Die Suche nach dem neuen Standort der Wirtschaftswissenschaftlichen und Juristischen Fakultät glich einem Casting. In der Endauswahl standen Allschwil, Liestal und Münchenstein. Liestal umgarnte die Jury – in diesem Fall die Regierungen beider Basel – mit dem Argument, die Universität wäre bei einem Umzug ins Stedtli noch stärker im Landkanton verankert. Allschwil warb mit der Nähe zur Stadt. Doch Münchenstein hatte die besten Argumente: Guten öV-Anschluss durch das Tram, auf dem Dreispitzareal einen Campus, auf dem bereits die Hochschule für Gestaltung und Kunst domiziliert und die Hochschule für Wirtschaft der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) geplant ist. Und mit der Christoph Merian Stiftung (CMS) eine Landeigentümerin, die der Universität offen gegenüber steht.

Am Donnerstagmorgen gaben die Regierungen beider Basel bekannt, dass Münchenstein zum Handkuss kommt. Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) war sichtlich bewegt. Sie präsentierte den Entscheid als eine von sechs Regierungsvertretern den Medienschaffenden im Hotel Victoria am Basler Bahnhof SBB. Die Einigung auf den Unistandort im Baselbiet werde die gemeinsame Trägerschaft stärken, ein neues Kapitel der Partnerschaft aufschlagen, im Dreispitz einen attraktiven Cluster im Bereich Hochschulen schaffen, sagte sie.

2800 Studenten ziehen um

Auch die politischen Reaktionen fielen grundsätzlich positiv aus – mit Einschränkungen. Wenig überraschend forderten die Grünen, dass man fortan die «schädlichen Sparmassnahmen» bei der Uni unterlassen solle, und die Basler LDP hob den Mahnfinger in Richtung Baselland: Für die kommende Leistungsperiode solle der Landkanton wieder mehr Geld sprechen.

Enttäuschung herrschte derweil bei den Verlierern. Liestals Stadtpräsident Daniel Spinnler tröstete sich immerhin mit dem Gedanken, dass die Idee einst aus dem Stedtli gekommen sei, die Uni aufs Land zu holen. Und die Allschwiler Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli hielt sich am Versprechen der Baselbieter Regierung fest, dass im fraglichen Gebiet Bachgraben ein Cluster für Life Science entstehe.

Überschäumende Freude war selbst bei Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi nicht auszumachen, der vor ein paar Tagen über den Entscheid informiert worden war. Auch er weiss: Es ist noch ein weiter Weg, bis die rund 2600 Jus- und Wirtschaftsstudierenden vom Peter Merian-Weg am Bahnhof SBB auf den Münchensteiner Dreispitz ziehen. Zunächst sind erst die passenden Areale ausgewählt. Infrage kommt das Areal Südwest sowie das Areal Süd – beide eigneten sich hervorragend für einen Neubau, betonten die Regierungen. Ohne auf die Details eingehen zu wollen, räumte Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi allerdings «den einen oder anderen Schwachpunkt» ein, welche die externe Evaluation am ausgewählten Standort ergeben habe. Um welche Probleme es sich handelt, wollte er nicht sagen. Lüthi will stattdessen die Vorteile betont haben. «In einer Viertelstunde sind die Studierenden mit dem öV am Barfüsserplatz, mit dem Velo braucht man aus der Stadt auch nicht mehr als zehn Minuten hierher.» Das sei wichtig, weil viele Studenten auch noch Vorlesungen in anderen Fakultäten besuchten und schnell von A nach B kommen müssten.

Keine Begeisterungsstürme

Begeisterungsstürme suchte man bei den Studierenden am Donnerstag vergeblich. Als Vertreter der Studentischen Körperschaft (Skuba) begrüsste Alexander Powell zwar die Tatsache, dass die Uni fortan in beiden Trägerkantonen verankert sei. «Auch freuen wir uns, wenn die Juristen und Wirtschaftswissenschaftler eine moderne Infrastruktur bekommen.» Gleichzeitig zeigte er sich aber auch «etwas irritiert» über die Tatsache, dass der Uni gleichzeitig Sparmassnahmen im Bereich der Lehre und Forschung aufgebrummt worden seien.

Powell wird aller Voraussicht nach den Umzug auf das Dreispitzareal selber nicht als Student miterleben. Zwar ist die Grundstückbesitzerin CMS dem Projekt gegenüber «positiv eingestellt», wie der Baselbieter Regierungssprecher Nic Kaufmann auf Anfrage der bz betonte, doch braucht ein Neubau dieser Dimension Zeit. Alleine durch den politischen Prozess. So müssen die Kantonsparlamente beider Basel eine Kreditsicherungsgarantie sprechen. Kommt dazu, dass eines der beiden fraglichen Areale derzeit durch den Logistikkonzern Fiege industriell genutzt wird. Bis 2028 aber sei der Bezug des neuen Standorts «realistisch», wie Kaufmann betont.