«Wir wollten die Reportage ins Zentrum stellen. Jeder Fotograf sollte in einem längeren Prozess ein eigenes Thema verfolgen», erklärt Projektkoordinatorin Regine Flury. Unter dem Titel «Dreieck – von der Liebe und anderen Abhängigkeiten» sind Arbeiten aus drei Ländern zu sehen, bei denen die Menschen, ihre Lebenswirklichkeit und unterschiedlichste Lebensformen im Mittelpunkt stehen.

Am schwersten dürfte es der Basler Fotograf Roland Schmid gehabt haben, der auch regelmässig für die bz arbeitet. «Die Leute waren skeptisch. Es war schwierig, an sie heranzukommen», berichtet er über seine Reportage zum elsässischen Dorf Fessenheim, in dem für einmal nicht das gleichnamige AKW im Mittelpunkt stehen sollte.

2000 Jobs durch AKW

Dem Dorf geht es gut. Jährlich liefert der Kraftwerksbetreiber Electricité de France 5,5 Millionen Euro an Gewerbesteuern ab. 2000 Arbeitsplätze stellt das AKW, für die sich das Dorf mit Händen und Füssen wehrt. Die Ankündigung der linken Regierung, das AKW zu schliessen, stösst da ebenso auf Kritik wie gleiche Forderungen aus Südbaden und dem Raum Basel.

Schmid ist es dennoch gelungen, Alltag und Leben im Dorf einzufangen. Am eindrücklichsten ist das grosse Foto zum Verkaufsstand einer Lottoveranstaltung, zu der 500 Personen in die Mehrzweckhalle des Ortes gekommen waren. Stilisiert schmuggelt sich das AKW dann doch wieder in die Grafik zu Fessenheim, die im Hintergrund hängt.

Am Anfang der Ausstellung im Bellevue hängen die Fotos der Basler Fotografin Tjefa Wegener zu den Randständigen auf dem Claraplatz. Sie hat diese dort fotografisch begleitet. «Als Gesellschaft, die sich Humanität auf die
Fahne geschrieben hat, ist es unsere Pflicht zu helfen. Aber stattdessen schauen wir oft weg, machen einen Bogen um die Menschen am Claraplatz», heisst es im Text zur Ausstellung. Die Reportage ermöglicht es für einmal, nicht wegzusehen und, die Menschen, oft sind auch Hunde mit auf den Fotos, ausgiebig und in Ruhe zu betrachten.

Nur noch sechs Nonnen übrig

Am meisten Raum nimmt im «Bellevue» die Reportage des Lörracher Fotografen Fabian Fiechter ein. Er hat sich der Arbeit der Vinzentinerinnen gewidmet, die das Bild des Lörracher St. Elisabethen-Krankenhauses seit über 100 Jahren prägen. Zu Höchstzeiten haben hier 44 Schwestern gearbeitet, heute sind es noch 6. Da kein Nachwuchs mehr nach Lörrach geschickt wird, wird der Konvent vermutlich in den nächsten Jahren geschlossen.

Eine Nonne beim Lesen oder Beten oder bei der Überwachung eines Frühgeborenen Babys – es sind eindrückliche, meist in weiss gehaltene Bilder, die uns Fiechter zeigt. «Mit meiner Arbeit erlebe ich einen Prozess des Verschwindens und möchte diesen dokumentieren», kommentiert er.

Seine Fotos zeichnen sich durch beeindruckende Nähe aus. Fiechter hat neben der Ausbildung zum Fotografen auch eine zum Intensivpflegefachmann gemacht und im St. Elisabethen-Krankenhaus in seiner Ausbildung und in den ersten Arbeitsjahren mit den Nonnen gearbeitet.

Bellevue, Breisacherstrasse 50, Basel. Bis 26. Juni Sa und So 11–17 Uhr, 8. Juni, 20 Uhr Gespräch mit den Fotografen, Führungen jeweils So, 14 Uhr.

www.bellevue-fotografie.ch