Würde seine Freundin nicht Jura studieren, würde C. P. heute möglicherweise in der Dreizimmerwohnung an der St. Jakobs-Strasse 355 wohnen. Er würde sich wohl gleichzeitig darüber freuen und ärgern. Mit Namen oder Gesicht will C. P. nicht in der Zeitung erscheinen, da seine Freundin befürchtet, keinen Job in Basel mehr zu finden, wenn die einflussreiche Christoph-Merian-Stiftung (CMS) - mit der er den Clinch ausgetragen hat - seine wahre Identität herausfindet. Die Freundin war es, die ihm in rechtlichen Fragen geholfen hat.

Im Oktober besichtigte er die Wohnung, die der CMS gehört. «Sie hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Zu meiner Freude erhielt ich die Zusage», erzählt er. Zwei wesentliche Dinge störten ihn aber. Erstens: Seine Vormieterin zahlte einen Mietzins von 1700 Franken pro Monat. Von ihm aber verlangte man 2305 Franken. «Eine Erhöhung von 34 Prozent», ärgert sich C. P.

Und zweitens: Der Mietvertrag enthielt eine Klausel, die von C.P. verlangte, auf seine Kosten für sämtliche elektronischen Küchengeräte wie Herd oder Kühlschrank Service-Abos abzuschliessen. Ansonsten wären alle Reparaturkosten zu seinen Lasten gegangen.

«Mieter haben keine Wahl»

Per E-Mail suchte C. P. Kontakt mit der CMS. Zwei Tage später folgte die böse Überraschung: «In einem Schreiben teilte mir die CMS mit, unwiderruflich vom Vertrag zurückzutreten.» C. P. fragte per Telefon nach, wo das Problem liege. Seine Fragen seien unbequem gewesen und es sei nicht sicher, ob er die Wohnung noch nehmen würde, war die Antwort. Ausserdem: «Mir wurde offen mitgeteilt, dass die rechtlich nichtige Vertragsklausel betreffend des Service-Abos standardmässig ist, bis die Schlichtungsbehörde die Streichung der Klausel verlange.» Zwar war er nach wie vor interessiert an der Wohnung, doch Rückrufe blieben fortan unbeantwortet. Für C. P. ist dieses Vorgehen nicht verständlich. «Mieter, die sich mit dem Gesetz nicht auskennen, sind benachteiligt.»

Beat Leuthard vom Mieterverband Basel kennt dieses Verhalten von Vermietern. «Leider gilt eine Mietzinserhöhung von 34 Prozent nicht als missbräuchlich», sagt er. Es gebe zwar eine Obergrenze für Missbrauch im Gesetz, doch diese sei schwammig. Auch die Service-Abo-Methode ist ihm bekannt. «Die ist uns ein Dorn im Auge.» Die Immobilien-Firmen würden immer mit dem freien Markt argumentieren. Aber: «Bei einer Leerwohnungsquote von 0,4 Prozent kann man nicht mehr von einem freien Markt reden. Oft haben die Mieter keine Wahl.»

Service-Abo-Praxis wird überdacht

Toni Schürmann, Sprecher der CMS, kennt den Fall: «Wir haben den Mietzins bei der Besichtigung mitgeteilt. Der Bewerber war einverstanden.» Anschliessend habe man den Vertrag verschickt mit der Bitte, diesen innert dreier Tage zu retournieren. «Nach sieben Tagen haben wir dann dieses E-Mail erhalten», sagt Schürmann. Er weist darauf hin, dass die Wohnung für 35 000 Franken komplett saniert worden sei. Man habe bei C. P. nach der anfänglichen Begeisterung ein gewisses Misstrauen gespürt, weshalb man sich entschlossen habe, vom Vertrag zurückzutreten. «Das ist wie im Beziehungsleben: Wenn man das Gefühl hat, dass es nicht funktioniert, sollte man nicht zusammenkommen.» Verständnis hat Schürmann für den Ärger über das Service-Abo. «Diese Praxis werden wir überdenken.»

Glück im Unglück

C. P. ist auch deshalb enttäuscht, weil er die Christoph-Merian-Stiftung bisher immer als soziale Institution wahrgenommen hat. Die CMS, die über rund 550 Mietobjekte verfügt, vertreibe mit solchen Geschäftsmethoden «sozial schwächer gestellte Personen aus Basel». Anwältin Susanne Bertschi, die bereits wegen diverser Mietstreitigkeiten gegen die CMS prozessiert hat, räumt mit diesem Eindruck auf. «Die CMS ist eine ganz normale Immobiliengesellschaft wie andere auch.»

C. P. hatte trotz allem Glück im Unglück. «Ich kann in meiner alten Wohnung bleiben, obwohl ich eigentlich schon gekündigt hatte», sagt er. Aber auch da zahlt er jetzt 100 Franken mehr Miete pro Monat als vorher.