Reise

Ein Rabbi und ein Imam gehen in Basel zusammen auf Tour

Schlomo Hofmeister und Ramazan Demir tauschen sich in der Altstadt von Jerusalem mit Christen aus und erzählen von ihrer Reise.

Schlomo Hofmeister und Ramazan Demir tauschen sich in der Altstadt von Jerusalem mit Christen aus und erzählen von ihrer Reise.

Um der europäischen Gesellschaft aufzuzeigen, dass die Schuld am Nahost-Konflikt nicht die Religion, sondern die Politik trägt, tragen ein Muslim und ein Jude in verschiedenen Städten ihren Reisebericht vor – kommenden Sonntag sind sie in Basel.

Zwei Freunde auf Reisen. Ihr Ziel: Istanbul, die Metropole am Bosporus. Eigentlich nichts Besonderes. Aber wie die beiden durch die Stadt flanieren, bleibt trotzdem ein Basarhändler stehen und und fragt irritiert: «Was macht ihr denn da?» Grund: Die beiden Freunde passen optisch nicht zusammen. Ramazan Demir ist Imam, Schlomo Hofmeister Rabbiner. Sie erklären dem Verkäufer, sie würden mit ihrem Zusammensein der Welt beweisen, dass ein Dialog zwischen einem Juden und einem Muslim möglich ist. Der Händler antwortet, er sei positiv geschockt.

Im letzten Dezember war das ungleiche Paar aus Wien für sechs Tage von der Türkei aus nach Israel und in das Palästinensergebiet gefahren. Es sei keine politische, sondern eine religiöse Reise gewesen, stellt Demir klar. Ihr Reiseziel war es, den anderen danach besser zu verstehen. Sie seien immer nur zusammen aufgetreten, um sowohl für die «jüdische als auch die muslimische Community» sichtbar zu sein. Und sowohl in Israel wie auch in Palästina seien sie immer herzlich aufgenommen worden. Der 29-jährige Demir erinnert sich gerne an die Reisewoche zurück, es fallen ihm sofort mehrere Anekdoten ein. «In Jerusalem wollten Juden sogar Fotos machen von uns beiden.»

Wie tickt die andere Seite?

Die Idee der Reise entstand vor rund einem Jahr. Demir und Hofmeister waren mit dem Projekt «Close up! Abrahams Kinder in Wien» beschäftigt – eine Foto-Ausstellung über Juden, Christen und Muslime. Das Aussenministerium hatte darauf mit den zwei Geistlichen Kontakt aufgenommen, erzählt der Imam. «Ich habe mit der ‹Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich› (Iggiö) geredet und die waren begeistert vom Vorhaben», führt Demir aus. Er und der Gemeinderabbiner wollten sich selbst ein Bild machen, die Sicht der anderen Seite verstehen und zeigen, wie stark ein Jude und ein Muslim im Angesicht des Nahost-Konflikts miteinander verbunden sein können.

Auf ihrer Reise haben der muslimische Vorbeter und der Rabbiner viel von einander gelernt. Die Religion des anderen, sie beide als Personen. «Es ging nicht darum, einander von irgendetwas zu überzeugen, sondern einfach uns kennenzulernen», sagt Demir. Und: «Wichtig ist zu respektieren, dass wir nicht alle derselben Meinung sind, aber darüber reden können.»

Für den 39-jährigen Rabbiner Hofmeister stand im Vordergrund der Reise, in Kontakt mit den Menschen in Israel und Palästina zu treten und die Lage vor Ort mit der medialen Berichterstattung zu vergleichen. Resultat: Die Menschen sind keine Teilnehmer des Nahost-Konflikts. «Sie wollen ihn nicht. Als wir in Jerusalem waren, konnten wir beobachten, wie die Juden mit den Christen zusammenarbeiten», erinnert er sich. Auch ihm ging es nicht darum, Meinungen und Positionen zum Nahost-Konflikt zu verteidigen. «Es geht uns um das Verhältnis der Muslime und Juden in Europa.» Für seinen Freund Demir war der Tag in Jerusalem einer der schönsten in seinem Leben, erzählt der Imam.

Ein Schritt gegen Feindlichkeit

Und um der europäischen Gesellschaft aufzuzeigen, dass die Schuld am Nahost-Konflikt nicht die Religion, sondern die Politik trägt, tragen sie in verschiedenen Städten ihren Reisebericht vor – unter anderem am kommenden Sonntag in Basel.

Dass ihr Ausflug keine Lösung für den Nahost-Konflikt bietet, ist Demir klar. «Aber es ist doch ein Schritt gegen die Feindlichkeit.» Zudem müsse man Träume haben, damit diese Wirklichkeit werden können. «Es ist schon soviel auf der Welt passiert, das man einst als unmöglich erachtet hatte. Unmögliches muss möglich gemacht werden.»

Reisebericht von Imam Ramazan Demir und Rabbiner Schlomo Hofmeister. Sonntag, 18 Uhr, Zunftsaal Schmiedenhof, Rümelinsplatz

Meistgesehen

Artboard 1