Sie heben den Hut, nehmen Zeedel entgegen und werden mit Süssigkeiten, Blumen und Gemüse beschenkt. Eine kleine Umarmung hier, ein anerkennendes Nicken dort – während des Cortège bedankt sich das Comité bei den Cliquen. «Die Cliquen sollen spüren, dass wir ihre Mühe schätzen», sagt Nicole Salathé. Dann verneigt sie sich tief und übergibt einem Zugführer Mimöösli, zusammen mit einer schwarz-weissen Schleife.

Nicole Salathé beobachtete am Mittwoch zusammen mit ihren beiden Comité-Kollegen Adrian Kunz und Andreas Bertschmann die Pfeifer- und Tambourengruppen am Steinenberg besonders scharf. Die drei bilden eine der sechs Sub-Kommissionen, die die Gruppen vorbeurteilt, bevor nach der Fasnacht das gesamte Comité die Stammvereine, alten und jungen Garden, die Pfeifer- und Tambourengruppen, die Guggen, Wagen, Chaisen, Fasnachtsgrüppli und Einzelmasken bewertet und über die Subventionen entscheidet.

Ein Viertel der Subventionen bekommen die angemeldeten Fasnächtler aufgrund der Bewertung des Comité – drei Viertel je nach Anzahl Mitglieder, die mitmachen.

Der Gesamteindruck zählt

Auf einem laminierten Papier sind in einer Tabelle alle Cliquen mit ihrem Sujet aufgelistet. Wer am Comité vorbeikommt, wird auf der Liste mit einem schwarzen Stift abgehakt. «Wir müssen unglaublich aufpassen, dass wir niemanden verpassen», sagt Nicole Salathé.

Das Comité beobachtet genau, wer vorbeigeht.

Das Comité beobachtet genau, wer vorbeigeht.

In den hintersten zwei Spalten auf dem Papier wäre Platz für eine Bewertung des Gesamteindrucks und des Sujets. Die beiden Spalten blieben am Mittwoch allerdings leer. «Wir würden nirgends hinkommen, wenn wir jetzt bewerten würden», sagt Adrian Kunz. Dann eilt er zu einem Wagen und hält seinen Hut dem Waggis hin, damit er die Bhaltis leichter übergeben kann: Dääfeli, Taschentücher und Schnaps. Adrian Kunz bedankt sich, lächelt und leert den Hutinhalt auf den Tisch unter dem schwarz-weiss gestreiften Dach.

Dort stapelt sich schon bald allerlei: Rosen, Lauch, Fenchel, Süssigkeiten – ja sogar einen riesigen Panettone, ein Stück Brot mit einer Scheibe Käse und einen Sparschäler gibt’s fürs Comité. Die gesammelten Zeedel werfen die Comité-Mitglieder in ein Loch in der Tischplatte.

Aber nicht nur mit besonders vielen und grossen Bhaltis wird das Comité verwöhnt. Eine Clique führt ihnen ein kleines Ständchen vor, zwei «Veganer» beschwören auf dem Comité-Tischchen eine Wurstschlange aus dem Korb.

Musik wird nicht bewertet

Rechts und links vom grünen Teppich ziehen Gugge, Cliquen, Wagen und Chaisen vorbei. Die Comité-Mitglieder gehen hin und her; grüssen, schenken den Kutschern Karotten für die Pferde, wippen im Takt oder machen gar ein kleines Tänzchen auf der Strasse. Gehen Pfeifer vorbei, wölben sich die Backen von Nicole Salathé und Adrian Kunz – die beiden pfeifen mit und dirigieren dazu.

Ob musikalisch alles stimmt, bewertet das Comité nicht. Dafür ist das Drummeli da. «Es ist natürlich schön, wenn es schön ist», fasst Adrian Kunz zusammen. Aber weil das Comité immer nur eine Momentaufnahme des Auftritts sieht, fliesst die musikalische Leistung nicht in die Bewertung ein. Es geht um das Sujet und dessen Umsetzung.

Nach der Fasnacht zieht sich das Comité zurück für die eigentliche Bewertung. Ob die vollen Subventionen gezahlt werden, hängt zum Beispiel davon ab, wie viele Standorte die Cliquen abgelaufen haben. «Es geht natürlich nicht, dass man an zwei Tagen nur zwei Standorte abläuft», sagt Nicole Salathé. Und wenn die Larven nicht neu sind, gibt es weniger Geld. Dazu vergleicht das Comité die Fotos des diesjährigen Auftritts mit den früheren. «Die Teilnehmer sollen sich jedes Jahr ein anderes Sujet überlegen. Das kostet Geld und dafür bekommen sie das Geld», sagt Nicole Salathé.

«Ein Traum» oder «zum Schiesse»

Es ist schwer zu erkennen, was die Comité-Mitglieder über die einzelnen Cliquen denken. Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen. Eigentlich lächeln sie durchgehend, das Gesicht verziehen sie nie. Auch mit Kommentaren halten sie sich zurück. Einmal findet Nicole Salathé die Kostüme «einen Traum». Und Adrian Kunz kommentiert einen Auftritt mit «zum Schiesse».