Museen, hat man das Gefühl, umgeben das Gefühl des Erhabenen. In Museen hängen Mona Lisen und Picassos, stehen Statuen von stoischen Griechen und ganze Archen ausgestopfter Tiere. Wer aber käme auf die Idee, ein Museum einem so unbedeutenden wie einfachen Gegenstand zu widmen wie dem Kleiderbügel? Einem Ding, das bestenfalls dazu da ist, andere Dinge gut aussehen zu lassen?

Das Abenteuer von Hans Dunkel

Die Antwort heisst Hans Dunkel. Hans Dunkel war einst Lebensmittelverkäufer mit einem kleinen Geschäft an der Basler Birsstrasse, das bereits seinem Grossvater gehört hatte. 1974 suchte er das Abenteuer. Es kam in Form eines gut zu präsentierenden Musterkoffers. Hans Dunkel wurde Vertreter schwedischer Kleiderbügel. Doch Dunkel war nicht nur Verkäufer, sondern auch Sammler. «Bei Kleiderbügeln, diesem banalen Artikel des täglichen Bedarfs, faszinierten mich die Formen, das Material und die Technik», schreibt er in einem Buch über sein liebstes Kleinod. Auf Trödelmärkten und in Brockenstuben trug er seinen Fundus zusammen, während er gleichzeitig mit seiner Firma zum führenden Schweizer Kleiderbügelhändler aufstieg. Später kaufte er ganze Sammlungen auf, bis Hans Dunkel genügend Kleiderbügel beisammen hatte, um an besagter Birsstrasse, neben seinem Geschäft, ein Museum zu eröffnen. Ein Anbau war nötig, um die sich bis unter die Decke stapelnden Gebrauchsgegenstände angemessen zur Schau zu stellen.

So entstand das bis heute existierende Kleiderbügelmuseum der Familie Dunkel, sehr zum Leidwesen und unter starkem Argwohn seines Umfelds. Die Sammelwut von Hans Dunkel bügelt inzwischen Marco Dunkel in dritter Generation aus: Er ist der Enkel jenes Abenteurers und empfängt die «Schweiz am Wochenende» im Beisein von Museumsführer Markus Schenker. Geöffnet ist die kuriose Sammlung nur auf Anfrage und immer in Begleitung eines Sachverständigen. «Sonst würden viele interessante Details unbeachtet bleiben», sagt Dunkel. Der Dreissigjährige wird dereinst die Firma übernehmen, die Museumsführungen überlässt er aber überwiegend noch seinem Vater und Herrn Schenker. «Das kommt aber sicherlich auch noch.» Marco Dunkel arbeitet seit sechs Jahren im Betrieb.

Tatsächlich: Es braucht schon den Wissensschatz von Herrn Schenker, um die Geschichten der Gegenstände nahbar zu machen. Und solche verbergen sich tatsächlich hinter den über 4000 Bügeln. Da ist etwa einer mit einem grimmigen Gesicht. Er stammt aus Papua Neuguinea und dient dazu, die Geister fernzuhalten. Oder eines der ältesten Stücke, aus Holz gefertigt, mit deutlichen Rundungen an den oberen Enden. «Daran erkennt man, dass dieser Bügel Militäruniformen mit den damals üblichen Epauletten in Form hielt», erklärt Schenker. Ohnehin, früher hätten sich nur der Klerus, das Militär und natürlich der Adel Kleiderbügel leisten können, «das gewöhnliche Volk trug seine Kleider ja entweder am Leib oder hing sie an einen Nagel.» Schenker und Dunkel stehen im ersten von drei Zimmern, hier finden lediglich die aus Holz gefertigten Bügel Platz.

In den anderen beiden finden sich weitere Skurrilitäten. Bügel aller Farben, Form und Fantasie. Bügel mit Alarmanlage und ausziehbaren Armen, in Frosch-, Fisch- oder Vogel-Gestalt. Bügel für Kinder und solche von Erfindern, geschnitzte, gedrehte und gegossene. Bügel mit Bezügen und solche, die Firmen bezogen, welche es schon lange nicht mehr gibt. Kleider machen Leute, heisst es ja, und so sagt auch die Aufbewahrung der Textilien einiges über ihren Träger aus. In schwarzen Lettern steht auf einem Exemplar: Leibstandarte Adolf Hitler. Dessen persönliche Soldaten brauchten Bügel, weil sie neben der normalen Uniform auch noch über eine Galaversion verfügten.

Schlüpfrige Anfänge

Sogar schlüpfrig können diese spröden Alltagsgegenstände sein. Dann etwa, wenn man die Kleider den gespreizten Beinen einer Frau überlässt. Schon die Anfänge des Museums stehen im Verdacht der Obszönität: Als Hans Dunkel in der Frauenwäsche der Heilsarmee wühlte, konnten ja deren Mitarbeiter nicht wissen, dass er nur den Bügeln nachspürte – und nicht dem, was noch dran hing. Solche Geschichten sind es, die das kleine Museum am Birsufer zu mehr als einem Lager machen. Dabei würde auf den ersten Blick niemand vermuten, wie viel Stoff noch immer an den Kleiderbügeln hängt.