«Menschenrechte schützen Menschen vor dem Staat, der Polizei und auch den Polizeidirektoren. Sie schützen also auch mich vor mir selbst.» Die erste Ansage von Baschi Dürr am Sonntagabend im «Late Service Public», dem Spätabend-Format des Schweizer Fernsehens, sorgte für den bis dahin grössten Lacher. Und Dürr doppelte auf die Nachfrage von Co-Moderator Mike Müller, ob er das denn nötig habe, gleich nach: «Ja, als liberaler Polizeidirektor ist man immer ein bisschen schizophren unterwegs.»

Dass Dürr die erste gute Pointe des Abends für sich verbuchen konnte, sagt wohl ebenso viel über den Basler FDP-Regierungsrat aus wie über die Qualität der Schweizer Antwort auf Oliver Welke oder Jon Stewart im deutschen und amerikanischen Fernsehen.

Dürrs Auftritt zeigte vor allem, dass Themen, die in Basel bereits x-fach abgehandelt wurden, in Zürich offenbar immer noch neu sind: Baschi Dürrs Waschtag, die Tatsache, dass der Basler Sicherheitsdirektor anders als seine Amtskollegen gegen das Hooligankonkordat ist und die liberale Haltung in Bezug auf Drogen. Natürlich begleitet von der Frage: «Herr Dürr, kiffen Sie denn selbst auch?» Die Antwort folgte in Bill-Clinton-Manier: «Wie fast alle Politiker habe auch ich schon einmal gekifft – aber dabei nicht inhaliert.»

Die ganze Sendung können Sie hier nachsehen (Auftritt Baschi Dürr ab Minute 31:37):

Die ganze Sendung Giacobbo/Müller vom 23.11.2014 mit Baschi Dürr

Es sei dahingestellt, was es über ein Satiremagazin aussagt, wenn ein FDP-Sicherheitsdirektor der mit Abstand gewitzteste am Tisch ist. Unterhaltsam waren die acht Minuten mit Baschi Dürr allemal. Das Publikum dankte es ihm mit schallendem Gelächter, als er seine Erleichterung darüber kundtat, dass seine Kinder noch zu jung sind, um an einer Demo auf der falschen Seite des Polizei-Cordons aufzutauchen.

Den Versuch Giacobbos, ihm eine Pointe auf Kosten der Zürcher abzuluchsen, liess Dürr abtropfen: «Das wäre zu billig.» Und auch den zweiten Versuch mit «daraus besteht doch die halbe Basler Fasnacht», liess Schyyssdräggzyygli-Mitglied Dürr mit der Bemerkung ins Leere laufen, Zürcherverse seien nun nicht gerade die «Brüller-Schnitzelbängg».

Dass Dürr es auch noch schaffte, einige intelligente Sätze über den Liberalismus im Allgemeinen, das Verhältnis zwischen LDP und FDP und einen kurzen Beruhigungs-Werbespot für OSZE-Gipfel-Skeptiker loszuwerden, illustriert gut, wer der Schnelldenker im Zürcher «Kaufleuten» war: weder der Dicke noch der mit den Ohren, sondern der mit der Glatze. Ein magistraler Auftritt für Dürr, der ja schon im Schüleralter seine Bundesratsambitionen kundgetan hatte.