Haben Sie schon einmal Hungerhaken oder Schmachtlappen gekostet? Mundet Ihnen «Furzlaib mit würzigen Zwiebeln»? Offensichtlich sind diese kulinarischen Spezialitäten die beste Nahrung, um mit Axt und Schwert aufeinander einzudreschen oder sich mit der Lanze zu Pferd im Turnei zu messen.

Nach Schätzungen der Veranstalter über 25000 Menschen aus drei Nationen, darunter hörbar viele Schweizer, fanden am Wochenende im Dreiländergarten in Weil am Rhein zusammen, wo bereits im sechsten Jahr das Kulturfestival «Mittelalterlich Phantasie Spectaculum» (MPS) stattfand. Neben Schaukämpfen bestand das Programm vor allem aus Musik: Sieben Mittelalterbands aus Deutschland, Holland und Schottland spielten auf zwei Bühnen, darunter als Höhepunkte Faun und Saltatio Mortis.

Ritter, Knappen, Marktweiber, Jäger, Wikinger, Amazonen und Elfen bevölkerten den Dreiländergarten. Laut Festivalsprecher Edwin Ball ist gerade das Miteinander vieler gesellschaftlicher Schichten das Besondere am MPS: «Hier trifft die konservative Familie auf Rollenspieler und Gothic-Anhänger; und alle kommen friedlich miteinander ins Gespräch und merken vielleicht, dass der andere doch nicht so schlimm ist.»

Fantastisch statt authentisch

An mehreren Stellen legt das MPS Wert darauf, dass es «nicht authentisch, sondern phantastisch» sein will. «Wir möchten so authentisch wie möglich sein», erklärt Ball; «aber wir sind moderne Menschen.» Einen Donnerbalken könne man heute keinem Besucher mehr zumuten; und für den Barbetrieb wie die Musik bedürfe es moderner Technik. Ausserdem hätten die Veranstalter «erst einmal 20 Tonnen Abfall auf die Wiese kippen müssen», um einen realistischen Eindruck vom Mittelalter zu erhalten. «Wir organisieren einen Traum vom Mittelalter», folgert Ball, «einen friedlichen Tag im Mittelalter ohne Krieg und Seuchen.»

Dieses Prinzip gilt auch für die choreografierten Schwert- und Turnierkämpfe (nachts mit pyrotechnischen Effekten); auch dort gehen Unterhaltung und Praktikabilität vor Authentizität. Mit Fictum und Ars Equitandi habe man in dieser Hinsicht einige der besten Schaukämpfer Europas engagiert, ist sich Ball sicher: «Würden die Ritter tatsächlich filmreif von den Pferden fliegen, hätten wir gebrochene Knochen.»

Wunde Knochen in Kauf nehmen hingegen die Kämpfer von «Claidheamh Mòr», Gälisch für «Langes Schwert», eine Gruppe Re-Inakteure aus Liestal. Neben dem «Bunten Haufen» aus Basel und der «Meuchler-Gilde» aus Marbach (SG) stellen sie den schweizerischen Teil der «Heerlager», jener Gruppe von Hobby-Darstellern, die mit ihren Zelten, Lagerfeuern, Spanferkeln und Freundschaftskämpfen dem mittelalterlichen Festival erst Atmosphäre und Lebendigkeit verleihen.

Schmied Roger Flury und seine 16-köpfige keltische Truppe aus Liestal waren bereits in den vergangenen Jahren zu Besuch auf dem MPS. Dieses Jahr nehmen sie zum ersten Mal aktiv teil daran. Am kommenden Wochenende werden ihre Kämpen (darunter zwei Frauen) dann auf dem Homburgfest in Läufelfingen mit echten Waffen ohne Choreografie «möglichst brutal» und authentisch aufeinander einschlagen: «Unsre Schmerzensschreie sind echt!», versichert Flury.