Carlo Conti (CVP), Basler Regierungsvizepräsident, ist in diesen Tagen in seinem Element: Fernab in Moskau will er mithelfen, dass Basel als «City of Vision» in Russland bekannter wird. Kaum zu Hause, bleibt er auf der russischen Welle und ist an der Universität Basel Gastgeber des 2. Swiss Russian Health Forum. Dort darf er Bundesrat Alain Berset und Gesundheitsministerin Veronika Skvorsova begrüssen.

Wer stets aufs nationale oder internationale politische Parkett schielt, droht den Blick aufs lokale, aufs Gesundheitsdepartement, zu verlieren. Etwa auf die Diskussion in Basler Apothekerkreisen über Contis Wahl der 28-jährigen Manuela Zumbühl zur neuen Kantonsapothekerin, die Anfang Oktober startet.

Anspruchsvoller Job: Kantonsapotheker

Die neue Kantonsapothekerin war nach der Ausbildung an der Universität Basel rund zwei Jahre als Apothekerin in der Basler Breite-Apotheke tätig. In früheren Jahren mussten Anwärter über Erfahrungen in der Apotheke, im Spital und in der Industrie verfügen. Ist Zumbühl zu jung und zu unerfahren für den anspruchsvollen Job der Kantonsapothekerin, die gemäss kantonalem Gesundheitsgesetz immerhin zu den «gesundheitspolizeilichen Funktionsträgerinnen» des Kantons» gehört? Nein, findet Philipp Waibel, Bereichsleiter Gesundheitsdienste (93 Mitarbeitende) mit den Abteilungen Sucht, Prävention und Medizinisch-Pharmazeutische Dienste: «Die gewählte Kantonsapothekerin erwies sich in einem zweistufigen Auswahlverfahren als die am besten geeignete Kandidatin.» Entscheidend seien die Kriterien Sozialkompetenz, Fachexpertise, visionäres Denken und Leidenschaft für den Beruf gewesen, sagt Waibel.

Eine grosse Verantwortung fällt der Frau zu. Eine Verantwortung, die Hans-Martin Grünig als langjähriger Baselbieter Kantonsapotheker schon lange innehat. Um Synergien und Kostenersparnisse zu ermöglichen, hat der erfahrene Kantonsapotheker dieses Frühjahr dem Basler Gesundheitsdepartement vorgeschlagen, dass er den Basler Posten in Personalunion von Baselland aus übernehmen könnte. «Ich war für eine solche gemeinsame und sinnvolle Lösung bereit», bestätigte Grünig Informationen des «Sonntags». Laut Waibel hat die Baselbieter Gesundheitsdirektion aber kein offizielles Angebot vorgelegt. «Was die Zusammenlegung von Ämtern der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft betrifft, wurden verschiedene Optionen geprüft – wir haben aber leider keine positiven Signale erhalten», ergänzt Conti gegenüber dem «Sonntag».

Zumbühl ist bereits die dritte Kantonsapothekerin innert anderthalb Jahren. Erst verliess die langjährige Kantonsapothekerin Viviane Fahr ihren Posten, worauf auch zwei Mitarbeiterinnen gingen. Ihre Nachfolgerin Brigitte Thomi verliess den Posten bereits nach neun Monaten und arbeitet heute in einer Apotheke in Liestal. Nach mehrmonatiger Vakanz ist nun Zumbühl an der Reihe, sich ab Oktober einzuarbeiten. Wie lange sie wohl bleiben wird?

Auch andere Wechsel

Wechsel gab es auch an anderer Stelle: Die Kantonsärztin trat Ende Mai letzten Jahres zurück. Auch ihr Stellvertreter ist heute nicht mehr dabei. Weitere Kündigungen erfolgten. So trat etwa die Leiterin der medizinischen Dienste auf Ende ihrer Probezeit zurück. Besonders in der Abteilung Medizinisch-pharmazeutische Dienste herrscht offenbar ein schlechtes Arbeitsklima, was die vielen Wechsel und das Problem erklären mag, neue Kräfte zu rekrutieren. Just dort sind das Heilmittelwesen mit der Kantonsapothekerin angesiedelt, die medizinischen Dienste (Gefängnismedizin, fürsorgerische Freiheitsentziehung) sowie eine Supporteinheit für administrative und juristische Prozesse wie etwa Bewilligungen für Gesundheitsberufe.

Als «richtig» bezeichnet es Conti, dass es in der Abteilung Medizinisch-pharmazeutische Dienste «hin und wieder Diskussionen um personelle Zusammensetzungen und Wechsel» gab, die alle ihre spezifischen Gründe hätten. Conti setzt jetzt auf eine anonymisierte Mitarbeitenden-Umfrage im ganzen Gesundheitsdepartement, die von einer externen Firma durchgeführt und umgesetzt werde. «Sie soll den Führungsverantwortlichen aufzeigen, wie sich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden im Departement darstellt», sagt Conti. Aus den Resultaten sollen sie zusammen mit den Teams allfällige Massnahmen entwickeln. Tatsachen erhofft sich Waibel von der Umfrage. Denn die Behauptungen eines schlechten Arbeitsklimas schadeten der täglichen Arbeit und förderten «die ansonsten gute Stimmung» nicht.

Für Conti, stolzer Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz, könnte sich der Konflikt als Wink erweisen, weniger national zu politisieren. Nach der Ausgliederung der Spitäler hat sein Departement nur noch 500 Mitarbeitende. Es gehört heute zu den kleinen Departementen Basels.