BaZ
Ein neues Buch über die BaZ - Walter Rüegg über die Medienlandschaft der Region

Der Ökonom und Journalist Walter Rüegg war von 1999 bis 2009 Radiodirektor Schweizer Radio; zwischenzeitlich war er Verlagsdirektor der BaZ. Rüegg ist Lehrbeauftragter an der Uni Basel im Fach Medienwissenschaften.

Pascale Hofmeier
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Walter Rüegg

Walter Rüegg

Keystone

Mit «Herausgefordert» erscheint das zweite Buch über die Geschichte der Basler Zeitung dieses Jahr. Ist das nicht ein Overkill?

Walter Rüegg: Die Geschichte der Basler Zeitung verdient mehr als ein Buch. Sie beginnt in unserem Buch mit der Geschichte der Vorgänger-Zeitungen Basler Nachrichten und Nationalzeitung und schliesst sie mit den Vorgängen dieses Sommers ab. Dabei ist eine Geschichte des Unternehmens entstanden. Eine Geschichte voll unternehmerischer Risiken, Hoffnungen und grossen Enttäuschungen. Basel ist wahrscheinlich der interessanteste und bewegteste Medienplatz der Schweiz. Und wer über den Pressekrieg in der Nordwestschweiz informiert sein will, sollte das Buch lesen.

Warum ?

Mit der Fusion der «Basler Nachrichten» und der «National-Zeitung» zur BaZ wurde beiden Leserschaften ihre Heimat genommen. Mit dem neuen Kompromissprodukt konnten sie sich nie wirklich anfreunden. Das wirkt bis heute nach. Wir zeigen im Buch die Geschichte, warum es zur Fusion kam, sehr detailliert auf. Die Fusion wurde im Grunde genommen nie «verdaut». Sie hat das Selbstverständnis der BaZ geprägt und die polarisierten Urteile über sie wach gehalten.

Erklärt das, warum die Zeitung heute schlecht da steht?

Der Verlag hatte nicht nur mit den Spätfolgen der Fusion zu kämpfen. Sicher haben ihm die Gratiszeitungen, bei denen den Baslern der Einstieg nicht glückte, auch zugesetzt. Dann ist es ihm nicht gelungen, als Regionalzeitung vermehrt in der Region Fuss zu fassen. Die Expansion nach Zürich mit dem Kauf der Jean-Frey AG scheiterte und hat viel Geld gekostet. Das Vermögen des ehemals reichen Unternehmens steckte in zahlreichen Druckereien, die laufend an Wert verloren. Dabei ist die Basler Zeitung mitten in der grossen Strukturkrise der Presse eigentlich vernachlässigt worden, die doch das Flaggschiff war.

Hat sich das im Endeffekt nicht auch positiv auf die Basler Medienlandschaft ausgewirkt?

Zweifellos hat diese Entwicklung auch Konkurrenten entstehen lassen, wie beispielsweise die noch junge Nordwestschweiz und die Tageswoche. Ob diese Medienvielfalt sich hält, muss sich erst noch weisen. Die Presse hat es heute insgesamt schwer und muss seit Jahren Auflagenverluste hinnehmen. Es wird sich zeigen müssen, wer überlebt. Eine grosse Vielfalt kann der Werbemarkt Basel nicht finanzieren.

Wie geht es nun wohl weiter?

Die BaZ hat einen offenkundigen Anspruch, eine Zeitung für die Region zu bleiben. Das ist ambitiös, auch weil die Zeitung wegen der grossen Leserverluste eine kritische Grösse erreicht, wo das Überleben schwierig wird. Die BaZ ist aus meiner Sicht aber auch interessanter geworden, vielfältiger. Sie will sich absetzen vom Mainstream und vertritt manchmal auch ziemlich einseitige Positionen wie beispielsweise in der Sicherheitsdiskussion. Aber sie pflegt ihren Regionalteil vermehrt. Ob die Leser ihr langfristig die Treue schenken und diese manchmal etwas nonkonforme Zeitung auch inspirierend finden, ist heute schwer zu sagen. Wenn sie weiter spart, wirkt sich das rasch negativ auf Inhalt und Leser aus; dann kann sie diese Ambition begraben. Deshalb bin ich skeptisch. Aber die Zukunft wird zeigen müssen, wer sich auf dem schwierigen Markt in Basel behaupten kann.