Lesen sei eine Staatsaufgabe, erklärte Regierungspräsident Guy Morin im Februar anlässlich der Grossratsdebatte über die Subvention für die GGG Stadtbibliothek. Der Beitrag des Kantons wurde denn auch bewilligt und auf 12,5 Millionen Franken aufgestockt. Allerdings wurde die Subvention nicht wie bisher für vier Jahre gesprochen, sondern nur für die beiden Jahre 2016 und 2017. Der Staat deckt dabei rund 60 Prozent der Betriebskosten. Der Rest kommt von der GGG und aus Einnahmen der Bibliothek. Grund für den Wechsel auf eine zweijährige Subventionsperiode ist die von Guy Morin bis 2018 angekündigte Bibliotheksstrategie des Präsidialdepartements. Dabei geht es um die Aufgabenverteilung zwischen der GGG Stadtbibliothek mit ihren zahlreichen Zweigstellen, den Schulbibliotheken und der Unibibliothek. Wegen des pendenten Konzepts wolle man keine vollendeten Tatsachen schaffen hiess es im Februar. Für die Stadtbibliothek bedeute dies Planungsunsicherheit, so Heinz Oehen, Vizedirektor der Stadtbibliothek und Leiter der Bibliothek Schmiedenhof am Freitag zur bz.

Dachbalken von 1357: Im historischen Schmiedenhof befindet sich die modernste Bibliothek der Schweiz. fotos: Kenneth nars

Dachbalken von 1357: Im historischen Schmiedenhof befindet sich die modernste Bibliothek der Schweiz. fotos: Kenneth nars

Junge kommen in Scharen

Trotz dieser Unsicherheit ist Oehen sehr zufrieden mit dem ersten Jahr seit der Neueröffnung des Schmiedenhofs am 9. Mai 2015: «Die neue Bibliothek ist sehr erfolgreich. Wir konnten neue Zielgruppen ansprechen. Vor allem Kinder und Jugendliche kommen vermehrt. Die Stadtbibliothek Schmiedenhof hat noch einen viel grösseren Bekanntheitsgrad als vor der Erneuerung und Erweiterung.» Das Hauptziel des Umbaus sei erreicht worden: «Wir wollten Jugendliche und junge Erwachsene ansprechen und für sie einen tollen Ort schaffen. Das ist uns gelungen. Sie kommen hierher. Auch der Kinderbereich ist ein Riesenerfolg. Wir werden fast schon überschwemmt von Kindern und Eltern. Aber auch die Zahl der Erwachsenen konnten wir steigern», erklärt der sichtlich begeisterte Oehen.

Hierher kommen immer mehr Jugendliche zum Lesen.

Hierher kommen immer mehr Jugendliche zum Lesen.

Für 2016 rechnet er mit einer Besucherzahl von rund 450'000 im Schmiedenhof und dies trotz Preiserhöhungen nach der Neueröffnung. Die diversen Abos beginnen bei 50 Franken und enden bei 290 Franken im Jahr.

Im Fokus des Interesses stehe immer noch das Buch, das den grössten Anteil der jährlich 1,2 Millionen Ausleihen ausmache. «Man sagt ja immer, es werde weniger gelesen. Das stimmt aus unserer Sicht nicht. Wir können ja überprüfen, was ausgeliehen wird. Und da ist klar: Bücher boomen. Was weniger wird, sind DVDs und CDs. Das klassische Buch ist bei allen Altersgruppen führend und nimmt sogar zu», betont Heinz Oehen. Mit nur 35'000 Ausleihen mache das E-Book nur einen kleinen Teil der Ausleihen aus. 14 Millionen Franken hat der Umbau des Schmiedenhofs gekostet. Die Fläche der Bibliothek wurde verdoppelt. Entstanden sei ein Ort zum Verweilen und zum Arbeiten. «Wir haben den neuen Platz genutzt, um Aufenthaltsraum zu schaffen, einen sogenannten dritten Ort zwischen Büro oder Schule und zu Hause», so Oehen.

Mitten in der Stadt entstand eine Kultur-Oase.

Mitten in der Stadt entstand eine Kultur-Oase.

Zu diesem Ort gehört auch das neue Café «1777». Die Zahl steht für das Gründungsjahr der «Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige», der GGG. Das Café gehört Raphael Wyniger, Inhaber des Gast- und Kulturhauses Teufelhof. Auch Wynigers Bilanz ist begeistert: «1777 läuft wahnsinnig gut. Ich bin richtig glücklich. Es ist eine Freude dies zu sehen.» Zu Mittagszeiten gäbe es im Lokal kaum Platz und auch abends laufe es gut. Die Innenstadt sei eben nach wie vor attraktiv.