Glosse

Ein Schildstreich für die Bürger – wenn drei Regierungsräte ein Strassenschild einweihen

Basler Strassenschilder werden informativer: Bis Jahresende sollen 30 neue Schilder im Stadtzentrum auch Geschichte auf maximal zwei Zeilen vor Ort dokumentieren. Das erste wurde am Montag an der De Wette-Strasse eingeweiht. Drei Regierungsräte waren vor Ort.

Was war das für ein Fest. Pressekonferenzen sind ja meist eine dröge Sache, nüchtern, sachlich, langweilig. Nicht am Montag. Gleich drei Magistraten standen Pate, als an der De-Wette-Strasse erstmals ein Schild der neuen Generation festgeschraubt wurde. Ein würdiger Rahmen. Drei Regierungsräte? Ausserhalb des Wahlkampfs sieht man so etwas nur selten. Als etwa Wessels erklärte, wie die Gesamtregierung mit dem GPK-Bericht umgehen will, musste er das alleine tun. Gestern strahlte er mit den Kollegen Dürr und Engelberger um de Wette (sic).

Letzterer hatte zwar mit der Sache qua seines Departementes nichts zu tun. Doch war er es, der vor sehr langer Zeit die Idee hatte, den Strassenschildern doch kleine Erläuterungen beizugeben. Diese didaktische Massnahme zur Bildung der Basler Bürger wird nun wahr.

Am besten illustriert den Zweck die Anekdote des Präsidenten der Nomenklaturkommission, Paul Haffner. Als er früher ins RG (Flurname Realgymnasium) ging, da lief er stets am De-Wette-Schulhaus vorbei, nichtwissend, wer denn dieser Herr De Wette war. Da hat es die heutige Schülerschar besser, denn jetzt steht auf dem Schild: «Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780-1849), Theologe an der Universität Basel». Mehr hatte leider nicht Platz, doch verwies der beigezogene Experte richtigerweise auf Lexika, «wer es genauer wissen will». Die Schriftgrösse richtet sich denn auch eher an junge Leute, aber es hängen gottlob auch nicht alle Basler Berühmtheiten so hoch wie der nette Herr de Wette.

Die Anwesenden waren sich der Bedeutung dieses Tages durchaus bewusst. Justizdirektor Dürr verstieg sich zur These, der Vorname Leberecht regelrecht boomen werde, ja gar Klassiker wie «Luca» oder «Noah» verdrängen. Wessels schloss den Reden-Reigen mit einem kurzen Abriss über seine bisherigen Wohnstätten, in dem er offenbarte, dass er auf seinem Drahtesel zwischen Reiterstrasse und Rittergasse pendelt.

Opulent war auch der folgende Apéro: Auf einem Ochsenkarren – durchaus augenzwinkernd als Persiflage auf die mondäne Veranstaltung zu verstehen – präsentierten sich speckummantelte Datteln, Tortillas und Kürbissuppe. Letztere war abgestimmt auf das Gewand der Chrampfer vom Tiefbauamt, welche das Schild montiert hatten – zu dritt: Einer trug das Schild, einer die Leiter und einer die Verantwortung. Schade nur, dass die hiesige Journalistenzunft den Effort der Verwaltung nicht zu würdigen verstand. Überall geisterte die lapidare Frage, was das Projekt denn koste. Läppische 100 000 Franken sind es, also gerade mal 3000 Velopumpen.

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