Krimi

Ein neuer Fall für Kommissar Jürgen Schneider

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Der Basler Autor Udo Rauchfleisch thematisiert in seinem neuen Krimi die Polizeipraxis des Racial Profiling.

Im neusten Krimi des emeritierten Psychologieprofessors Udo Rauchfleisch «…Und plötzlich bist du tot» wird der Kongolese Kito Nkunda auf offener Strasse erstochen. Die Lesenden erfahren, dass der junge Mann zuvor häufig und grob von der Polizei kontrolliert worden war.

Wer Rauchfleischs Krimis kennt, weiss, dass in ihnen oft ein aktuelles Thema verhandelt wird. In diesem Fall ist es das Thema Racial Profiling. Der Begriff bezeichnet das häufig auf Stereotypen und äusserlichen Merkmalen basierende Agieren von Polizeibeamten, nach dem eine Person nicht anhand von konkreten Verdachtsmomenten eingeschätzt wird, sondern anhand von Kriterien des äusseren Erscheinungsbildes. Ein Thema, das spätestens seit dem tragischen Tod des George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis Teil des öffentlichen Bewusstseins geworden ist.

Politisch engagiert und zudem ein Reiseführer

Rauchfleischs Kommissar Jürgen Schneider verdächtigt unter anderem zwei Polizisten, die durch einen besonders harten Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund aufgefallen sind. Ebenfalls verdächtigt werden ein Bekannter des Opfers und die Frau, mit der Nkunda zusammengelebt hat.

Bei den Ermittlungen tun sich Abgründe auf, die weit über den einen Mord hinausgehen. Und prompt kommt es zu einem zweiten Mord an einem Kongolesen. Ob dessen Homosexualität Grund für sein abruptes Ende im Horburgpark war? Und was haben dieser mürrische Jogger und die Gruppe Jugendlicher damit zu tun? Trotz vieler ungeklärter Fragen kann Kommissar Schneider im Privaten gut abschalten und geniesst besonders die erotischen Stunden mit seinem Partner Mario Rossi.

Ihr Sohn Antonio ist mittlerweile im Teenager-Alter angekommen und will gemeinsam mit den beiden Müttern an Pride-Umzügen in Zürich und in Basel teilnehmen.

Es wäre kein Rauchfleisch-Krimi, wenn der Basel-Bezug fehlte. Einen besondern Platz erhalten in diesem Band die verschiedenen Essstände der Markthalle und das Kaffeehaus «Unternehmen Mitte». Ein Stück Reiseführer sind diese Krimis immer auch und zudem sehr informativ, man lernt einiges über die politische Situation im Kongo, über das Bässlergut und über das Solinetz. Es ist ein engagierter Krimi, der klar Stellung bezieht gegenüber rechtem Gedankengut. Liegt seine Stärke in der Ethik, so muss im Stilistischen bemängelt werden, dass die Dialoge oft künstlich wirken.

Zum Beispiel dieses ständige Nennen des Vornamens der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner. Das ist zwar sehr hilfreich für eine Orientierung der Lesenden, die wissen möchten, wer gerade am Reden ist. Aber: Kein Mensch spricht so. Man kann seinen Lesenden durchaus auch einiges zutrauen. Etwas weniger plakativ gezeichnet hätte man sich auch die Figur der Partnerin von Kito Nkundo gewünscht.

Ein Plädoyer gegen Racial Profiling richtet sich ja gegen  Stereotypisierung. Schade, wenn dann als Figur eine sogenannte «Suger Mom» eher stereotyp gezeichnet wird. Auch wenn manches etwas weniger explizit sein könnte, der Krimi liest sich meist sehr flüssig. Und plötzlich ist man auf der letzten Seite. Die angehängten Zeitungsartikel und Informationen im Anhang zum Thema Racial Profiling wirken nicht schulmeisterlich, sondern sind sehr erhellend.

Udo Rauchfleisch: «... und plötzlich bist Du tot.» Himmelstürmer Verlag

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