Öffentlicher Verkehr

Ein Sozi-Schulterschluss über die Grenzen hinweg: Bessere Anbindung von Riehen nach Lörrach gefordert

Das Busnetz im Kanton Basel-Stadt soll über die Grenzen hinaus optimiert werden, so die Forderung.

Das Busnetz im Kanton Basel-Stadt soll über die Grenzen hinaus optimiert werden, so die Forderung.

Die Anbindung der deutschen Gemeinde Inzlingen an Riehen soll verbessert werden, fordern die Riehener SP und die Inzlinger SPD. Auch eine Weiterführung der Tramlinie 6 ins Lörracher Zen­trum steht im Raum.

Im Grundsatz ist Martin Leschhorn, Einwohnerrat und Co-Präsident der SP Riehen, zufrieden mit dem kürzlich vorgestellten ÖV-Programm des Kantons Basel-Stadt. Dieses sieht für Riehen etliche Verbesserungen bei den Buslinien vor. Doch an einem Punkt stört sich Leschhorn gewaltig: an den Verbindungen ins benachbarte Inzlingen. Die deutsche Gemeinde sei mit dem öffentlichen Verkehr nur schlecht an Riehen angeschlossen. Insbesondere die für viele Pendler wichtige Verbindung zum Riehener Bahnhof sei schlecht.

«Die bestehende Verbindung der BVB von Riehen zum Inzlinger Zoll und vor dort weiter mit dem deutschen Bus ist äusserst unattraktiv und wird deshalb nur von wenigen genutzt.» Es müsse aber das Ziel sein – gerade auch, um Riehen vom Pendlerverkehr auf den Strassen zu entlasten –, dass möglichst viele Deutsche auf den ÖV umsteigen.

Das sieht der Inzlinger SPD-Parlamentarier Thilo Glatzel gleich, der an der Uni Basel als Dozent für Physik arbeitet. Gemeinsam wollen er und Leschhorn eine Petition lancieren, um auf die ihrer Meinung nach vorhandenen Mängel aufmerksam zu machen.

Tramverlängerung nach Lörrach ist heikel

Diesbezüglich überlegt sich die SP, zusätzlich eine Interpellation im Riehener Einwohnerrat einzureichen. «Wir müssen das Buskonzept über die Landesgrenze hinausdenken. Die Mobilität in unserem eng verknüpften Dreiland endet nicht an der Grenze», betont Leschhorn. Gerade auch mit einem allfälligen Ausbau der Wiesentalbahn nach Lörrach werde die Anbindung des Bahnhofs Riehen noch wichtiger. Die im ÖV-Programm postulierte Option, die Buslinie 35 vom Bahnhof Riehen zur Inzlinger Grenze nach Inzlingen hinein weiterzuführen, hat SP-Grossrätin Franziska Roth schon vor drei Jahren lanciert. SP und SPD erwarten nun endlich Taten in diese Richtung.

«Heute fahren viele Inzlingerinnen und Inzlinger mit dem Auto zur Grenze oder gleich nach Basel, weil die ÖV-Verbindung nicht attraktiv genug ist», gibt Leschhorn zu bedenken. Weiterführend sei sogar zu überlegen, ob es sich lohnen würde, einen Ringbus von Basel über Riehen, Grenzach-Wyhlen, Rührberg und zurück zu planen. Auch eine Weiterführung der Tramlinie 6 ins Lörracher Zen­trum, die heute in Riehen an der Landesgrenze endet, fände Leschhorn wichtig. Eine solche Verbindung bestand bereits zwischen 1919 und 1967. Obwohl die Linie stark frequentiert war, wurde sie vom Lörracher Stadtrat eingestellt. «In Lörrach entwickelt sich gerade sehr viel. Die Tramverlängerung ist definitiv eine Überlegung wert», findet deshalb Leschhorn. Der SP-Einwohnerrat weiss um die Brisanz des Themas betreffend Einkaufstourismus. Für ihn ist aber klar: «Von der grenzüberschreitenden Mobilität profitieren Bevölkerung und Gewerbe beidseits der Grenze.»

Beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement kann man die Kritik nicht nachvollziehen. Gerade das neue Buskonzept sieht eine Verlängerung der Buslinie 35 bis Inzlingen Wasserschloss über den Zoll hinaus als Option vor. Da die deutschen und Riehener Behörden Interesse an der Linienverlängerung zeigten, sei man beim Kanton optimistisch, dass die Option realisiert werden kann. Das erklärt Nicole Ryf, Sprecherin des Basler Bau- und Verkehrsdepartements. Gegenüber zusätzlichen Verbindungen nach Lörrach gibt sich Basel-Stadt zurückhaltend, da diese bereits über die S-Bahn garantiert seien und erst noch ausgebaut werden sollen. Obwohl der Verkehr in der Region gemeinsam geplant wird, gelte das Territorialprinzip, wonach neue Linien über die Riehener Grenze die Stadt Lörrach stemmen müsste.

Gemäss Leschhorn und Glatzel geben sich die deutschen Behörden aber «extrem zurückhaltend», was den Ausbau des öffentlichen Verkehrs angeht.

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