Förnbacher Theater

Ein Motiv haben die meisten, ein Alibi hat keine

Tempo, Sprachwitz und Klamauk: Mia Lüscher, Sandra Schaub, Nina Bradlin und Kristina Nel (von links nach rechts).

Tempo, Sprachwitz und Klamauk: Mia Lüscher, Sandra Schaub, Nina Bradlin und Kristina Nel (von links nach rechts).

Das Förnbacher Theater bringt Robert Thomas’ «8 Frauen» mit für das Stück geschriebenen Liedern von Georg Kreisler auf die Bühne.

Acht Frauen und ein einziger Mann. Zu alledem ist der auch noch tot. In einer Blutlache liegt dieser Marcel in seinem Bett und kann sich nicht mehr dazu äussern, welche der Frauen ihn nachts erstochen hat. Denn eine von ihnen, so viel steht fest, muss es gewesen sein: Doch welche? Und warum? Nun beginnt ein Reigen der Investigation, in dem jede Frau jede verdächtigt.

Ein Motiv haben die meisten, ein Alibi hat keine. War es Tante Augustine (Kathrine Ramseier) aus verschmähter Liebe? Ehefrau Gaby (Kristina Nel) wegen Überdruss? Die unbeliebte Schwester Pierrette (Dora Balog) oder die geizige Schwiegermutter Mamy (Caroline Felber) wegen des Erbes?

Einzig die beiden Töchter geraten nicht unter Verdacht, bis die jüngere (Mia Lüscher) verrät, dass die ältere (Sandra Schaub) den Vater nachts besucht habe. Auf diese Enthüllung folgen weitere, jede der Frauen verbirgt ein Geheimnis. Hausdame Chanel (Natalie Kriesemer) spielte heimlich Poker mit Pierrette, und Louise (Nina Bradlin) noch ganz andere Spielchen mit Monsieur Marcel. «Lieber des Lasters angeklagt werden als des Mordes!», sagt sie. Ehefrau Gaby gibt sich entrüstet. Doch die wahre Konkurrenz liegt anderswo: Sie erfährt, dass sie auch noch ihren Liebhaber mit einer der Anwesenden teilt.

Antirealistische Anlage

Die Konkurrenz Förnbachers liegt nicht in anderen möglichen Formen der Bühneninszenierung. Zwar setzt er in seiner Inszenierung mehr auf Tempo und Klamauk als auf das Aufkommen von Spannung. Dass die Schauspielerinnen dabei die Augen manchmal etwas gar weit aufreissen, soll ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden, die Anlage des Stückes ist bewusst eine antirealistische. Die Konkurrenz liegt im Kino.

Da können sich diese acht Schauspielerinnen noch so sehr ins Zeug legen (und das tun sie), wer François Ozons Filmkomödie von 2002 kennt, wird bei dieser Theatervariante unweigerlich in ein Ozon-Loch stürzen und sich nach Emmanuelle Béart, Fanny Ardant und Catherine Deneuve sehnen. Ozon liess 2002 die besten Schauspielerinnen Frankreichs zu solcher Hochform auflaufen, dass dieses Stück gleichzeitig eine Leichtigkeit, Komik, Erotik und einen Tiefgang erhielt, die nicht annähernd nachgeahmt werden können. Dieser Film ist ein Feuerwerk.

Es wäre ein Leichtes, sich daran die Finger zu verbrennen. Dass Förnbacher das nicht vollends passiert, liegt an der cleveren Idee, die französischen Chansons nicht nachzuahmen, sondern sie durch zum Teil eigens für das Stück geschriebene Lieder von Georg Kreisler zu ersetzen. Verleihen die französischen Chansons Ozons Film einen melancholischen, ja existenziellen Touch, so werfen Georg Kreislers bitterböse Lieder einen weit sarkastischeren Blick auf die Beziehungen zwischen Mann und Frau.

Die stärksten Momente des Abends sind dann auch jene, in denen die Schauspielerinnen diese Kreisler-Songs voller Sprachwitz zum Besten geben, gekonnt komisch etwa Kathrine Ramseier das berühmte «Kreuzworträtsel». Natürlich löst sich das Rätsel, wer das senkrechte Messer in den waagrechten Marcel gesteckt hat, am Ende auf.

«8 Frauen» Nächste Vorstellungen: 3. Februar um 18 Uhr, 7. Februar und 23. Februar jeweils 20.00 Uhr

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