Kleinhüningen
Ein Quartierverein kämpft in Kleinhüningen gegen Partys und Hochhäuser

Kleinhüningen, das ehemalige Fischerdorf und heutige Industrieviertel, soll mit neuen Zwischennutzungen zum Familiennaherholungsgebiet werden. Der Quartierverein «Pro Kleinhüningen» setzt sich für mehr Grün ein und wehrt sich gegen die Stadtplanung.

Mélanie Honegger
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Auf frei werdenden Parzellen entlang der Uferstrasse, auch Klybeckquai genannt, werden ausgewählte Zwischennutzungsprojekte realisiert. Wie der «Sonntag» berichtete, sind Projekte wie eine Buvette, eine Beton-Skateranlage oder Container für kulturelle Zwecke geplant.

Auch eine Idee von Georges Böhlers Dorfverein Pro Kleinhüningen wird umgesetzt: die Fischereizone im «Wieseneck», «einem der schönsten Orte in Kleinhüningen.» Die Fischer, die den Charme des ehemaligen Fischerdorfs vermissen, liegen dem Vereinspräsidenten am Herzen. Die Verbindung zum Wasser und das Bild des Rheinhafens als «Tor zur Welt» sind laut Böhler tief in der Bevölkerung verankert.

Ärger über ewige Baustelle

Im Café «Kulturwiese» scheinen Böhlers Aussagen auf grossen Anklang zu stossen. Ein Tischnachbar mischt sich ins Gespräch ein und die zwei Männer beginnen eine angeregte Diskussion über die Tramstation im Dorfkern Kleinhüningens. Dort reihen sich momentan die Baustellen aneinander, da die Tramlinie bis nach Weil verlängert wird.

Die ewige Baustelle an der Endstation der Tramlinie 8.

Die ewige Baustelle an der Endstation der Tramlinie 8.

Kenneth Nars

«Die werden nie fertig mit Bauen», ärgern sich die zwei Kleinhüninger und Böhler konkretisiert: «Wir sind gegen die Vision einer neuen Linienführung von der Erlenmatt der Wiese entlang bis nach Hüningen.» Denn dafür müssten laut Böhler Bäume gefällt werden. Zudem würde die Tramlinie durch Familiengärten verlaufen und die Bauarbeiten würden nochmals drei Jahre dauern.

Bedenken über Zwischennutzungsprojekte

Der Ärger über die vergangene Entwicklung des Quartiers ist spürbar. Die Infrastrukturbauten, die Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts gebaut wurden, gefallen Böhler genauso wenig wie das Partyschiff am Westquai. Stark alkoholisierte Partygänger, die in der Morgendämmerung randalieren, bereiten ihm Sorgen: «Aufgrund dieser schlechten Erfahrungen haben wir Bedenken, was die Zwischennutzungsprojekte anbelangt.»

Mit Blick auf Ereignisse wie den letztjährigen Unfall an einer illegalen Party im ehemaligen Kinderspital folgert Böhler, dass die jungen Leute nicht mehr mit Freiräumen umgehen können. Das sei gerade im unteren Bereich der Uferstrasse problematisch, wo eine Anlegestelle für grosse Rheinschiffe besteht und die ankommenden Passagiere ein touristenfreundliches Umfeld erwarten.

Noch viel mehr als die Partyjugend ist Böhler die Idee einer mit Hochhäusern bebauten Rheininsel ein Dorn im Auge. «New Basel» oder auch «Manhattan am Rhein» wird das visionäre Projekt genannt, das der Kanton derzeit mit St. Louis und Lörrach plant.

Wunsch nach Gebäudemix

«Wir brauchen keine Häuser mit vierzig Stockwerken», sagt Böhler energisch, «das sind Klötze!» Der Schattenwurf solcher Bauwerke sei für das Dorf nicht wünschenswert. «Wir sind weder Hamburg noch London. Basel ist doch keine Grossstadt!» Stattdessen wünschen sich die 250 Mitglieder seines Vereins einen Gebäudemix mit Luxus-Hochbauten, normalen Wohnbauten und Flächen für Genossenschaftswohnungen und Gewerbebauten. Diese sollen mit genügend Grünflächen und mit für die Allgemeinheit frei zugänglichen Parzellen zum Rhein verknüpft sein.

Ob das Quartier so ruhig und familienfreundlich sein wird, wie es sich die Bevölkerung laut Böhler wünscht, ist frühestens im Sommer bekannt. Dann beginnen die Verantwortlichen voraussichtlich mit der Realisierung der Siegerprojekte.