Kabarett

Ein neuer Preis für Kleinkunst: Der Basler Teufelhof legt einen Zacken zu

Das ist die Trophäe, die der Teufelhof mit seinem neuen Preis verleiht.

Das ist die Trophäe, die der Teufelhof mit seinem neuen Preis verleiht.

Seit 30 Jahren erfreut das Basler Theater mit Satire, Kabarett und Kleinkunst ein treues Stammpublikum. Jetzt verleiht es seinen eigenen Preis.

Diesen Freitag ist es soweit: Drei Künstler respektive Formationen kämpfen auf der Bühne des Theaters im Teufelhof erstmals um die Gunst des Publikums – und um den dafür neu geschaffenen Kabarettpreis. Das ist nur folgerichtig, denn Humor war schon immer das Leitmotiv, wenn es um die Programmgestaltung des Theaters im Teufelhof ging. Seit 1989 treten hier Künstlerinnen und Künstler auf, welche «die spöttische und scharfe Satire, das politische und literarische Kabarett und die gehaltvolle Kleinkunst repräsentieren», wie das aktuelle Leitungspaar Katharina Martens und Roland Suter «sein» Theater beschreibt.

Diesen hohen Anspruch hatte schon das Gründerpaar Monica und Dominique Thommy-Kneschaurek gemeinsam mit Fredy Heller, der das Theater während den ersten 17 Jahren leitete und prägte. Das hohe Niveau von Satire, Kabarett und Kleinkunst zeichne das Theater im Teufelhof noch immer aus, lobt Niggi Ullrich, ehemaliger Kulturbeauftragter des Kantons Basel-Landschaft und wohlwollend-kritischer Beobachter der regionalen Kulturszene.

Anspruchsvolles Kabarett, bitte

«Das Theater – und das Kabarett erst recht – ist ein Stachel in der Gesellschaft, sowohl in ästhetischer als auch auf der politischen Ebene.» Anspruchsvolles Kabarett sei schon zu Beginn des Theaters im Teufelhof speziell gewesen, und das sei es bis heute in der Deutschschweiz, so Ullrich. «Natürlich», ergänzt der ehemalige Kulturbeauftragte des Kantons Baselland, «sind auch im Teufelhof die Schnittstellen zwischen den einzelnen Bühnengenres nicht mehr ganz so scharf gezogen wie früher.» Das sei auch nicht mehr möglich. «Aber im Vergleich zu anderen Theatern ziehen Katharina Martens und Roland Suter ihren Anspruch bezüglich Qualität und Profil noch immer sehr konsequent durch.»

Die regionale Theaterszene bilde ein breites Spektrum von unterschiedlichen Formaten ab und spreche damit ein breites Publikum an, erklärt Niggi Ullrich. «Der Teufelhof hat ein treues Stammpublikum, eine Community, die vor allem wegen der expliziten Programmierung kommt, weil sie weiss, was sie dort geboten bekommt.»

Dem Publikum etwas zumuten

Die Bedeutung des Theaters im Teufelhof sei umso grösser, weil es als eine der letzten Bühnen nicht einfach alles mache, sondern klare programmatische Linien definiere, so Ullrich. «Dieser klare Anspruch sorgt für eine inhaltliche und formale Glaubwürdigkeit.»

Ein Künstler, der für diese Klarheit steht, ist der deutsche Kabarettist Jess Jochimsen. Während seines Studiums in den 1990er-Jahren in Freiburg im Breisgau bewarb er sich immer wieder bei Fredy Heller um einen Auftritt im Teufelhof. Heute präsentiert er seine Programme im ganzen deutschsprachigen Raum, moderiert eine Literatursendung im MDR und hat unter anderem Auftritte in der SRF-Radiosendung «Spasspartout».

Adelsschlag für Künstler

Dem Theater im Teufelhof ist er treu geblieben. Im Oktober steht er wieder auf dessen Bühne. «Ich bin dort quasi gross geworden und gleich geblieben», sagt er in seinem bekannt trockenen Humor. Wie Niggi Ullrich schätzt auch Jochimsen die Anspruchshaltung der Theaterleitung im Teufelhof. «Es waren schon immer Künstler dort, die ich gut fand: nie moralisches Kabarett, keine Schenkelklopfer.» Die Auftritte im Teufelhof empfand Jochimsen stets als «Adelsschlag». Im Teufelhof dürfe man dem Publikum in gedanklicher Hinsicht etwas zumuten und in die Tiefe gehen. «Das Publikum wächst mit dem Programm und auch mit dem Künstler über Jahre hinweg mit.»

Wie Niggi Ullrich hebt auch Jess Jochimsen die Besonderheit des Teufelhofs mit Hotel, Restaurant und Theater hervor. Alle Sparten passten zusammen und seien im Detail liebevoll gestaltet. Der Kabarettist würdigt auch die vorhandene Menschlichkeit, die fast einzigartig sei. «Wenn ich drei Tage dort bin, bin ich Teil des Ganzen und nicht einfach ein Aussenstehender.» Das spürbare Herzblut der Verantwortlichen sei mit ein Grund dafür, dass das Publikum seit 30 Jahren treu ins Theater im Teufelhof komme.

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