Die Vergangenheit wiegt schwer. Im doppelten Sinn. Die neue, lange erwartete Dauerausstellung zur Geschichte der Stadt Basel in der Barfüsserkirche hat mit gewichtigen Herausforderungen zu kämpfen: Ihre schwersten Exponate im Kirchenschiff hatten sich nicht wegbewegen lassen. Die originalen Skulpturen der städtischen Brunnen sowie das Häuptergestühl, das einst im Münster stand.

Kuratorin Gudrun Piller hat darum herum die neue Basler Geschichte gestalten dürfen und hat es geschafft, zumindest das Gestühl, dieses erdenschwere Holzschnitz-Meisterwerk der Spätrenaissance, klug in die Ausstellung zu integrieren und es zu einer Art augenzwinkerndem «Rätselmöbel» zur Politikgeschichte des Stadtkantons zu machen.

Fussball als Nostalgie

Die Vergangenheit hat in dieser Stadt auch sonst ein (oft zu) grosses Gewicht. Gerade das Historische Museum tat sich in den vergangenen Jahren schwer mit der Darstellung der neueren und neuesten Geschichte. Das Gewicht der traditionalistischen Kräfte schien sich wie schwerer Teig über und um das staatliche Haus zu stülpen.

Die am Freitag eröffnete Dauerausstellung bricht nun endlich für das 20. Jahrhundert (ja, es ist tatsächlich vorbei!) eine Lanze: In sechs Bögen des Lettners werden Aspekte der Zeitgeschichte anhand von kurzen, prägnanten Filmen beleuchtet. Aspekte, die nach wie vor im Zentrum der Diskussionen in Basel stehen, seien es Freiräume, Migration, Pharma, das Verhältnis zum Baselbiet oder der FC Basel.

Dass der Fussballclub einen Platz in dieser Ausstellung erhält und so zum musealen Kulturgut wird, hat aus dem Selbstverständnis dieser Stadt heraus eine gewisse Logik. Der Film jedoch zelebriert einzig eine Form der Nostalgie, die sonst zum Glück keinen Platz hat in der Barfüsserkirche. Ebenso lässt sich hinterfragen, ob «Schweizerhalle» als Wendepunkt der jüngsten Basler Geschichte so strikt von der Pharma-Industrie-, beziehungsweise den Life Sciences abgetrennt werden kann, wie es die Kuratorin in ihrer Ausstellung tut. Gerade aber für neue Bewohner der Stadt wie die Expats (die Kommentare zu den Filmen gibt es auch auf Englisch und Französisch) sind diese «Lettner-Filme» zu empfehlen: Wer wissen will, auf welcher unmittelbaren gesellschaftlichen und politischen Basis sich die Stadt heute entwickelt, sollte sich die Filme anschauen.

Ein weiterer Eckpfeiler der Dauerausstellung ist die Darstellung von rund 100'000 Jahren Basler Geschichte anhand von 50 Objekten. Spätestens seit Neil MacGregors «Weltgeschichte in 100 Objekten» (2010) erfreut sich diese Form in vielen kulturellen Disziplinen recht grosser Beliebtheit.

Auch in der Barfüsserkirche funktioniert es. Während an der Rückwand einige Kernereignisse beschrieben sind, steht davor eine gelungene und auch überraschende Auswahl an Objekten stellvertretend für die jeweilige Zeitperiode oder das Ereignis. So gibt es Henkerswerkzeug zu sehen, eine Klingelanlage für das Personal eines grossbürgerlichen Hauses, Gummischrot zur Erinnerung an die Räumung der «Alten Stadtgärtnerei» oder auch ein Sweatshirt des Mundart-Rappers Black Tiger.

Leicht und leichtfüssig

Wer Entwicklungsphasen und -bereiche übereinander gelagert und in einer Art «Flow» verfolgen will, der wird an der letzten Station der Ausstellung gut bedient. Da stehen zwei grosse historische Stadtmodelle, die uns einiges darüber sagen, wie sich unsere Vorfahren die alte Stadt vorgestellt haben – ob beschönigt oder im Versuch einer realistischen Annäherung. An einem grossen Bildschirm kann Stadtentwicklung in verschiedenen Bereichen ausserdem interaktiv nachgezeichnet werden.

Geschichte ist nie leicht. Aber manchmal kann ihre Vermittlung so leichtfüssig daherkommen wie in der neuen Dauerausstellung des Historischen Museums. Sie heisst übrigens «Zeitsprünge». Man ist versucht, diesen Titel auch auf das Museum selbst bezogen zu interpretieren. Es wäre ein kleiner Sprung nach vorn.


   

«Zeitsprünge». Historisches Museum, Barfüsserkirche Basel. hmb.ch