dauern werde, wurden Jahre ohne erkennbare Fortschritte.

Vor einem Jahr hat Conzett mit Basel gedanklich abgeschlossen und sich nordwärts nach Weil verschoben: Auf dem sogenannten Bäumle-Areal in Friedlingen und in Nachbarschaft zum ausgedehnten Rheinpark soll die «Königin von Basel» nun zu stehen kommen. Die «Weiler Zeitung» hat geschrieben, dass einige Weiler Stadträte nach einer Präsentation vom Leuchtturm-Projekt angetan gewesen seien. Ihre Begeisterung ist jedoch unverbindlich geblieben. Conzett selbst will zu seinem konkreten Projektstand in Weil nichts sagen, ausser: eine deutsche GmbH werde demnächst gegründet.

Die Basler Pro Leuchtturm AG wird Conzett für die Weiterführung seines Traums nicht mehr benötigen. Die Liquidation hat ihm nun das Gericht besorgt.

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