Wahlen 2019

«Ein Riesenklumpen ist von mir abgefallen» – so freut sich die neugewählte GLP-Nationalrätin Katja Christ

© Roland Schmid

Schock für die SVP: Die Volkspartei verliert bei den Nationalratswahlen in Basel-Stadt massiv. Sebastian Frehner kann seinen Sitz nicht halten. Davon profitiert Katja Christ. Der bz stand die frisch gewählte GLP-Nationalrätin Red und Antwort.

Frau Christ, wie sehr hat Sie ihre Wahl überrascht?

Katja Christ: Völlig überrascht natürlich nicht mehr. Wir haben den ganzen Nachmittag gebangt und gehofft. Ich habe selber auch schon die Erfahrung gemacht, dass es an wenigen Stimmen scheitern kann. Umso glücklicher bin ich. Es ist ein Wahnsinnsgefühl. Es ist ein Riesenklumpen von mir abgefallen.

Ich nehme an, diese Wahl lässt sie die chancenlose Kandidatur bei den Regierungsratswahlen schnell vergessen.

Ja, aber ich bin auch dort mit meinem Resultat sehr zufrieden. Ich habe 15 Prozent der Stimmen geholt und war damit weit über dem Wählerpotenzial meiner Partei.

Hand aufs Herz: Ging es bei Ihrer Kandidatur für die Regierung nur darum, sich eine möglichst gute Position für die Nationalratswahlen zu verschaffen?

Ganz klare Antwort: Nein.

Was haben Sie besser gemacht im Wahlkampf als Ihre Konkurrenz?

Ich war sicher von A bis Z authentisch. Ich bin fair geblieben – und ich habe über mich gesprochen und nicht gegen andere. Vielleicht haben die Leute das geschätzt.

Was bedeutet das Resultat für Ihre persönliche und berufliche Situation?

Das schauen wir morgen am Familientisch an. Ich werde Einiges umkrempeln müssen. Ich bin ja auch noch im Grossen Rat und im Riehener Einwohnerrat. Da haben wir Einiges zu besprechen.

Die Wahl stand unter dem Motto «grüne Welle» und «Frauenwahl». Wie sehr hat das dazu beigetragen, dass Sie nun das Mandat geholt haben?

Ich vereine diese beiden Eigenschaften natürlich. Ich glaube aber auch nicht, dass es nur daran gelegen hat. Ich war natürlich auch durch meine Kandidatur als Regierungsrätin im Fokus, und konnte so zeigen, wer ich bin und wofür ich einstehe.

Dass die GLP mit nur 5,2 Prozent Wähleranteil einen Nationalratssitz holt, verdanken Sie dem Päcklein mit den Mitteparteien, das Sie geschnürt haben.

Die Möglichkeit von Listenverbindungen gibt es genau aus dem Grund, dass auch kleinere Gruppierungen eine Chance haben, wenn sie sich zusammentun. Ich sehe meinen Sitz ganz klar als Sitz der Mitte. Wir sind zusammen gegangen mit der EVP und der BDP, und haben das auch dank ihnen geschafft. Ich werde versuchen, die Parteien auch so gut zu vertreten, wie ich kann.

Haben Sie Glück gehabt, dass Sie die grünste Partei in diesem Mitte-Bündnis waren?

Die Grünliberalen haben auch national zugelegt. Die Zeit spricht sicher für uns. Es wird mehr und mehr verstanden, dass wir gute Lösungen bringen. Wir wurden als wirtschaftsfreundlichste Partei ausgezeichnet, und gleichzeitig haben uns die Umweltverbände empfohlen.

Welches Anliegen tragen Sie jetzt nach Bundesbern?

Es sind mindestens drei Anliegen: Grün, Gleichstellung und Wirtschaft.

Was steht nun auf ihrer To-Do-Liste zuoberst?

Feiern gehen. Mit all meinen Parteikolleginnen und -kollegen, die alle dazu beigetragen haben. Ohne die hätte ich das nie geschafft. Und auch nicht ohne die Hilfe meiner Familie. Wir haben eine Lokalität gemietet, um entweder zusammen zu trauern oder zu feiern. Der Champagner ist kaltgestellt.

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