Stadtentwicklung

Ein schwieriger Prunkbau: Warum der Kanton die alte Villa der Staehelins fast nicht loskriegt

Blick auf die Villa vom Tor zur Strasse aus: Nach hinten überblickt eine ausladende Terrasse den Rhein.

Blick auf die Villa vom Tor zur Strasse aus: Nach hinten überblickt eine ausladende Terrasse den Rhein.

Seit gut zwei Jahren steht die Villa des Gesundheitsdepartementes leer. Das edle Stück gibt es nur im Baurecht. Das Haus hat eine bewegte Geschichte – und das Unternehmen Mitte ist nach wie vor sehr interessiert an der Liegenschaft.

Sie ist eine Perle, die alte Villa des Basler Gesundheitsdepartements hoch über dem Grossbasler Rheinbord in der St. Alban-Vorstadt. Doch seit rund zwei Jahren steht das Haus leer. Der Sitz von Regierungsrat Lukas Engelberger (CVP) befindet sich seither in einem moderneren Bürogebäude an der
Malzgasse und der Kanton versucht, das Haus an Mann und Frau zu bringen.

Bislang allerdings wenig erfolgreich. Ende 2019 beschied Immobilien Basel-Stadt, dass wohl anfangs 2020 die neuen Eigentümer bekannt gegeben werden sollen. Jetzt wird der Zeitplan korrigiert: «Der Regierungsrat wird nach der Sommerpause über den Kauf- und Baurechtsvertrag mit der Vertragspartei entscheiden», sagt Christian Schuster, stellvertretender Geschäftsleiter von Immobilien Basel-Stadt.

Die Villa ist architektonisch und historisch wertvoll. Erbaut wurde sie zwischen 1839 und 1841 von keinem Geringeren als Melchior Berri – dem Architekten des Naturhistorischen Museums und des Antikenmuseums. Berri konzipierte das Haus nach dem Vorbild der «Villa suburbana», also einer Vorstadtvilla, was sie mit ihrem Vorgarten und der von der Strasse zurückversetzten Lage vom Rest der Altstadt deutlich abhebt.

Komplexe Liegenschaft und eine Basler Familien-Saga

Diese Tatsache allein macht das Gebäude schon bemerkenswert. Dazu kommt aber noch die Geschichte: Ursprünglich war die Liegenschaft im Besitz einer alten Daig-Familie. Denn Berri hatte im Auftrag von August Staehelin-Vischer und seiner Schwiegermutter gebaut. Um Platz für den Garten zu schaffen, wurden gleich vier Vorgängerhäuser abgerissen – das Gegenteil der heute in Basel gebräuchlichen Verdichtung.

Lange blieb die Villa allerdings nicht in Familienbesitz. Tochter Anna übernahm zwar das Haus von Vater August, hatte aber keine Kinder, die hätten erben können. Staehelins übergaben das Haus in den 1930er-Jahren dem Kanton, 1945 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Der Kanton investierte bislang eher zurückhaltend

So geschichtsträchtig und prunkvoll das Haus ist – 31 Zimmer, 1408 Quadratmeter Nutzfläche, ein Kutscherhaus, ein hübscher Hof zur Strasse hin, eine ausladende Terrasse zum Rhein hin –, so schwierig ist es, diesen Bau zu vermitteln. Vor allem, weil die Villa nicht verkauft werden darf, sondern nur im Baurecht abgegeben wird. So will es der Gesetzgeber nach Annahme der «Neuen Bodeninitiative» im Jahr 2016. Wer also das Haus bespielen will, muss nicht nur ein Baudenkmal erster Güte pflegen, sondern zahlt dem Kanton einen jährlichen Baurechtszins im sechsstelligen Bereich.

Die Vermittlung der Villa nahm nicht etwa der Kanton selbst vor, sondern das auf Luxusimmobilien spezialisierte Unternehmen Engel & Völkers. Dieses führte auch die Korrespondenz mit den Bewerbern. Wie die bz aus Kreisen von frühen Interessenten erfahren hat, sind die Aufwände nicht ausser Acht zu lassen: So wurde während der Nutzung durch den Kanton wenig in die Infrastruktur investiert, da das einstige Wohnhaus vor allem Büros beheimatete. Einige an der Liegenschaft Interessierte, darunter eine namhafte Stiftung, verzichteten daher auf eine Bewerbung.

«Grosses Interesse» beim Unternehmen Mitte

Anders allerdings das Unternehmen Mitte. Das in der Innenstadt bekannte Kaffeehaus hatte sich aktiv mit einem Konzept für eine öffentliche Nutzung der Liegenschaft beworben. Wie Mitte-Gründer Daniel Häni sagt, sieht das Konzept einen Treffpunkt mit gastronomischem Angebot im gehobenen Vorstadtquartier vor. «Damit diese geschichtsträchtige Liegenschaft der Bevölkerung zugute kommt», sagt Häni. Der Businessplan stand bereits, ebenso eine Finanzierungsrunde für nötige Investitionen. Die Grösse des neuen Betriebs hätte in etwa dem Betrieb des «Fumare/Non-Fumare» an der Gerbergasse entsprochen.

Vergangenen Herbst ereilte Häni und sein Geschäftsleitungsteam von der Unternehmen Mitte GmbH dann die Absage, erneut durch Engel & Völkers: Der Zuschlag sei an jemand anderes ergangen. Da seither allerdings Funkstille herrschte, wurde Häni noch einmal bei Immobilien Basel-Stadt vorstellig: «Wir machten klar, dass wir nach wie vor grosses Interesse an einem öffentlich nutzbaren Betrieb der Liegenschaft haben.» Das sei so zur Kenntnis genommen worden.

Ein Lift wäre sogar möglich

Über den Favoriten unter den Kandidaten hält sich Christian Schuster bedeckt. Zur Vermittlung sagt er: «Solche Liegenschaften sind erfahrungsgemäss herausfordernd.» In der Regel fände jedes Haus aufgrund seiner Lage, Grösse und Ausstattung beziehungsweise Nutzungsmöglichkeiten seine geeigneten Eigentümer oder in diesem Fall: Baurechtsnehmer. Die Beurteilung des Zustandes der Liegenschaft sei auch von der geplanten künftigen Nutzung abhängig.

Seitens Denkmalpflege ist einiges vorbereitet. Ein entsprechendes Gutachten wurde angefertigt, heisst es auf Anfrage, unter anderem wurde geklärt, ob auch ein Lift eingebaut werden kann. Letztlich hängt vieles von der neuen und zurzeit unklaren Nutzung ab – darunter auch, ob das meiste beim Alten bleibt oder ob unter vielen Auflagen saniert wird.

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