Basel
Ein neu renovierter Hinterhof zum Verlieben

Der modernisierte Innenhof an der Feldbergstrasse 39 wurde vom Modernisierungswettbewerbs der Stadt Basel ausgezeichnet.

Fabio Vonarburg
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Der renovierte Hinterhof erinnert an eine Piazza.

Der renovierte Hinterhof erinnert an eine Piazza.

Feldbergstrasse

Unscheinbar fügt es sich in die Häuserreihe. Die Feldbergstrasse 39 – von aussen ein backsteinernes Mehrfamilienhaus, wie es im Kleinbasel einige gibt. Das einzige Kuriosum: Der blaue Schriftzug «Maschinen – Werkzeuge», dessen Farbe abblättert und auf einen Laden hinweist, der nicht mehr existiert. Niemand würde ahnen, dass sich im Hinterhof ein Preisträger versteckt. Doch: Ein Blick hinter die Fassade lohnt sich. Der Hinterhof des Mehrfamilienhauses gehört zu den drei ausgezeichneten Projekten des diesjährigen Modernisierungswettbewerbs der Stadt Basel.

Brunnen und Apfelbaum

Der Hauseingang ist der Tunnel in eine andere Sphäre. Im Hinterhof fühlt man sich weit weg von der Stadt. Die Stille, das Kopfsteinpflaster, der Brunnen und der Apfelbaum erinnern eher an ein beschauliches Dorf. «Das ist unsere Piazza», sagt Marco von Orelli. Der Musiker und seine Frau Melanie Imhof sind die Eigentümer der Liegenschaft. Gemeinsam mit dem Architekten Harold Wunderlin haben sie dem Mehrfamilienhaus neues Leben eingehaucht. Einerseits durch die Renovation, andererseits durch die Anwerbung neuer Mieter. Vorher lebten ein älteres Ehepaar und ein alleinerziehender Vater darin. Heute wohnen fünf Parteien mit insgesamt sieben Kindern in der Liegenschaft. Das Herzstück des Projekts ist der Hinterhof. Er besticht nicht nur durch seine moderne Ausstrahlung, sondern ist auch der Mittelpunkt des sozialen Lebens im Mehrfamilienhaus. «Hier trifft man sich», sagt Melanie Imhof.

Das Ehepaar und seine beiden Kinder wohnen im Häuschen im Hinterhof, früher Werkstatt und Lager des Werkzeugladens Parth & Bauer. Wo einst rostige Rohre lagerten, wird heute gekocht. Vom Fenster aus hat die Familie den besten Blick auf den «Dorfplatz» und das renovierte Mehrfamilienhaus, in dessen Keller ein Musikraum für Marco von Orelli geschaffen wurde. Im ehemaligen Verkaufsgeschäft des Werkzeugladens befindet sich seit 2013 das Geschäft Taktil. Ein Laden für Kleiderdesign und Kleinkunstwerk.

Die Liegenschaft wirkt einladend und freundlich. Als Marco von Orelli und Melanie Imhof Kaufinteresse bekundeten, sah das Anwesen noch ganz anders aus. Es war stark sanierungsbedürftig. Viele ihrer Freunde rieten ihnen damals vom Kauf ab. Zu heruntergekommen, zu gross das Chaos. Architekt Harold Wunderlin war einer der wenigen, der dies gleich sah wie das Ehepaar: ein Objekt mit grossem Potenzial. Gemeinsam nahmen sie das Projekt 2013 in Angriff. Die grösste Herausforderung: «Zeitgenössische Anforderungen erfüllen, ohne dem Gebäude die Seele zu entreissen», sagt Harold Wunderlin.

Zurück zum Ursprung

In einem ersten Schritt versetzte man das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zurück in seinen Ursprungszustand. Nachträgliche Zementüberzüge am Boden wurden entfernt, herausgerissene Wände wieder geschlossen. «In den letzten hundert Jahren wurde viel am Gebäude herumgebastelt», sagt Harold Wunderlin. Es sei einfacher, die Renovation beim ursprünglichen Kern zu starten. Wunderlin hat Erfahrungen mit dem Umbau alter Gebäude. Er sieht den Architekten als Anwalt. «Häuser diktieren, was sie können oder eben nicht.» Neben der Renovation von alten Elementen wurde auch Neues geschaffen. Die offensichtlichste Neuheit: die beiden Balkone im ersten und zweiten Stock. Im Ursprungsbau waren sie nicht enthalten. «Ein gutes Beispiel, wie wir mehr Lebensqualität schaffen konnten», so Harold Wunderlin.

Modernisierungswettbewerb

In der Endphase des Projektes entschieden sich die Eigentümer und der Architekt, am dritten Modernisierungswettbewerb der Stadt Basel teilzunehmen. «Wir erfüllten alle gestellten Anforderungen», sagt Harold Wunderlin. Die Auszeichnung als Preisträger gab ihnen recht.

Mit den erhaltenen 30 000 Franken geht es nun an die Details. Der Hauseingang sei noch nicht gegen oben gedämmt, zudem müssten noch einige Fenster ausgetauscht werden, sagt der Architekt. Sind noch Arbeiten an der Vorderfassade geplant? Harold Wunderlin verneint. «Eine bewusste Entscheidung. Wir wollen den alten Charme beibehalten.» So wird man auch zukünftig an der Feldbergstrasse 39 vorbeilaufen, ohne sich bewusst zu sein, welcher Schatz sich hinter der Fassade versteckt hält.

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