Basler Staatsanwaltschaft
Ein Medienprofi verlässt die Bühne der Staatsanwaltschaft

Ende Monat wird Kriminalkommissär Markus Melzl pensioniert. Der 60-Jährige hat fast das ganze Berufsleben bei der Polizei verbracht, in den letzten 16 Jahren als Mediensprecher der Staatsanwaltschaft.

Moritz Kaufmann
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Medienprofi Markus Melzl verkörpert seit 16 Jahren die Basler Staatsanwaltschaft.

Medienprofi Markus Melzl verkörpert seit 16 Jahren die Basler Staatsanwaltschaft.

Kenneth Nars

Markus Melzl ist ein gefragter Mann: Aus der ganzen Schweiz rufen die Journalisten an. Topthema des Tages: die Affäre um Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand und Christoph Blocher, wobei die gestohlenen Bankdaten von der Basler Privatbank Sarasin stammen sollen. Melzl, Kriminalkommissär und Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft, kann zum Thema nicht viel sagen – die Staatsanwaltschaft wurde noch nicht aktiv. Trotzdem beantwortet er die Fragen mit souveräner Routine. Noch bis Ende Januar, dann geht er in Pension.

Fast das ganze Leben Berufsleben hat der 60-Jährige bei der Polizei verbracht. Zuerst als normaler Polizist in Uniform, dann als Ermittler und schliesslich die letzten 16 Jahre als Leiter Medien und Information der Staatsanwaltschaft. «Ich habe das KV gemacht. Aber ich wollte nicht das ganze Leben im Büro sitzen», begründet Melzl seine Entscheidung, zur Polizei zu gehen. «Und jetzt», Melzl schaut lachend durch den Raum, «jetzt sitze ich doch in einem Büro.»

Das Gesicht der Staatsanwaltschaft

In seiner Funktion ist Markus Melzl das Gesicht und die Stimme der Staatsanwaltschaft. Unzählige Morde, Vergewaltigungen und Raubüberfälle hat er kommuniziert. Wenn in Basel ein Artikel über ein Delikt erscheint, liest man früher oder später den Namen Markus Melzl. «Manche Leute meinen, ich kümmere mich ganz alleine um all die Fälle», witzelt er. In seinem Job muss er stets den Sensationshunger der Journalisten mit der heiklen Polizeiarbeit ausbalancieren.

Es ist ein Abwägen, wie viele Informationen an die Öffentlichkeit dürfen. Ob er mehr Pressesprecher oder mehr Polizist sei, kann er nicht sagen. Melzl kann das öffentliche Interesse an Kriminalfällen gut nachvollziehen. Andererseits muss er auf die Polizeiarbeit Rücksicht nehmen: «Auf Baseldeutsch gesprochen muss ich aufpassen, dass der Fall nicht abverreckt.»

Er könne sehr gut Distanz zu all den blutigen Geschichten und schweren Schicksalschlägen gewinnen, mit denen er sich seit 40 Jahren täglich konfrontiert sieht.. Es sei auch nicht so, dass er den ganzen Tag nur Bad News verbreite. «Ich lasse mir den Humor nicht nehmen», meint er. Manche Fälle seien nämlich durchaus zum Lachen. Zum Beispiel derjenige, der am Morgen an der Sitzung besprochen wurde: «Da wollte einer ein paar Schuhe klauen. Er hat die Diebstahlsicherung abgenommen und wusste nicht wohin damit. Da hat er sie in die eigene Tasche gesteckt und ist rausgelaufen.»

Lieblingskrimis sind von Camilleri

Melzls Sätze fangen oft mit «Ich kann mich erinnern», «Es gab da einen Fall» oder «Ich weiss noch» an. Das Reservoir an spannenden Anekdoten aus seiner Zeit im Dienst scheint unerschöpflich. Selber liest er gerne Krimis – am liebsten jene von Commissario Montalbano des italienischen Regisseurs und Schriftstellers Andrea Camilleri. «Ich bin sehr dankbar, denn es gab nie eine Zeit, in der ich meinen Job nicht gerne gemacht habe.» Jetzt freue er sich aber doch auf die Pensionierung. «Immer auf Pikett zu sein, ist mit der Zeit schon streng», meint Melzl.

Er freue sich deshalb auf die Freiheit, die ihn erwartet. Ganz aufhören zu arbeiten, wird er aber wohl trotzdem nicht. Schon heute gibt Melzl Kurse in Krisenkommunikation. Das möchte er auch weiterhin tun. Aber wie kommuniziert man in einer Krise richtig? «Hinstehen und reden», antwortet Melzl. «Es gab diesen Fall, als ein Polizist seine Freundin erschossen hatte», erzählt er. Die damalige Leitung habe unbedingt verschweigen wollen, dass die Tat mit einer Dienstwaffe begangen wurde.

«Ich war dafür, dass man das kommuniziert. Hätten wir das nicht gesagt, und jemand hätte es rausgefunden, hätten wir erst recht ein Problem gehabt.» Wenn Markus Melzl Ende Monat von der öffentlichen Bühne abtritt, verliert die Basler Medienszene einen absoluten Profi seines Fachs.