Die Kantonspolizei Basel-Stadt geht mit der Zeit – oder ist ihr sogar voraus: Für das effizientere Ausstellen von Parkbussen hat man eine Spezial-App entwickelt und für Einsätze auf der Strasse gibt es Elektroboliden.

Heute Donnerstag wollen die Verantwortlichen die ersten zu Streifenwagen umgerüsteten Teslas den Medien präsentieren. Dank Facebook und Instagram wissen wir bereits, wie der Blaulicht-Tesla aussieht:

Die Reaktionen zu den Social-Media-Beiträgen der Basler Polizei sind mehrheitlich positiv ausgefallen. Dies, nachdem es im Vorfeld massive Kritik und politischen Gegenwind gegeben hatte. Insbesondere die SVP kritisierte die Beschaffung. Und der zuständige Politiker (FDP) räumte Fehler ein.

Derzeit dürfte sich der eine oder andere Verantwortungsträger überlegen, statt stinkender Diesel-Karossen E-Autos zu beschaffen. Und die Bevölkerung fragt sich, wie sich die Flügeltüren-Amischlitten im Alltag bemerkbar machen.

Nun denn, hier sind die wichtigsten Vor- und Nachteile:

1 Die Motivation der Streifenpolizisten erreicht neue Höchstwerte

Die Basler Polizei nimmt als eine der ersten Polizeibehörden weltweit eine Tesla-X-Flotte in Betrieb. In anderen Ländern kommen bereits andere Tesla-Modelle zum Einsatz. Und wie reagieren «die Direktbetroffenen»? Man schaue sich das Gesicht dieses kanadischen Beamten an.

Zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter. In diesem Sinne kann sich die Basler Bevölkerung auf ein unglaublich entspanntes 2019 freuen. Auf fröhliche Beamtinnen und Beamte, die breit grinsend hinter dem Lenkrad sitzen – und am liebsten gar nicht mehr aussteigen würden

2 Der Tesla X übersteht sogar Flugzeugabstürze

Was die Sicherheit betrifft, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Oder anders ausgedrückt: Es kommt wie bei fast allem im Leben auf die Perspektive an.

Wer in einem Model X sitzt (und angeschnallt ist), kann sich so sicher fühlen wie selten auf der Strasse. Der Flügeltüren-Tesla gilt gemäss Crash-Tests als vergleichsweise sehr sicher. Ja, man kann damit sogar Flugzeugabstürze überstehen.

Und die schlechte Nachricht?

3 Das (schnelle) Fahren will gelernt und geübt sein

Tesla baut die am schnellsten beschleunigenden Serienfahrzeuge der Welt, die jeden Porschefahrer vor Neid erblassen lassen. Wer das Strompedal zu stark oder im falschen Moment betätigt, kann von der Strasse fliegen.

Dass die ersten drei Teslas schon demnächst auf Verbrecherjagd gehen, bzw. rollen, ist stark zu bezweifeln. Zuerst müssen die Beamten, die hinters Lenkrad dürfen, intensiv geschult werden und Fahrpraxis sammeln.

Stellt sich auch noch die Frage, ob sie auf Verfolgungsjagden den «Ludicrous»-Modus aktivieren.

4 Immer online, immer angreifbar

Durch die Vernetzung seien moderne Autos verletzlicher als je zuvor, warnte die «Süddeutsche Zeitung» im August. Tesla sei nicht mehr der einzige Autohersteller, der sich regelmässig mit ferngesteuerten Angriffen über die Funkschnittstelle konfrontiert sehe. Auch BMW und Co. sind betroffen.

2017 hatte ein Hackerangriff aufhorchen lassen, bei dem es den Angreifern gelungen war, die Kontrolle über einen Tesla Model X zu übernehmen und den Wagen fernzusteuern.

Zum Glück waren es Sicherheits-Forscher, die Tesla über ihre Methode informierten. Sie nutzten das WLAN-Modul sowie die integrierte 3G-Mobilfunk-Schnittstelle des Teslas, um eine manipulierte Firmware (Systemsoftware) zu installieren. Die Sicherheitslücken wurden inzwischen geschlossen. Und Tesla-Chef Elon Musk ging dieses Jahr in die Offensive:

«Teslas Sicherheits-Software [soll] künftig als Open-Source-Software frei verfügbar sein. Ausserdem wird das Belohnungsprogramm für das Aufdecken von Sicherheitslücken ausgebaut. Hackern, die auf der Suche nach Sicherheitslücken ihr Auto lädiert haben, verspricht Musk zudem eine Unterstützung bei den Reparaturkosten», schrieb die «Süddeutsche».

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Sicher ist hingegen, dass die regelmässigen Software-Updates, die Tesla übers Internet, «Over the Air», ausliefert, Vor- und Nachteile bieten: Sicherheitslücken können schnell und ohne Werkstattbesuch geschlossen werden, doch funktionieren die Autos während des Updates nicht. «Ein Horrorszenario wäre also, wenn die Software in voller Fahrt neu hochfahren würde.»

5 Tesla verleiht Flügel

Während andere Polizeibehörden auf die eher langweiligen Tesla-Modelle setzen, muss es in Basel der Flügeltürer sein. Der Coolness-Faktor steigt um den Faktor 1000.

