Selbstversuch
«Ein nettes Spielzeug» – so fühlt man sich im neuen «Enuu»

Bald soll man in Basel in Miet-Fahrzeuge des Tech-Startups «Enuu» rumkurven können. In Biel gibt es sie bereits. SP-Grossrat Jörg Vitelli hat das Kleinst-Auto für uns getestet.

Jörg Vitelli*
Merken
Drucken
Teilen
Das «Enuu».
3 Bilder
SP-Verkehrspolitiker hat das «Enuu» in Biel getestet
Jörg Vitelli.

Das «Enuu».

Jörg Vitelli

Jörg Vitelli ist ein stattlicher Mann. Mit einer Körperlänge von gut 185 Zentimetern hat sich der Basler SP-Grossrat, Fahrrad-Händler und ausgewiesene Verkehrspolitiker zum Selbstversuch nach Biel begeben. Dort sind die dreirädrigen «Enuu» bereits im Einsatz, die auch bald das Basler Stadtbild bereichern sollen, wie die bz vergangene Woche vermeldet hat. Hier sein Bericht.

«Als ich davon gehört habe, dass das Jungunternehmen ‹Enuu» mit seinen Gefährten zusätzlich zu den Miet-Trottinetts bald den Basler Mobilitätsmarkt aufmischen will, wollte ich es wissen. In Biel haben sich die Elektro-Wägelchen schliesslich mehrheitlich gute Noten abgeholt. Das wollte ich selbst testen und habe einen Sonntagsausflug unternommen.

Die App hatte ich mir schon heruntergeladen. In Biel angekommen, lässt sich das ‹Enuu› bis zu einer halben Stunde im Voraus reservieren, damit es nicht vor der Nase weggeschnappt wird. Als ich es dann vor mir gesehen habe, hat es mich optisch sogleich an eine Mischung aus thailändischem Tuktuk und herkömmlichem Elektro-Rollstuhl erinnert.

Für lange Beine ist das Gefährt allerdings nicht gemacht. Das musste ich merken, als ich mich hinter den Lenker zwängte. Selbst beim Fahren touchieren die Knie den Lenker. Meine Skepsis ist auch beim Losfahren nicht gewichen – im Gegenteil. Die Rundumsicht ist durch die tiefgezogene Form des Daches doch sehr eingeschränkt. Beim Abbiegen kann man fast nicht nach hinten links sehen. Kommt hinzu: Bei dem Gefährt, das ich gemietet habe, fehlte der linke Rückspiegel. Ich bin mir vorgekommen wie ein Blindflieger. Zum Glück hatte es am Sonntag nicht viel Verkehr auf Biels Strassen.

Wenn das Gefährt defekt ist, müsste es zur Ausleihe eigentlich blockiert sein. War es nicht. Gut eine halbe Stunde bin ich mit ihm durch Biel gekurvt. Es ist durchaus lustig, fühlt sich an wie ein ‹Ape›, so ein dreirädriges Lastenfahrzeug, wie wir es aus Italien kennen.

Die Fahrt ist wackelig und erinnert auch in der Stadt beim Überqueren von Dolendeckeln an eine Cross-Country-Fahrt. Beim Anfahren dauert es immer einen Moment, bis das Fahrzeug anzieht. Gerade an Kreuzungen mit Querverkehr ist dies aber sicherheits-kritisch. Da ist es nötig, rasch beschleunigen zu können.

Verkehrsgesetzlich gelten für das ‹Enuu› dieselben Regeln wie für E-Bikes. Man fährt damit auf dem Velostreifen und es gehört auf entsprechenden Parkfeldern abgestellt. Gerade dies wird zum Knackpunkt: Die Parkplatzsituation in Basel ist bereits angespannt. Rund um den Bahnhof, wo das Gefährt aber wohl am meisten gebraucht würde, ist das «Enuu» untauglich. Es hat schlicht keinen Platz dafür. Die Abstellplätze sind schon jetzt meist übervoll.

In Biel habe ich meines auf der Südseite des Bahnhofs bei einer grossen Veloabstellanlage parkieren können, wo es bei einem Rollerparkplatz Freifläche hatte. Eigentlich gehörte das Gefährt auf einen Autoabstellplatz – doch damit wären die nächsten Diskussionen absehbar.

Für mich ist klar: Der ‹Enuu› ist ein nettes Spielzeug, um mal damit rumzufahren. Es ist aber keine gute Sharing-Lösung. Da fühle ich mich auf einem Pick-e-Bike sicherer. Oder wenn es ein geschlossenes Fahrzeug sein muss, dann eben ein Catch-a-Car oder Mobility.»

*Aufgezeichnet von Daniel Ballmer