Hollywood nahm die Entwicklung voraus, als es 1993 den Science-Fiction-Knaller «Demolition Man» in die Kinos brachte. Sylvester Stallone zeigt sich als (ungewollt) in die Zukunft verpflanzter Raubein-Cop von der lustigen Seite. Sehenswert ist aber auch das damals noch futuristische Flügeltüren-Polizeiauto. Und Sandra Bullock steigt hinten ein.

Auch die «Kunden» der Polizei werden hinten im E-Streifenwagen mitfahren. Die senkrecht nach oben öffnende «Falcon Wing»-Türen seien zudem praktisch bei der «Arretierung renitenter Personen», schreibt die Basler Polizei.

6 Das ultimative Fasnachtssujet

Ebenfalls in «Demolition Man» zu sehen ist eine neue Sicherheitstechnik, die bei Unfällen zum Tragen kommt. Statt eines Airbags wird der Innenraum mit Schaum gefüllt.

So weit sind die Basler Polizei-Teslas nicht, doch bieten sie auch so viel Stoff für die Fasnacht. Wir dürfen gespannt sein auf die «Schnitzelbänke» 2019.

Man denke nur an die Autopiloten-Funktion, die immer wieder für Schlagzeilen gesorgt hat. Wobei im dichten Basler Stadtverkehr nicht damit zu rechnen ist, dass die Beamten das automatische Steuern aktivieren und zurücklehnen.

7 Die hiesige Autobranche ist noch nicht so weit

Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man sieht, wo die Basler ihre Polizei-Teslas umrüsten liessen, respektive wo sie einsatzbereit gemacht wurden: «Der Ausbau wird in einer von Tesla zertifizierten Ausbau-Werkstatt für Behördenfahrzeuge in den Niederlanden vorgenommen. In der Schweiz gibt es keine zertifizierten Ausbau-Werkstätten, welche einen vergleichbaren Ausbau anbieten», schreibt sie auf Facebook.

Geprüft und für Schweizer Strassen zugelassen sind die Spezial-Teslas bereits, wie die Kantonspolizei versichert.

8 Innovativ statt fossil

Wetten, dass sich Elon Musk die Gelegenheit nicht entgehen lässt, und erneut über die Basler Polizei-Teslas twittert? Das wäre auch wieder willkommene Werbung für Basel im engeren und die Schweiz im weiteren Sinn.

Soll einer sagen, wir würden die Zukunft verschlafen! Und bitte, liebe Vergaser- bzw. Verbrenner-Freunde: Fossile Treibstoffe sind so was von out! Das müsste spätestens dann einleuchten, wenn man nach Saudi-Arabien blickt, oder auf die verheerenden Umweltschäden, die durch Fracking in Nordamerika und anderswo angerichtet werden.

9 Geld sparen

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat die finanziellen und betrieblichen Vorteile, die der Tesla Model X-100D gegenüber herkömmlichen Diesel-Kombifahrzeugen bietet, bereits im März genannt:

  • Das Modell überzeuge punkto Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz, eigne sich «dank hoher Nutzlast und viel Stauraum sowie sehr guten Fahreigenschaften» für die Verwendung als Alarmpikett-Fahrzeug.
  • Stichwort Reichweite: Mit einer Akkuladung fahre der Tesla mindestens 500 Kilometer. Fahrzeuge des Alarmpiketts legten pro Tag im Durchschnitt 200 Kilometer zurück.
  • Stichwort Gesamtkosten (Total Cost of Ownership, TCO): Verglichen mit den bisherigen Diesel-Autos sei der Tesla Model X zwar in der Anschaffung (140ʹ000 Franken, inklusive Ausbau, gegenüber 90ʹ700 Franken, inklusive Ausbau) teurer, dafür aber bei den Betriebs- und Unterhaltskosten günstiger.
  • Der Wiederverkaufswert sei deutlich höher.

Warum kein Hybridfahrzeug? Weil dann die Kostenvorteile, die ein rein elektrisch betriebenes Fahrzeug bietet, durch höhere Unterhaltskosten infrage gestellt wären.

10 Die Umwelt schonen

Ist das Elektroauto wirklich umweltfreundlicher? In der Vergangenheit berichteten selbst seriöse Medien, dass Tesla und Co. beim heutigen Strommix eher klimaschädlicher seien als der Verbrennungsmotor. Doch das stimmt nicht, wie Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) für manager-magazin.de berechnet haben.

Fazit: Akkufahrzeuge schlagen Verbrenner in Punkto Klimafreundlichkeit deutlich. Das gelte nicht nur für Länder wie die Schweiz, wo der zum Fahren benötigte Strom kohlendioxid-arm aus Wasser- oder Atomkraft hergestellt wird.

Ein Grossteil der im Brennstoff gespeicherten Energie verpuffe nutzlos als Wärme aus dem Verbrennungsmotor, insbesondere im Stadtverkehr mit Stop and Go. «Elektroautos sind schon heute klimafreundlicher als Diesel- und Benzinwagen. Und der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien lässt den Vorteil weiter anwachsen», heisst es im «Manager-Magazin».

Die Forscher konstatierten zwar auch, dass ein sehr sparsames kleines Dieselfahrzeug das Model X schlagen könnte. Allerdings nur unter günstigen Bedingungen. Zudem setzt die Polizei nicht auf PS-schwache Kleinwagen.